Videos hochladen und online anschauen, das ist in Zeiten von YouTube, Sevenload & Co. längst ein alter Hut. Doch nun hat sich mit Jawed Karim ein einstiger YouTube-Mitbegründer hinter ein Projekt gestellt, das für sich beansprucht, eine einzigartige Möglichkeit zur Online-Kommunikation anzubieten. Das erst sechs Monate alte Startup TokBox erlaubt es jedem, der eine Webcam und einen Breitbandanschluss zum Internet sein eigen nennt, Videochats ganz simpel im Browser abzuhalten.
Dazu kann der Anwender einfach die Internetseite des Unternehmens ansurfen oder sich ein kleines Modul auf die eigene Homepage oder seine Profilseite auf Plattformen wie MySpace laden. Der Unterschied zu ähnlichen Angeboten wie zum Beispiel AIM, dem Yahoo Messenger oder Skype: Die Installation einer besonderen Software ist überflüssig, auch müssen die beiden Gesprächspartner nicht mehr gleichzeitig online sein. Wenn einer von beiden zum Beispiel gerade mit dem Hund draußen ist, schickt der andere eine Video-Mail, die später jederzeit abgeholt und angesehen werden kann.
Nicht nur YouTube-Urgestein Karim ist mit an Bord. Heute kündigte Sequoia Capital, der Investor, der schon als Geburtshelfer von YouTube auftrat und später Milliarden mit dessen Verkauf verdiente, eine Finanzspritze von vier Millionen Dollar für TokBox an. Beim Investor gibt man sich überzeugt, mit dem Videoangebot im Rennen der Kommunikationsprogramme das nächste Rassepferd an den Start zu bringen.
Sequoia-Partner Roelof Botha, einst am YouTube-Projekt beteiligt, sieht schon wieder eine große Zukunft heraufdämmern, die "New York Times" zitiert ihn heute mit einem treffsicher platzierten Vergleich: "Ein Teil der Schönheit von YouTube liegt in der Tatsache, dass wir alle Browser haben und alle im Internet sind. Du klickst einen Link an und das Video startet. TokBox bietet dieselbe einfache Lösung innerhalb des Browsers an."
Kein Nachteil: keine echte Innovation
Bleibt die Frage, ob das neue Angebot wirklich so einzigartig ist, wie das die Macher behaupten - oder doch nur ein weiterer geklonter Puzzlestein im Bild der sogenannten Echtzeitdienste.
Was die installationsfreie Möglichkeit zum Videoquasseln anbetrifft, ist TokBox beileibe nicht das Einzige und schon gar nicht das Erste. Schon länger hat sich zum Beispiel mit Stickam eine Video-Chat-Plattform im Netz etabliert, auf der ständig Hunderte von Menschen zugleich online sind. Video-Clips können ähnlich wie bei YouTube und auch bei TokBox ohne weiteres hochgeladen werden. Noch mehr im YouTube-Anzug kommt Ustream.tv daher, auch hier ist das Live-Streaming von bewegten Bildern und Tönen möglich wie auch die problemlose Einbettung in die eigene Internetseite.
Das Alleinstellungsmerkmal von TokBox dürfte also nicht so sehr in seinem technischen Features liegen, sondern im Vorteil potenter Geldgeber, die entsprechend laut die Werbetrommel rühren können. Und die haben ihre Erfahrungen mit Firmen, die bewährte Ideen einfach besser aufwärmten, ja schließlich gemacht: Auch YouTube gehört in diese Kategorie.
Richard Meusers
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