• Drucken
  • Senden
  • Feedback
18.11.2007
 

Cyber-Mobbing

Tod eines Teenagers

Von Frank Patalong

2. Teil: Eine perfide Intrige: "Es war, als hätte ihr jemand eine geladene Pistole gereicht"

Megans Eltern Tina und Ron Meier konnten den Tod der Tochter kaum verwinden. Doch sie bemühten sich, ihre Kontakte zu anderen Menschen weiter zu pflegen. Gratulierten Megans ehemaliger Freundin zum Geburtstag, ließen sich gar zu einer Party einladen und schauten auch kurz vorbei. Das Leben sollte weitergehen, so sehr die Tragödie auch schmerzte. Und als bei den Nachbarn eine Renovierung anstand, boten die Meiers Hilfe an und lagerten einige Dinge in ihrer Garage.

Ende November 2006 zogen sie einen Kickertisch der Nachbarn in den Vorgarten. Mutter Tina nahm ein Beil, Ron einen schweren Hammer, gemeinsam zerlegten sie das Ding. Packten es in einen Karton, schrieben "Frohe Weihnachten" drauf und lieferten es den Nachbarn. Die erstatteten prompt Anzeige, womit auch die Namen von Lori und Curt D. polizeilich Aktenkundig wurden.

"Ein bisschen schuldig"

Lori D. bestritt den Vorwurf auch gar nicht, sie habe mit ihrer Tochter und einem Angestellten gezielt eine virtuelle Person aufgebaut, um Megan Meier zu demütigen. Im Polizeiverhör sagte sie aus, sie fühle sich "ein bisschen schuldig" für den Selbstmord, aber nicht sehr, weil das Mädchen sowieso depressiv gewesen sei und Tabletten genommen habe. Wenn nicht durch Josh, wäre das irgendwann eben durch etwas anderes passiert.

Herausgekommen war das alles, weil die letzte Nachricht von Josh gar nicht von Megans ehemaliger Freundin gekommen war, sondern von einem anderen Mädchen aus der Nachbarschaft, die ebenfalls über einen Zugang zum Josh-Account verfügte. Als sie ihrer Mutter erzählte, von der Nachbarin angestiftet worden zu sein, "zum Spaß" an Megans Demütigung teilzunehmen, wandte sich ihre Mutter an Megans Eltern. Die eigentliche Täterin hatte alles nicht ernst genommen, kannte die involvierten Parteien nur flüchtig. Ihr aber sei das alles okay vorgekommen - schließlich sei sie von vertrauenswürdigen Erwachsenen aus der Nachbarschaft zu dem "Streich" aufgefordert worden.

Das alles und mehr schrieb Steve Pokin am Dienstag auf - und entfachte einen Sturm.

Pokin verzichtete darauf, die Namen der so offenkundig niederträchtigen Nachbarn öffentlich zu machen. Doch binnen weniger Tage schrieben und diskutierten Web-Nutzer auf rund 80.000 Internet-Seiten über Pokins Bericht und den Fall Megan Meier. Der weit verbreitete Konsens: Outet die Täter, stellt sie an den Pranger, macht ihnen das Leben zur Hölle, treibt sie aus der Stadt. Pokin wurde im Netz, in Leserbriefen und in Blogs dafür beschimpft, die Namen der Nachbarn nicht genannt zu haben.

Aber wozu auch, fragte ein Blogger, der sogar versucht hatte, sie Pokin direkt beim Bier zu entlocken: Das würde das Web selbst schnell genug übernehmen.

Und so kam es auch: Bereits am Mittwoch hatten erste Blogger eine verdächtige Familie ausgemacht. Allzu schwer war das nicht: Einige Hinweise waren Pokins Bericht zu entnehmen, andere lieferten Menschen aus der Umgebung, wo sich Megans Eltern seit fast einem Jahr einen Nachbarschaftskrieg mit den Mördern ihrer Tochter, wie sie das sehen, liefern. Neben der Anzeige wegen der Zerstörung des Kickertisches hat Ron Meier noch eine wegen Sachbeschädigung am Hals, weil er seinen ehemalig freundschaftlich verbundenen Nachbarn mit einem Kleinlaster den Vorgarten umgepflügt hatte.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 168 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.12.2007 von DasIch:

Ein Risiko kann dabei schon mal prinzipiell gar nicht entstehen. Es ist durchaus kein Problem mehrere Antivirenprogramme zu benutzen und damit Dateien zu scannen. Das einzige Problem ist wenn man ständig im Hintergrund mehrere [...] mehr...

05.12.2007 von Lazarus Long:

Ihnen ist aber klar dass GERADE die paralelle Verwendung MEHRERER Antivirenprogramme ein Risiko ist ? Mal abgesehen davon dürften nur wenige Terroristen so dämlich sein und sich mit in Attachments [...] mehr...

26.11.2007 von ...ergo sum:

Diese Unterlagen hatte der CCC bereits vor längerer Zeit eingestellt und ganz besonders wichtig finde ich das sich mal eingehend das zur Debatte stehende Gesetzt durchgelesen wird, - dagegen sind Orwell´s Vorstellungen ein [...] mehr...

26.11.2007 von Azrael:

Es geht ja um Spionage. Und da macht es eben mehr Sinn den Rechner stehen zu lassen und mitzuschneiden. Sonst findet ja kein Austausch mehr statt. Und die Befugnisse sind da. Es gibt sogar Gesetzesvorlagen des BKA und [...] mehr...

26.11.2007 von ...ergo sum:

Für einen Wohnungseinbruch braucht man (theoretisch) wenigstens einen Durchsuchungsbefehl mit allen erforderlichen Ansprüchen. Dann können die auch gleich den Rechner mitnehmen. Mailanhänge sind zweifelhaft erfolgreich, weil [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP