Von Richard Meusers
Schlappe im Kampf für die Pressefreiheit: Das Landgericht München verbot es dem Heise-Verlag, im Zuge seiner Berichterstattung auf ein illegales Angebot zum Knacken von Kopierschutz zu verlinken.
Stop und nicht weiter verlinken: Vorerst ist der Link hin zu Firmen, die in Deutschland illegales produzieren, verboten
Die Musikindustrie frohlockt und setzt nach: "Die Pressefreiheit hat dort ihre Grenzen, wo quasi zu illegalem Handeln aufgefordert wird", so Verbandschef Stefan Michalk. Zuvor war Heise mit dem Versuch gescheitert, gegen die entsprechende einstweilige Verfügung vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Dort hatte man die Entscheidung zurück nach München verwiesen, wo Heise nun in die nächste Instanz gehen will. Was die Münchner Richter nicht erklärten: wie künftig noch eine umfassende und trotzdem rechtlich unbedenkliche Berichterstattung über kritische oder umstrittene Themenbereiche möglich sein soll.
Keine Verbesserung: Fingerabdruck immer noch leicht zu fälschen
Wer hätte das gedacht? Schon vor drei Jahren (!) hatte der Chaos Computer Club (CCC) demonstriert, wie man mit einfachsten Mitteln einen Fingerabdruck kopiert und damit Fingerprint-Scanner überlistet. Doch anstatt in die Sicherheit solcher Systeme zu investieren, gingen die Anwender zumeist nach der Devise "es wird schon nichts passieren" vor.
Journalisten des ARD-Magazins "plusminus" gelang es jetzt in Zusammenarbeit mit dem CCC, mit einem gemopsten Fingerabdruck in der örtlichen Edeka-Filiale zu bezahlen. Die Einzelhandelskette setzt seit längerem biometrische Kassensysteme ein, die den Kunden den Bezahlvorgang erleichtern sollen und als besonders sicher gelten.
Problem: Wie belegt ein Betrugsopfer, dass ihm die Fingerabdrücke geklaut worden sind? Entsprechende Schäden müssten Kunden "glaubhaft nachweisen", so ein Edeka-Sprecher. Dabei wäre die Sicherheitslücke durch eine Lebenderkennung einfach zu schließen, die anhand des Pulsschlages und der Temperatur feststellt, ob der Finger echt ist oder nur aus Folie.
USA: Bei Einreise Zehn-Finger-System
Alle Zehne sind in den USA gefragt. Bisher reichten die beiden Zeigefinger aus, von denen bei der Einreise Abdrücke genommen wurden. Nun aber ist die Scannertechnik so ausgereift, dass routinemäßig alle zehn Finger erfasst werden können, ohne dabei große Warteschlangen zu produzieren, wie eine Sprecherin des Grenzkontrollsystems versicherte.
Den Anfang macht ab Donnerstag der Flughafen Washington, im neuen Jahr sollen dann die Flughäfen weiterer Großstädte wie Chicago, Detroit, Atlanta, Miami, New York und San Francisco folgen. Eine zumindest zeitlich nachvollziehbare Maßnahme für jeden, der entgegen der offiziellen Zusicherungen die Wirklichkeit bei der Grenzkontrolle kennt. Schon jetzt bilden sich häufig lange Schlangen verärgerter Flugpassagiere, die bei Einführung verschärfter Kontrollen nicht kürzer werden dürften. Da ist es weise, diese nicht ausgerechnet in der reiseintensiven Vorweihnachtszeit landesweit einzuführen.
Gauner fangen mit der GPS-Kanone
Wilde Verfolgungsjagden mit quietschenden Reifen und viel Blechschäden könnten bald aus dem Polizeialltag verschwinden. Seit einem Jahr wird in Los Angeles eine Vorrichtung getestet, die aus einer im Kühlergrill montierten Luftdruckwaffe einen GPS-Sender auf das verfolgte Fahrzeug schießt, der dank seiner klebrigen Oberfläche haften bleibt. Der Rest ist Routine, die Polizisten können es bei ihrer Hatz nun ruhiger angehen lassen, über ein W-Lan-gestütztes Ortungssystem sind sie jederzeit über den genauen Aufenthaltsort des Gauners im Bilde. Damit verringern sich die Gefahren nicht nur für die Polizisten selbst, sondern auch für unbeteiligte Passanten und andere Autofahrer.
Verizon ärgert Google und verkündet Open Access
Seit längerem bastelt Google an eigenen Handyplänen, nun wird das Unternehmen von Amerikas zweitgrößtem Mobilfunker Verizon auf eigenem Feld angegriffen. Gestern kündigte der Telko nämlich an, sein Netz auch für Geräte und Programme von Drittanbietern zu öffnen und damit auf die bisherige, eifersüchtig gehütete Exklusivität zu verzichten.
Bis Anfang 2008 sollen die entsprechenden Standards veröffentlicht werden, die Entwickler und Programmierer für neue Geräte und Applikationen benötigen. Natürlich geschieht dies nicht aus Gutherzigkeit, sondern mit Blick auf die anstehende Versteigerung der Breitbandfrequenzen im 700-MHz-Bereich. Um daran teilnehmen zu können, müssen sich die Bieter verpflichten, freien Zugang zu ihren Netzen zu gewähren. Mit diesem Schritt hat Googles Projekt eines Mobilfunknetzes ohne überkommene Mobilfunkunternehmen einen Rückschlag erlitten. Anstatt die Versteigerungspläne wie bisher zu blockieren zu versuchen, kopiert Verizon jetzt die Vorgehensweise von Google.
Google Maps mit neuen Features
Seit gestern gibt es in Googles Landkartenprogramm Google Maps einige neue Features, die das Angebot näher an Google Earth heranrücken lassen. Wer für den virtuellen Globus eigene Landkarten erstellt hat, kann die entsprechenden KML-, KMZ- und GeoRSS-Dateien nun auch in Google Maps importieren. Und es ist nun möglich, Karten nicht nur allein, sondern gemeinsam mit anderen zu bearbeiten. Über "My map" erstellt ein Nutzer eine neue Karte und kann Freunde und Bekannte via E-Mail zur Mitarbeit einladen. Die Ansichten der Google-Maps-Karten, die bisher ein Satellitenbild, die klassische Kartendarstellung oder die Kombination aus beidem boten, wurden außerdem um eine Reliefdarstellung des jeweiligen Geländes erweitert.
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