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TV-Quoten, IPTV und Qualität Der dickste Haufen

2. Teil: "Wenn Qualität keine Quote bringt, ist für uns das Spiel vorbei"

Die Argumentation erinnert eher an den Bauernverband: Aus deutschen Landen frisch auf den Bildschirm? Lieber nicht, wenn aus anderen Weltgegenden Frischeres geliefert wird. Übung haben unsere Sender vor allem in der Orientierung nach Unten. Der aktiv Inhalte auswählende, tendenziell jüngere Zuschauer, der mit anderen Medien sozialisiert ist, definiert Qualität aber anders.

Düstere Vision: Qualität on demand, Rentnerspaß im TV?

Der Medienforscher Jörg Hagenah formulierte das in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" sehr elegant. Die Frage nach der Einstellung des durchaus erfolgreichen jetzt-klatschen-wir-aber kräftig-mit-Programms "Lustige Musikanten" (ZDF) beantwortete er so: "Die Zuschauer solcher Sendungen entstammen einer Generation, die noch nicht von den besseren Bildungschancen profitiert hat. Mit den nachrückenden Jahrgängen wird das Niveau jetzt aber wieder steigen. Schon jetzt ist erkennbar, dass die ARD versucht, ihre älteren Zuschauer in die dritten Programme abzuschieben."

Zugleich erwarte er einen Trend hin zu mehr Qualität - nicht, weil die Sendermächtigen hier ihren Ehrgeiz sähen, sondern weil die Zuschauer das zunehmend einforderten. Und zwar nicht zuletzt über das Internet.

Das ist richtig, aber es greift nicht weit genug: Das Internet nur als Beschwerdeweg für Zuschauer und neuen Vertriebskanal für TV-Inhalte zu sehen, über den man sich vorzugsweise Perlen aus dem Programm picken kann, wäre eine Fehleinschätzung. Denn natürlich wirkt die wachsende IPTV- und Video-on-demand-Kultur auf die TV-Formate selbst zurück. Immer mehr Branchenbeobachter kommen wie Wiebke Hollersen in der "Berliner Zeitung" auf den Trichter, dass die spannendsten Formate, die die Glotze derzeit zu bieten hat, für das klassische Fernsehen ja eigentlich völlig ungeeignet sind.

Net-affine Serien für Net-affine Zuschauer

So ist das, denn eigentlich sind sie für das Web-TV gemacht. Die Paradebeispiele: "24", "Lost" und "Heroes".

Das gemeinsame Merkmal dieser Formate mit vielschichtigen Charakteren und vielfach ineinander verwobenen Handlungssträngen gießt Hollersen am Beispiel "Lost" in eine griffige Formel: "Wer sich nicht konzentriert, ist schnell raus."

Das ist tatsächlich der Grund, warum sich gerade diese Serien als DVD verkaufen wie geschnitten Brot: Man sieht sie gern am Stück. On demand geht das auch ganz prächtig und kostenlos über das Internet - bisher nur halb- bis illegal, aber bequem.

Gerade das Format "Heroes" zeigt, wie sehr es bereits auf eine Rezeption über das Web konzipiert ist: Die Folgen enden alle mit "Fortsetzung folgt" und bauen aufeinander auf. Wer ein, zwei verpasst, ist draußen: Das schreit nach Video on demand. Dazu gibt es kostenlose Heroes-Comics im Web, die zusätzliche Informationen liefern. Die berüchtigte Season-Break in den USA, in der Serien traditionell eine Pause einlegen, soll künftig mit dem Spin-Off "Heroes: Origins" gefüllt werden.

Diese Mini-Serie füllt nicht nur die Sendelücke, sondern bindet auch die Zuschauer ein: Vorgestellt wird pro Folge ein neuer Charakter. Die Zuschauer stimmen über diese Charaktere ab, die Gewinner dieser Aussaat landen dann per schnellem Drehbuch-Update in der einige Wochen später folgenden Fortsetzung der Staffel der Hauptserie. Die Macher der Serie "Battlestar Galactica" verfielen auf einen anderen Trick: In den Season-Breaks hielten sie sich die Fans mit zusätzlichen Kurzfolgen im Web warm.

