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04.10.2007
 

Netzwelt-Ticker

Raubkopierer-Klagen kosten Plattenfirmen Millionen

Von Felix Knoke

Ein Sony-Manager beschwert sich: Klagen gegen Raubkopierer kosten Millionen. Ob das Geld gut angelegt ist, wird der erste Prozess vor einem US-Gericht zeigen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Milliardenschäden durch Lock-E-Mails und Zensur bei AT&T.

Nach 26.000 Klagen in vier Jahren könnte in den Vereinigten Staaten der erste Prozess vor einem Schwurgericht die Plattenindustrie in Nöte bringen: Capitol Records gegen Jammie Thomas, einen angeblichen Raubkopierer. Bisher schafften es die Anwälte der Plattenfirmen immer, die Angeklagten vor Prozessbeginn zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen. Das vermeidet teure, langwierige, riskante Prozesse. Der Verband der US-Plattenindustrie RIAA kündigte auch an, weiterhin potentielle Raubkopierer zu verklagen.

Kampagne gegen Raubkopierer: Mutmaßliche Tauschbörsennutzer zu verklagen, kommt die Plattenindustrie teuer zu stehen
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DDP

Kampagne gegen Raubkopierer: Mutmaßliche Tauschbörsennutzer zu verklagen, kommt die Plattenindustrie teuer zu stehen

Einige Verbandsmitglieder sind da skeptischer: Ein Sony-Manager gab im Zusammenhang mit dem anstehenden Prozess von Capitol Records zu: Die Klagen kosten uns Millionen. Für das Online-Finanzmagazin "The Motley Fool" ist klar: So kann es nicht weitergehen, ein Paradigmenwechsel steht an.

Die RIAA musste derweil im laufenden Prozess eine Schlappe einstecken. Der Richter weigerte sich schlicht, den RIAA-Präsidenten Cary Sherman als Zeugen zuzulassen. Der sollte der Jury einmal ins Gewissen reden, so der Plan, warum dieser Fall bedeutungsvoll ist, und zeigen, wie sehr Piraterie der Musikindustrie schade. Richter Michael J. Davis lehnte ab und folgte damit wahrscheinlich der Ansicht der Verteidigung, dass "dieser Fall nicht zu einer Bühne für die Plattenindustrie werden sollte.".

Zwei Milliarden Dollar Schaden durch Lock-E-Mails

Bei Ermittlungen und Einsätzen gegen Internetbetrüger haben Polizisten weltweit allein in diesem Jahr gefälschte Schecks im Wert von 2,1 Milliarden Dollar sichergestellt. 77 Betrüger wurden in den Niederlanden, Nigeria, Kanada, den USA und anderen Ländern festgenommen. Diese Zahlen gab die National Consumers League, eine amerikanische Verbraucherschutzzentrale, auf einer Pressekonferenz bekannt. Denn: Vor Internetbetrügern muss man warnen, warnen, warnen.

Noch immer fallen tausende argloser Websurfer auf Lock-Mails von angeblichen nigerianischen Millionären und Milliardärswitwen - vorgebliche ehemalige Könige, Prinzen und Ölmagnaten - herein. Der Trick ist immer derselbe: "Ich habe viel Geld und muss es außer Landes schaffen. Hilf mir dabei und ich beteilige dich."

Schecks mit riesigen Summen werden daraufhin an das Opfer verschickt, welches dann Bearbeitungsgebühren oder größere Geldsummen als Vertrauensbeweis an die Betrüger überweisen soll. Im Nachhinein stellen sich die Märchenschecks natürlich als ungedeckt heraus: Der Betrogene hat kaum eine Chance, seine "Bearbeitungsgebühren" jemals wiederzusehen.

Erst im August machte ein besonders aufsehenerregender Fall die Runde: Ein gutgläubiger Australier überwies Internet-Neppern unglaubliche 1,28 Millionen Euro.

Diese sogenannten E-Mail-Scams sind längst Legende im Netz. So machen sich vermeintliche Scam-Opfer mittlerweile einen Spaß daraus, die Betrüger zu betrügen. Auf der Website 419eater.com gibt es reichlich Geschichten voller Schadenfreude - und Bilder von Scammern, die den eigenartigen Wünschen der 419eater.com-Community zum Opfer gefallen sind.

AT&T verteidigt Rauswurf-Drohung

Die neuen Nutzungsbedingungen des Telekommunikationsriesen AT&T stießen vielen Netz-Autoren sauer auf. Dort hieß es, dass AT&T Kunden den Service verweigern kann, deren Verhalten darauf abzielt, AT&Ts Namen oder Ruf zu schädigen.

Nun rechtfertigte ein Sprecher von AT&T diesen Passus gegenüber Ars Technica: Es ginge doch gar nicht um Kritiker des Unternehmens. Vielmehr wolle AT&T die Möglichkeit haben, Seiten mit Gewaltaufrufen oder mit Darstellungen die Kinder gefährden könnten, abzuschalten. Ars Technica konterte: AT&T-Kunden müssen auf diese Worte vertrauen. Die Nutzungsbedingungen lassen dem Unternehmen großen Spielraum. Mehr, als sie nach dem Verständnis des AT&T-Sprechers bedeuten sollen.

Aber das mit AT&T und dem Vertrauen ist so eine Sache. Noch immer hängt dem Unternehmen der Abhörskandal von letztem Jahr im Nacken – AT&T sammelte für den US-Geheimdienst NSA Telefondaten von Millionen US-Kunden, ein Gerichtsverfahren ist noch offen. Der Aufruhr nach der Zensur von bushkritischen Kommentaren bei einem Konzert der Rockband Pearl Jam ist auch kaum verwunden, da zeichnet sich schon neues Unheil für AT&T ab.

Im Juni kündigte das Unternehmen an, in Zusammenarbeit mit Hollywood-Studios das Surfverhalten seiner User auf Urheberrechtsverstöße hin zu überwachen. Ein Albtraum für Bürgerrechtler. Aber alles halb so schlimm, versucht ein AT&T-Verantwortlicher jetzt zu beschwichtigen: Man helfe damit doch nur dem ganz normalen Surfer, der nach der Filterei leichter auf legitime Inhalte zugreifen kann und dabei auch noch besser vor Spyware und Viren geschützt sei. Und natürlich werde man nur zielgerichtet und in Übereinstimmung mit dem Gesetz agieren.

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