Die Vermutung lag so nah, doch die Jury der BigBrotherAwards ist ihr nicht gefolgt: Innenminister Wolfgang Schäuble wird auch in diesem Jahr nicht mit einem "Oskar für Datenkraken" ausgezeichnet.
Klar, schrieb schon im Vorfeld der "Nichtlaudator" Rolf Gößner in seiner Begründung dafür, dass Schäuble wieder leer ausgeht, sei der natürlich der "Traumkandidat für den BigBrotherAward" gewesen. Doch "überqualifiziert wie seinerzeit nur sein Vorgänger im Amt, Otto Schily" bestünde bei Schäuble die Gefahr, dass der die Anti-Auszeichnung tatsächlich als Ansporn begreifen könnte.
Diese Gefahr ist sonst wohl kaum gegeben. Der BigBrotherAward ist ein echter Anti-Preis, den niemand haben will. Seit 2000 versucht er, berechtigte Bedenken gegen den wachsenden Datenhunger und den zunehmend schludrigen Umgang mit schützenswerten Informationen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In diesem Jahr gibt es Auszeichnungen in acht Kategorien.
Der BigBrotherAward wird in Deutschland vom "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V." (FoeBuD e.V.) organisiert. In der Jury sitzen Vertreter von Datenschutz- und Menschenrechtsorganisationen sowie vom Chaos Computer Club CCC. Der Preis soll als Negativauszeichnung verstanden werden, auf Fehlentwicklungen im Bereich des Datenschutzes hinweisen. Die Auszeichnung wird in bis zu dreizehn Ländern vergeben. Initiiert wurde der BigBrotherAward 1998 von der britischen Organisation Privacy International.
Die Verleihung der deutschen Preise begann am Freitag gegen 18 Uhr in Bielefeld. Die vollständigen Laudatios sind in den nächsten Tagen über die Webseite der Awards abrufbar.
pat
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