Natürlich ist Muqrin bin Abdul-Aziz ein Prinz aus dem Hause der Saud, wie alle wirklich wichtigen Funktionsträger im Staate Saudi-Arabien: Der 1945 geborene Prinz ist der drittjüngste Sohn des 1953 verstorbenen Staatsgründers Ibn Saud und Chef des saudischen Geheimdienstes. Am Samstag trommelte er für eine neue Kampagne, die Bürger dazu aufruft, aktiver an der Überwachung bestimmter Internetaktivitäten teilzunehmen.
"Wir wollen den Bürgern beibringen, Dinge im Web zu beobachten", sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz. "Und Mütter und Väter müssen darauf sehen, was ihre Kinder im Web tun."
Worum sich al Saud sorgt, ist nicht Internet-pornografie oder andere in arabischen Ländern gemeinhin als westlich-dekadente Inhalte verpönte Web-Angebote - das saudische Netz ist gegenüber dem offenen Internet in weiten Teilen zensiert und abgeschottet -, sondern ein heimisches Problem: Es geht um das massive Werben militanter Islamisten im Web. Und natürlich geht es auch um Befürchtungen, Islamisten könnten ihre physischen Aktivitäten in Saudi-Arabien verstärken.
Denn unter den islamistischen Kämpfern im Irak fanden sich natürlich auch zahlreiche Saudis. Von denen könnten nun mehr und mehr nach Saudi-Arabien zurückkehren, fürchtet Muqrin bin Abdul-Aziz al Saud, und den islamistischen Kampf in den Städten Saudi-Arabiens fortführen. In dieser Woche veranstaltet der Geheimdienst ein Symposium zu diesem Thema: Es geht darum, Strategien zur Eindämmung der islamistischen Gefahr zu entwerfen.
Dazu gehört offenbar auch der Versuch, sich direkt an die eigenen Bürger zu wenden - ungewöhnlich für einen Geheimdienst, zumal für einen, der von den eigenen Bürgern eher gefürchtet wird. Groß ist allerdings auch die Furcht unter den wohlhabenen Schichten, dass der militante Islamismus zunehmenden Einfluss gewinnen könnte. Osama bin Laden, Gründer der al-Qaida und Symbolfigur der Islamisten, ist Saudi und entstammt einer der respektiiertesten Familien des Landes.
Auch darum wohl nun der Versuch, einen kurzen Draht vom Bürger zum Geheimdienst einzurichten: Die Kampagne für mehr Bürgerbeteiligung bei der Überwachung des Webs in Saudi-Arabien findet ihren ersten Niederschlag in Form einer Kontaktwebseite. Über die sollen saudische Bürger bald anonyme Hinweise an den Geheimdienst übermitteln können.
pat/rts
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