Prince Rogers Nelson alias Symbol alias TAFKAP war immer ein schriller Vogel. Ein Star seit 1982, mit dessen Popularität allenfalls der Zappelphillip Michael Jackson mithalten konnte, setzte Prince schrill-bunte Akzente in Musik wie Bühnenperformance. Die Musikpresse liebte den Mann, weil er seine überdreht zur Schau gestellte Hybris mit immer neuen musikalischen Inputs rechtfertigte - Prince galt einmal als coolster unter den Coolen.
Das aber war im letzten Jahrhundert, im neuen scheint der Prince noch nicht so recht angekommen zu sein. Vor wenigen Wochen machte er Schlagzeilen mit einem "Copyright-Krieg" gegen YouTube - die, seit MTV sich auf hirnlose Reality-Formate spezialisiert hat, weltweit größte Werbeplattform für Musiker - und setzte Ende Oktober noch eins drauf: Da ging Prince gegen Holden Lenz, den Star eines kleinen Videos bei YouTube, vor. Holden war da 18 Monate alt.
In dem Video sieht man ihn zur Freude von Mama und Papa eine Plastikkarre durch die Küche schieben, während er grinsend zur im Hintergrund verhalten hörbaren Musik wackelt, denn da plärrt ein Radio.
Wenn man ganz genau hinhört und das Lied schon kennt, erkennt man auch, was da läuft: "Let's Go Crazy", einer der Prince-Hits vom legendären "Purple Rain"-Album aus dem Jahr 1985, als Prince auf der Höhe seines Ruhmes stand:
Was für die meisten Zuschauer nun ein Baby-Video mit Oldie-Beschallung ist, bedeutet für Prince eine Copyright-Verletzung. Prince Plattenfirma erwirkte die Löschung des Videos und drohte mit Schadensersatzforderungen. Holdens Eltern wehrten sich - und klagen jetzt gegen Prince und Universal. Das Video ist nun wieder online (siehe oben).
Schon damals fragten sich selbst Fans, ob der gute Mann noch ganz bei Trost ist - auf der Höhe der Zeit scheint er nicht mehr zu sein. Denn die Sache hat System: Jetzt droht der Rockstar, der über eineinhalb Jahrzehnte weitgehend vergessen war, mit Klagen gegen Webseiten.
Aus Fan- werden Anti-Fan-Seiten
Denn die, hat Prince entdeckt, sind ja voller Bilder von ihm - zumindest bei Prince-Fanseiten ist das natürlich der Fall. Deren Betreiber verstehen ihr Idol nicht mehr. Die Webmaster von dreien der größten Prince-Fanportale erhielten Post von dessen Anwälten mit Klageandrohungen und Schadensersatzforderungen für den Fall, dass nicht umgehend alle Bilder, Alben-Cover, Grafiken, Texte und alles, was an Prince erinnert, von den Seiten entfernt werde.
Mit skurrilen Konsequenzen: Erst durch diese juristischen Schritte entsteht nun eine wirklich lebendige, große, öffentlich wahrgenommene Fan-Plattform des Achtziger-Jahre-Stars, der sich seit 2004 um ein Comeback bemüht. So ungewöhnlich, wie Prince einst war, ist nun allerdings die Art seiner Fan-Community Princefansunited: Es geht darum, sich gegen das Idol zu verteidigen. Denn die von Prince Anwälten verschickten Drohbriefe würden selbst das Fotografieren der Prince-Tattoos auf den Oberarmen seiner treuesten Fans verbieten - genauer: das Oberarm-Tattoo selbst zur Copyrightverletzung erklären.
Dass sich die Fan-Allianz gegen Prince "pfu" abkürzt, darf man da getrost als Statement lesen: Da macht sich gerade jemand bei der eigenen Kundschaft ganz mächtig unbeliebt. Aber das hat er ja immer gern getan, der kleine große Prince: Gegen den Strom schwimmen, gegen das Akzeptierte rebellieren - und sei es gegen die eigene Community. Mit seiner Rebellion gegen die Musikindustrie manövrierte er sich ab 1993 erst ins Abseits, dann fast in die Vergessenheit.
Wer gegen Fans in so einer Form Zensur ausübt, unken die vereinten Fan-Portale, und "kritische Berichterstattung" verhindere, verdiene Widerstand. Die Fanseiten sind als solche übrigens kaum mehr zu erkennen. Sie tragen schwarz und nichts mehr, was direkt auf Prince verweist, mit Ausnahme der aktuellen Schlagzeilen: "Prince-Fans wehren sich gegen die Angriffe".
pat
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