Von Frank Patalong
Was machen ARD und ZDF, BBC und CBS, RTE und RAI, wenn sich das weltweit gerade aufgebaute Video-on-demand- und IP-TV wirklich einmal durchsetzt, mit ihren Quoten? Die Sache liegt doch auf der Hand: Jeder Zuschauer, der sich für Stream oder Download entscheidet, statt sich ins laufende Programm zu zappen, geht der herkömmlichen Zählung verloren.
Das aber ist tödlich in einem Geschäft, das darauf beruht, Augen an die Werbewirtschaft zu verkaufen, wie Werber in Amerika sagen: Die Währung des Fernsehens ist Aufmerksamkeit, ist Reichweite. Die Sender beweisen ihre Potenz, indem sie der Werbewirtschaft pünktlich am Folgetag die aktuellen Quoten servieren.
In der Welt des Video on demand und IPTV klappt das nicht mehr. An Stelle der Ereignisnahen Quote tritt eine kumulierte Reichweite für einzelne Programmangebote: Tatsächlich entscheiden sich die meisten Sender, die kostenfreie Angebote im Web machen, ihr Programm dort für jeweils sieben Tage nach der Erstausstrahlung vorzuhalten. Nielsen Media Research, das in den Vereinigten Staaten führende Unternehmen für TV-Quotenerfassung, hat darauf reagiert und bietet nun neben der herkömmlichen Quote auch eine "Live+7"-Zählung an. Die erfasst die Zahlen der Erstausstrahlung plus Aufzeichnungen auf Festplattenrekordern plus die Summe der Web-Abrufe binnen einer Woche.
Es soll bei Einführung des Systems TV-Sender und Produzenten gegeben haben, die darauf hofften, dass die Zahlen aus dem Web auch Inhalten zugute kämen, die es im TV nicht zu einer fetten Quote gebracht haben. Für sie sind die Nielsen-Zahlen eine Ernüchterung. Das Fazit des ersten Zählungsmonats lässt sich in einem knackigen Satz zusammenfassen: Erfolg hat im Web nur, was sowieso Erfolg hat.
Rund ein Drittel der angebotenen und erfassten TV-Programme verzeichnete ein Quotenplus von durchschnittlich 15 Prozent, der Rest war nicht messbar. Überproportional profitierten gerade einmal 15 Serien, die digital mehr als eine Million zusätzliche Zuschauer sammelten. NBC-Chef Alan Wurtzel kommentierte die Statistiken mit dem Satz, das neue Zählsystem schaffe ein noch weit "darwinistischeres Umfeld" als schon bisher. Zu deutsch: Überleben werden das nur die fittesten.
Deutsch heißt nicht gut
Das ist nicht wirklich überraschend. Der Teufel, weiß der Volksmund, scheißt immer auf den größten Haufen. Für die TV-Szene sind die Zahlen trotzdem hoch bedrohlich.
Denn sie zeigen auch dies: Wenn sich Web-TV-Zuschauer ihr Programm per Download zusammensuchen, statt sich von Programmmachern berieseln zu lassen, entscheiden sie sich ausschließlich für Qualität. Die TV-Feinkost wird goutiert, das Fastfood - und somit Gros des täglichen TV--Angebotes - schimmelt im Netz, ohne beachtet zu werden. Die großen Profiteure des ersten VoD-Zählmonats im US-Fernsehen hießen "Grey's Anatomy", "CSI", "Heroes" und "House". Wie auch sonst?
Das hat weitreichende Konsequenzen. Auch in Deutschland punkten die Privaten mit diesen Serien und erreichen Quoten, von denen ARD und ZDF nur bitter-nostalgisch träumen können. Auf bis zu 35 Prozent Marktanteil bringt es allein RTL an manchen Dienstagen, wenn hintereinander weg "CSI: Miami", "Dr. House" und "Monk" den Fernsehabend füllen.
Wenn die intelligenten US-Qualitätsserien laufen, landet die Konkurrenz in der Nische - und ARD und ZDF zunehmend bei der Rentner-Bespaßung. Das Problem dabei: Es kehrt die alten Verhältnisse um. Das von Harald Schmidt mit dem unsäglichen Begriff "Unterschichtenfernsehen" abgekanzelte Plätscher-Programm findet nicht mehr automatisch im Privatfernsehen statt, im Gegenteil. Gerade die "alten" Programme aus Shows und teils traditionsreichen deutschen Serien geraten zunehmend und zurecht in den Ruch, intellektuell nur rudimentäre Ansprüche zu stellen.
Schlimm aber wird es vor allem, wenn unsere Sender versuchen, etwas gegen den Qualitäts-Trend aus US zu setzen. "Schließlich sind die meisten deutschen TV-Formate nur billige Raubkopien nordamerikanischer Vorbilder", schrieb Martin Schwickert treffend in der "Welt". In der deutschen Politik ist das noch nicht so recht angekommen: Von dort ertönt zurzeit wieder einmal - das Phänomen tritt seit Jahrzehnten periodisch auf - die Forderung nach einer "Deutsch-Quote gegen US-Serien" ("Bild"). Das Boulevardblatt zitiert Politiker von SPD und CDU, die hinter der Forderung stehen. "Bild" sekundiert, hier gehe es schließlich "um unsere Arbeitsplätze".
Diese Gefahr besteht wirklich, aber müssen wir deshalb schlechteres TV erleiden?
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Das Fernsehen der Zukunft wird zu sehen sein mit Fernsehern, die einen nicht kleinen Untertitelstreifen unter dem Bld ziegen können, an Stelle von in obiger Ecke fuchtelnder Hörlosengestik, wie manchmal zu sehen (z.B. bei [...] mehr...
Es wird so sein wie die meisten Deutschen es wünschen. Wenn das so weiter geht noch flacher. So flach das man nicht mehr denken muss. So wie es gewünscht wird. Und bitte keine Informationen die was beibringen, was wäre ja mit [...] mehr...
http://www2.tu-ilmenau.de/deep-ilmpact/ Mehr Wissen, mehr Mitspracherecht, mehr Mitmachen von daheim aus. Leider gibts selbst auf Youtube nicht viel dazu finden. mehr...
Das stichwort ist "mehr" - mehr trash, mehr dokus, mehr mehr mehr. Durch die Digitalen Sender werden wir hier amerikanische verhältnisse bekommen (...) + iptv, streaming etc... was ist denn das für ein frage? mehr...
Wann kann ich endlich 4-K Auflösung mit Wohnzimmerwand großem Bild mit 22.2-Ton, Real Surround, 12 X 3000 Watt, 8 Million:1 Kontrast, Richterin Salesch und GZSZ sehen ???? Ich kann es kaum abwarten ! mehr...
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