Von Frank Patalong
Codecs machen alles möglich
Das nächste Update des Flash-Players implementiert den H.264-Codec von MainConcept - und wird so über Nacht die Voraussetzung dafür schaffen, dass das Gros der Rechner in aller Welt prinzipiell HD-Streams empfangen und darstellen kann, wenn nur die DSL-Leitung dick genug ist. Da fehlen dann nur noch die entsprechenden Angebote, auf die nicht nur NBC sich gerade vorbereitet. Nicht unwahrscheinlich also, dass IPTV den qualitativen Standard klassischer TV-Sender schon bald rechts und links überholen wird.
Wie gut, dass die Hardware-Industrie immer mehr Geräte anbietet, die DSL-Buchse respektive Rechner direkt mit dem Fernseher im Wohnzimmer verbinden - zu inzwischen erschwinglichen Preisen. Das Beispiel Großbritannien aber zeigt, worauf es eigentlich hinausläuft: Auf kleine Settop-Boxen, die eine direkte Verbindung zwischen Internet und TV gewährleisten. So etwas gibt es dort von jeder Telefonfirma, aber auch von verschiedenen IPTV-Anbietern - so wie in Deutschland für die Triple-Play-Angebote der Telekom oder von maxdome.
Auch die ARD bastelt bereits an Verträgen mit dem Box-Entwickler itv solutions aus Berlin, der für deren Mediathek die passende Maschine im Angebot hat: Das Ding ist ein Hybrid, der zugleich DVB-T, -S und -C-Receiver ist, über Ethernet-Anbindung für die DSL-Buchse verfügt und als Festplattenrekorder dann 160 GB an TV-Inhalten speichern kann.
Wer macht das Fernsehen von morgen?
Kein TV-Sender kann es sich leisten, bei dieser rasanten Entwicklung außen vor zu bleiben - zumal die IT-Welt ihren eigenen Angriff auf die TV-Märkte längst vorbereitet. Bis Anfang nächsten Jahres will beispielsweise Hewlett Packard eine eigene, proprietäre Plattform namens Next.tv etablieren - durch Vorinstallation des gleichnamigen Players auf allen PC-Produkten.
Next.tv aber steht für mehr als nur für eine Media-Player-Software. Hinter dem Angebot steht ein Portfolio von Web-TV- und IPTV-Angeboten: Rund 50 Kanäle will HP zum Start anbieten. Das ist eine kräftige Konkurrenz für die klassische TV-Sender-Branche. CBS wird immerhin mit eigenen Inhalten vertreten sein, wenn auch huckepack via Veoh.
Solche Projekte sind der Hintergrund, vor dem das Prinzip Gießkanne seine Erklärung findet: TV-Inhalte sind definitiv dabei, ihre Exklusivität zu verlieren. Sie verlieren ihre Bindung an bestimmte Sender - legal und lizensiert oder weggefunden und wild auf Video-Plattformen publiziert - und gehen auf im ortlosen Netz, werden allgegenwärtig und überall zum Download angeboten.
Was kann man also Besseres tun, als die eigenen Inhalte fest an eigene Werbung zu koppeln und sie im Netz zu streuen? Die Zukunft des Programms hat die Gestalt einer Datenbank. In der IPTV-Welt ist der Anbieter irrelevant. Man schaut nicht mehr darauf, was am Abend ZDF, ProSieben oder NBC bieten. Man sucht nach spezifischen Inhalten, egal, wo die gerade angeboten werden, oder darauf, was live gerade über das Web streamt - und das ist keine Frage von Sendern, sondern von Zeiten.
Einen Ausblick darauf, wie so etwas einmal aussehen wird, bietet das Stream-Programm von Last100 für die USA. Noch ist das alles sehr überschaubar und statisch, kommt als kleiner, siebenseitiger Stundenplan daher. Wetten, dass binnen Jahresfrist ein wie auch immer gestalteter IPTV-Google diese Funktion erfüllt - und statt Sendern nur noch Links auf spezifische Inhalte serviert? Es scheint, dass der gut beraten ist, der bis dahin die Gießkanne gründlich kreisen lässt.
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