Von Konrad Lischka
Shawn Fanning war gerade mal 19 Jahre alt, als er Amerika etwas verschämt vom Cover des Time-Magazins anlächelte. Den Mann, der die Musikbranche umgekrempelt hat, nannte ihn "Time" im Oktober 2000. Fanning hat Napster programmiert, die Zugangssoftware für die erste populäre Musiktauschbörse. Mehr als 40 Millionen Mitglieder schoben sich zu Napsters besten Zeiten kostenlos MP3-Dateien zu – weltweit, direkt von Computer zu Computer und natürlich illegal.
Seit dem Coverfoto ist es Fannings Firmen nicht besonders gut ergangen: Seine zweite Web-Musikfirma Snocap, die unter anderem auf MySpace Musik verkauft, hat jetzt die Hälfte der Angestellten entlassen. Und aus dem legendären Napster ist nie ein Geschäft geworden. Fanning hat seiner Software zwar ein revolutionäres Feature verpasst, den direkten Datenaustausch von Rechner zu Rechner (Peer-to-Peer). Nur ein durchdachtes und gerichtsfestes Geschäftsmodell fehlte. Sieben Monate nach dem "Time"-Titel war Napster deshalb schon offline.
Plattenfirmen hatten die Tauschbörse als leichtes Ziel für Urheberrechtsklagen ausgemacht. Angriffspunkt: Napster speicherte in einer zentralen Datenbank, auf welchen Mitgliedsrechnern welche Musikstücke lagen. Dezentraler Datentausch bei zentraler Suche – dieses Modell funktionierte nach der ersten einstweiligen Verfügung von US-Plattenfirmen nicht mehr. Napster musste seine Server abschalten und ewig mit Plattenfirmen über außergerichtliche Einigungen verhandeln.
Napster: Revolutionäre Idee ohne Geschäftsmodell
Bertelsmann unterstützte Napster, plante einen legalen Napster-Bezahldienst und stottert für die Reanimationsversuche heute noch mit den klagenden Plattenfirmen vereinbarte Vergleichszahlungen ab. Die Napster-Nutzer wechselten sofort zu anderen Tauschbörsen, die mangels zentraler Server nicht so einfach wie Napster wegzuprozessieren waren.
Snocap: Nach fünf Jahren ein Geschäftsmodell
Inzwischen liefert Fannings Firma Musikern Software, die sie auf beliebigen Webseiten integrieren könne, um dort ihre Musik zu verkaufen. Zum Beispiel auf MySpace. Dort nutzen laut Snocap mehr als 80.000 Bands die Software – 175.000 Musik-Käufer habe man schon gewonnen.
Nach fünf Jahren scheint Snocap nun ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu verfolgen. Etwas zu spät offenbar - 26 der 57 Angestellten wurden nun gekündigt. Man wolle die Firma so "attraktiver für Käufer" machen, erklärte der Geschäftsführer Rusty Rueff dem Branchendienst Cnet. Grund für den Verkauf laut Rueff: Die Geschäftsidee habe länger als gedacht gebraucht, um Fuß zu fassen.
Dritter Versuch: Fannings Ritter-MySpace
Und Shawn Fanning gründet weiter. Unbeirrt von den Snocap-Mühen startete Fanning vor einem Jahr sein neustes Projekt Rupture, eine Art Ritter-MySpace. Rupture ist ein soziales Netz für Spieler und Spielfiguren. Der Clou dabei: Rupture-Software verfolgt permanent die Entwicklung der Spielfigur in Online-Spielen wie "World of Warcraft" und aktualisiert ständig das Spieler-Profil. Das Geschäftsmodell? Werbung und Sponsoren. Bislang sieht man auf den Rupture-Seiten allerdings nur merkwürdige Google-Kontext-Anzeigen ("Mietwagen in Portugal?"), aber immerhin mehr als 60.000 Mitglieder in der Bestenliste.
Marc Andreessen, Steve Case, Richard Garriott – so ist es anderen Wunder-Gründern ergangen.
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