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20.11.2007
 

Netzwelt-Ticker

Datenschutz ist ein schlechtes Geschäft

Von Felix Knoke

Phil Zimmermann, Entwickler des legendären Verschlüsselungs-Programms PGP, warnt: Unternehmen werden Kundendaten nie sicher vor staatlichen Zugriffen schützen können. Solche Versuche seien "selbstmörderisch". Das und mehr im Nachrichten-Überblick.

Der kanadische Webmail-Dienst Hushmail bekommt Rückendeckung von Phil Zimmermann, dem Erfinder von Pretty Good Privacy (PGP), einem Programm zur Verschlüsselung von Daten: Hushmail hatte auf richterlichen Druck zwölf CDs voller unverschlüsselter E-Mails seiner Kunden an die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet und damit für Empörung gesorgt. War's das mit dem Traum von verschlüsselten E-Mails, die Hushmail anbietet?

Datenschutz-Probleme: Nutzer sollten sich nicht auf die Verschlüsselung von Web-Anbietern verlassen, warnen Sicherheits-Experten
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Datenschutz-Probleme: Nutzer sollten sich nicht auf die Verschlüsselung von Web-Anbietern verlassen, warnen Sicherheits-Experten

Zimmermann gibt nun in einem Gespräch mit "Wired" zu bedenken: Wer nicht auf dem Privatrechner verschlüsselt, sondern auf die Dienste eines Webmailers vertraut, lebt auf wackligem Boden. Es wäre schlicht "selbstmörderisch" für Hushmail gewesen, den Forderungen des kanadischen Gerichtes nicht zu entsprechen. "Sie [Hushmail] haben das Herz am richtigen Fleck, aber es gibt Angriffe, die sie niemals abwehren könnten. Sie sind kein souveräner Staat."

Wer auf Nummer sicher gehen will, müsse schon selbst für die Verschlüsselung sorgen, indem er selbst einen sicheren PGP-Schlüssel auf seinem Heimrechner anwendet – und gegen Manipulation absichert. Für Computerlaien ein schweres Unterfangen. Doch trotz der schlechten Nachrichten spricht sich Zimmermann für Dienste wie Hushmail aus – zum Beispiel, wenn man in einem Staat lebt, der seine Bürger unterdrückt und deren Onlineverkehr regeln will.

So ein Staat werde ein kanadisches Gericht nur schwer davon überzeugen können, Hushmail zur Herausgabe von kompromittierenden E-Mails zu zwingen.

23andme: Erbgut-Analyse im Netz

Am Montag ist der US-Dienst 23andme gestartet, der für rund 700 Euro Teile von jedermanns Erbgut analysiert und im Netz anzeigt. Die ORF Futurezone fasst das Angebot – samt Datenschutz-Risiken - zusammen: Anhand einer Speichelprobe untersucht 23andme 600.000 sogenannte Single Nucleotid Plymorphisms (SNPs), Variationen von Basenpaaren, die Aufschluss über bestimmte Eigenschaften des Organismus geben können, von dem sie stammen.

Bisher bekämen jedoch nur US-Bürger von 23andme ein Schächtelchen zugesandt, in dem ein vorbereitetes Set zur Speichelprobe steckt. Wer seinen Speichel ins Labor schickt, kann gut einen Monat später dann über eine gesicherte Web-Verbindung auf seine Daten zugreifen – und da dann erfahren, welche Gesundheitsschwierigkeiten ihn möglicherweise dank seiner genetischen Disposition erwarten.

Dabei betont das Unternehmen, dass diese Analyse keine medizinische Diagnose ersetzen soll – wenngleich die Ergebnisse stets durch neue Erkenntnisse aus der Genforschung angepasst werden. Das US-Magazin "Wired" befasste sich in einem ausführlichen Artikel mit dem Thema.

23andme ist nicht die einzige Firma, die einen Gencheck im Netz anbietet. Sie rückte jedoch ins Rampenlicht, als ihr im Mai dieses Jahres Google 2,9 Millionen Euro Startkapital zusteckte.

Hysterie: iPhone-Tracking und Uni-Überwachung

Überwacht Apple seine iPhone-Kunden? Schnürt ein neues Gesetz Filesharer-Unis den Geldhahn ab? Diese zwei Meldungen sorgten dieser Tage für ein wenig Wirbel im Netz. Doch was steckt dahinter?

1. In einem Forumseintrag veröffentlicht ein Poster eine Quellcode-Zeile aus Apples iPhone. Die, so mutmaßten Forumsleser und Blogger, weise darauf hin, dass Apple die IMEI-Gerätenummer aller iPhones ausliest, um damit allerhand über den jeweiligen iPhone-Besitzer User zu erfahren, der doch nur die Wettervorhersage oder Börsenkurse abfragen wollte. Heise Security entwarnt: Apple führe wohl "allgemeinere Nutzungsstatistiken" und habe möglicherweise die Brisanz der Kombination einer möglicherweise auf Personen zurückführbaren ID und dem Interesse für bestimmte Börsenkurse unterschätzt.

2. In den Vereinigten Staaten soll ein neues Gesetz verabschiedet werden; zwei US-Senatoren sollen im 747 Seiten langen "College Opportunity and Affordability Act of 2007", eine Novelle des allgemeinen US-Gesetzes für Universitäten, ein Kuckucksei hinterlassen haben. Universitäten, die nicht gegen Filesharer vorgehen, sollen finanziell nicht weiter vom Staat unterstützt werden. Der Wiredblog versteht die ganze Aufregung nicht. Autor David Kravets hat sich das Jumbo-Dokument scheinbar durchgelesen und dabei festgestellt: "Nirgendwo legt das 747-Seiten-Dokument so eine drakonische Strafe nahe, wie überall und immer wieder nachgeplappert wird."

Nur ein Gerücht? 3G-iPhone für Spanien

Nachdem die iPhone-Anbieter in Frankreich, Deutschland und Großbritannien feststehen, geht jetzt das Rätselraten für den nicht unbedeutenden Rest los. In Spanien, so legt der Blog der Mobil-Entwicklungsfirma SevenClick munter los, sei Telefonica sicher Apples Partner. Sicher sei auch, lästert Maclife.de, "dass der Manager, der sich mit SevenClick angeblich unterhalten hat, wohl bald einen neuen Job suchen muss, angesichts dieser Indiskretion".

Telefonica sei schon zu einem Start in diesem Jahr bereit gewesen, aber Apple habe nicht genügend Lagerbestände aufbauen können, um vier Märkte ausreichend zu versorgen. Doch der Indiskretion nicht genug: Im April lege der größte spanische Mobilfunkanbieter mit der schnelleren 3G-Version des iPhone los.

Brisant: Sollte sich das Gerücht stimmen, werden mögliche französische, deutsche und britische iPhone-Kunden ihre Kaufgelüste zurückhalten und ihre Geduld mit dem schnelleren Spanien-iPhone belohnen.

So viel Enthüllung ist also gefährlich, Maclife.de warnt deshalb auch davor, das Gerücht zu ernst zu nehmen.

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