Von Khuê Pham
PlebsTV will den Bürgerjournalismus massenkompatibel machen. Doch es ist völlig unklar, ob es überhaupt eine Masse gibt, die darauf wartet. Und kann die Produktion von Bürger-Nachrichten zu einem ernstzunehmenden Gesellschaftsphänomen jenseits von intimen Tagebuch-Filmchen und körnigen Karaoke-Videos werden?
Derzeitig strahlen die Nutzer-Beiträge von PlebsTV vor allem den laienhaften Charme von verwackelten Bildern und schlechtem Ton aus. Auch der journalistische Wert der Themen - das weltweit größte Panflötenkonzert, die Trainingsstunde des lokalen Fußballvereins, Urlaubsfotos aus England – ist bestenfalls zwischen Individual- und Lokaljournalismus angesiedelt.
Und doch verspricht das Konzept des Bügerjournalismus eine ganze Menge. Eine Plattform wie plebsTV könnte die traditionelle Berichterstattung durch den lokalen, persönlichen Blick bereichern und gleichzeitig das Publikum stärker einbeziehen. Es gibt bereits Beispiele dafür.
Der Lokalsender Center TV strahlt Beiträge von Bürgerreportern aus, die von der Prüfungsangst eines Studenten oder den Auslandserfahrungen einer in Afrika stationierten Krankenschwester handeln. Und natürlich finden sich verborgen in den Tiefen der Videoportale immer wieder auch Videos von Ereignissen, die von zufällig anwesenden Augenzeugen gedreht wurden.
Auch RTL bedient sich gerne der von Zuschauern eingesandten Videos und Fotos für seine Sendungen. So ganz ernst nimmt man die Sache dort aber trotzdem nicht. "Gerade bei Wetterphänomenen sind diese Momentaufnahmen sehr wertvoll", so RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer zu SPIEGEL ONLINE. Einstürzende Häuser, flüchtende Menschen und davonfliegende Regenschirme seien Beispiele dafür, was der Bürgerjournalist einzufangen vermöge, wenn professionelle Kamerateams (noch) nicht vor Ort seien. Das ist nicht Bürgerjournalismus, sondern Zufalls-Reportertum und somit nichts Neues - nur der Kommunikationsweg ist heute kürzer.
Kooperationen mit den Großen
Die etablierten Medien sind für Nutzer-Plattformen trotzdem enorm wichtig. Bei YouTube setzte Ende 2005 auch deshalb ein Nutzer-Boom ein, weil es unlizenziert TV-Inhalte veröffentlichte. Heute stehen die etablierten Medien bei YouTube Schlange: Google, BBC und seit neuestem sogar Talkshow-Göttin Ophrah Winfrey wollen dort alle präsent sein.
Auch das deutsche Videoportal MyVideo profitiert von seiner Vernetzung mit ProSieben und Sat.1. Laut Matthias Falkenberg, Geschäftsführer der zuständigen Marketingfirma SevenOne Interactive, sind drei Viertel der Beiträge auf MyVideo von Nutzern produziert, der Rest stammt von den Privatsendern. Bei der Nutzung kehrt sich das Verhältnis allerdings um: Videoclips von Popstars und Germany's Next Topmodel erreichen 20 bis 30 Millionen Klicks pro Staffel – da kann kein Homevideo mithalten. Trotzdem glaubt Falkenberg, dass MyVideo für ProSiebenSat1 wichtig sei, denn "es schafft Aufmerksamkeit". Und aus den Trash-Videos bei MyVideo und Co. lassen sich billigste TV-Formate stricken ("Die MyVideo Show", freitags 23.45 Uhr, Sat.1, "Clipfish TV", samstags 15.50 Uhr, RTL, "Webmix", dienstags 20.15 Uhr, SuperRTL).
Auch plebsTV will "so schnell wie möglich" Geschäftsbeziehungen zu anderen Medien aufbauen. Momentan, gibt Riva zu, sei die Community noch zu klein, um das Interesse der großen Medien zu wecken. Das aber - siehe YouTube und Co. - schafft man nur, wenn man Masse vorweisen kann.
Als erstes gehen die Bürgerjournalismus-Visionäre daher zu den Menschen auf der Straße: Ab Montag finden jeden Tag bis Mitte Dezember Streetcastings in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Wien statt. Potentielle Nutzer werden dort zu ihren Interessen und Web 2.0-Aktivitäten befragt, die Telegensten werden in einem Community-internen Wettbewerb zu den "plebsTV Mobilreportern" gekürt.
Bleibt nur abzuwarten, ob sie den Titel honoris causa führen - oder wirklich tätig werden.
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Dies können sie sicher nicht. Ein freier Journalist sollte zum Mindesten das Werkvertragsgesetz und das Urheberrechtsgesetz kennen. Nicht einmal ein solcher, der sich als Berufsjournalist ausgegeben hat, kennt offensichtlich die [...] mehr...
Nur damit ich das jetzt nicht falsch verstehe: Ist dieser "Bürgerjournalismus" so etwas wie der "BILD-Leser-Reporter"? Falls ja, dann gute Nacht seriöse Berichterstattung! Es ist zwischen einem hart [...] mehr...
Bürgerjournalismus - Chance oder überhöhte Erwartung? Ich zitiere sysop: „Kann der Bürgerjournalismus, bei dem jeder über das Web zum Reporter werden kann, die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen? Was kann er leisten?“. [...] mehr...
Ja, überall kann mans lesen, nur nicht in SPON. Merkwürdig, genau wie die Art des Rauswurfs. Gibt zu denken, oder? pek mehr...
Ich finde es schon eine Unverschämtheit sondergleichen, dass nirgends auf die Personalie „Aust“ eingegangen wird. Aber vielleicht haben die Bürgerjournalisten noch keine hinreichende Sprachregelung gefunden und waren über ihren [...] mehr...
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