Okay, es regnet außergewöhnlich oft dort oben im Norden, aber das wirkt offenbar nicht wirklich abschreckend: Hamburg ist die "schönste Stadt, um ein Wochenende einfach nur zu genießen". Das ist so zu sagen amtlich, zumindest im Augenblick noch: Ändern könnten nur Sie das, denn bei woobby darf man abstimmen, was das Zeug hält.
Die Betreiber haben die Lust am Abstimmen zum alleinigen Inhalt einer Webseite gemacht. Abgestimmt wird über alles, und jeder kann über alles abstimmen lassen. Heraus kommen Rankings, Hitlisten über Gott und die Welt - manche schwachsinnig, manche nur realitätsfern und albern, manche durchaus aussagekräftig.
Denn für die Macher ist woobby ein Appell an die viel beschworene Schwarmintelligenz. Wenn nur genügend viele Menschen mitmachen, so der Grundgedanke, kommt für jede Frage irgendwann auch eine leidlich nützliche Antwort heraus.
Wie das so ist mit der Intelligenz von Schwärmen, ist woobby davon noch einige Klicks entfernt. Zurzeit führt dort noch Reissdorf das Ranking der besten Kölsch-Sorten (was eine bessere Wahl als Früh-Kölsch sein mag, aber Päffgen und Mühlen Kölsch nicht genügend würdigt). "Pornodarsteller" als "Der beste Beruf" zu führen, schmückt das Portal nicht unbedingt, aber Antworten wie "Sohn" im gleichen Ranking zeigen zumindest, dass die Abstimmenden es ehrlich, wenn schon nicht ernst meinen.
Doch neben Trivialitäten wie "beste TV-Serie aller Zeiten" (natürlich: die Simpsons) und den besten Karneval-Songs ("Viva Colonia") hat die Seite ja durchaus das Potenzial, auch ernsthaftere Themen ein für alle mal zu klären. Endlich ist beispielsweise bewiesen, dass Tokio Hotel die "dööfste Band" sind und "Pulp Fiction" der beste Kinofilm aller Zeiten.
Nicht einverstanden? Ich auch nicht: Abstimmen, ändern - ein netter Spaß für Zwischendurch. Und vielleicht erfahren wir dort ja wirklich irgendwann, was zurzeit das beste Angebot für XYZ auf dem Markt ist. Oder wo die schönste Stadt der Welt wirklich liegt.
Man kann das alles auch ernst nehmen
Eine ernsthaftere und spezialisiertere Anwendung von Rankings zeigt das Angebot Xibben.de. Hier sollen die Nutzer über die Qualität von Links abstimmen. Auch dieser Dienst setzt auf Schwarmintelligenz und darauf, dass durch die Beteiligung vieler Nutzer einmal bessere Suchergebnisse zustande kommen als durch eine bloße Algorithmus-Suche. Der Dienst ging erst am Montag ans Netz und zeigt aktuell vor allem Lücken: Mit "15.000 Empfehlungen in 1000 Kategorien" lässt sich gegen die Milliarden von erfassten Webseiten der großen Suchmaschinen natürlich nicht wirklich glänzen.
Potenzial hat die Idee trotzdem: Sie ist nichts anderes als eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Web-Katalog-Idee von Yahoo - nur sollen nun die Nutzer selbst für die Befüllung und Bewertung sorgen. Zurzeit scheint dort noch vieles vom Marketing getrieben, zudem lassen die Listen noch viel semantische Intelligenz vermissen: Dass sich unter "Medien" nicht nur journalistische Angebote finden, sondern auch MP3s, ist zurzeit zumindest noch ein qualitativer Rückschritt in der Suche. Ändern kann das wiederum nur eine noch zu erreichende Masse von Nutzern.
Ein interessantes Experiment, das - ähnlich wie bei wooby - vor allem im Bereich der Mehrwert-Informationen seine Chancen hat: Wer bei Google und Co auf der Suche nach Entscheidungshilfen beispielsweise nach Bewertungen technischer Geräte sucht, rennt in der Regel nur den Verkäufern in die Arme. Über Community-gestützte Angebote besteht zumindest die Chance, einmal tatsächlich als relevant gerankte Tests oder Produkt-Vergleiche ganz oben in den Trefferlisten zu finden. Im Augenblick ist das noch Wunschdenken und natürlich ist es auch nicht sicher, dass es wirklich gelingt: Von vielen Tausend Web-2.0-Ideen hatten in den letzten Jahren nur wenige Dutzend wirklich nennenswerten Erfolg. Ob auf Rankings basierende Angebote dazu gehören werden? Schaun mer mal.
pat
Wooby: Ein Surftipp von SPIEGEL-ONLINE-Leser David Christian. Sie haben auch einen? Wir sind gespannt: E-Mail genügt!
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