Dabeisein ist nicht nur alles, sondern Pflicht

Diese Beispiele zeigen zudem, dass die wirklichen Innovationen in der TV-Landschaft weitgehend an uns vorbeigehen. Was in den USA von den Zuschauern als teils interaktiver Prozess wahrgenommen wird, landet hier als übersetzte Konserve. Serien-Freaks, die des Englischen mächtig sind, werden in der Welt des On-demand-TV darauf wohl kaum mehr warten.

Und das dürften schnell mehr werden. Bis 2012, prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Goldmedia, soll es in Deutschland 2,5 Millionen Haushalte geben, die per Breitband Fernsehen über das Internet beziehen. Der Witz an der Sache: Gemeint sind hier reguläre, meist kostenpflichtige IPTV-Angebote. Wie das Zahlenverhältnis legale zu illegale Nutzung im Internet mitunter aussieht, kann man sich aber am Beispiel der Musikindustrie ansehen.

Medienmacher wie ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch sehen wohl auch darum im Internet "die Hauptgefahr" für die TV-Branche. Posch will bald schon "alle unsere Inhalte" digital anbieten. Mit MyVideo boxt die Sendergruppe auch auf dem Markt der freien Web-Video-Inhalte mit. Letztlich aber weiß Posch, dass es auf dem TV-Zukunftsmarkt nicht um billige Web-Video-Häppchen geht. Posch: "Qualität ist für uns Quote. Wenn Qualität keine Quote bringt, ist für uns das Spiel vorbei."

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insgesamt 150 Beiträge
Reziprozität 08.01.2007
Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Zitat von sysopDas Fernsehen in den nächsten Jahrzehnten: Noch mehr Trash, Billig-Entertainment und Spiele? Oder zurück zu den Wurzeln, mit News, Dokumentationen und Information? Wie wird sich das Fernsehen entwickeln?
Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Kritischer Leser 08.01.2007
Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt [...]
Zitat von ReziprozitätFlach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt monatlich für einen gebührenpflichtigen Privatsender. Nicht ganz billig. Aber dafür bleiben einem dann auch Werbeblöcke oder gar Sendungsunterbrechungen weitgehend erspart. Zumindest in Frankreich. Nur: wacht man mal nächtens auf und findet den Schlaf so schnell nicht wieder, pfeift man eigentlich auch auf irgendein neuseeländisches Golfturnier. Ein Film wäre da irgendwie schon interessanter. Allerdings: mit Golf, zumal passiv, schläft man garantiert schnell ein. Vielleicht sollte ich mir mal einen Zweitfernseher fürs Schlafzimmer zulegen. Gesünder und effizienter als Schlaftabletten allemal. Und bequemer und erholsamer als der Schlaf auf dem Sofa.
SaT 08.01.2007
Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird [...]
Zitat von sysopWie wird sich das Fernsehen entwickeln?
Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird gebrochen. Zu einem Ereignis gibt es dann endlich mehrere Ansichten und auch aus heute vergessene Regionen wird berichtet. Natürlich besteht auch die Gefahr das Gerüchte in Umlauf kommen, das ist aber heute auch nicht anders. Es gibt dann aber wenigstens eine Interessantgruppe die Lügen als solche entlarven wollen und sich auch Gehör verschaffen können. Es gibt wohl einige die eine solche Entwicklung zu mehr Pluralismus mit allen Mitteln verhindern wollen.
WaR52 08.01.2007
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein [...]
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein terminal, von dem ich mir über internet, kabel, sat oder stromkreis einen anbieter aussuche, der das bietet was ich will. einschränkend sei zu sagen, das nonprofit organisationen auch dann nicht viel zu bieten haben werden, aber immerhin ein angebot stellen werden, damit die global player einen gegenpart haben. leider liegt der schwarze peter nicht nur bei den sendern. es muß sich niemand big brother ansehen, aber millionen sehen sich den schwachsinn an... was wollen wir also???
Besquare 08.01.2007
falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen [...]
Zitat von ReziprozitätFlach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen abgelenkt bleiben. tata
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