Versehentlich, sagte vor einigen Tagen Edgar Bronfman, Boss der Warner Music Group, sei die Musikindustrie vor Jahren in einen Krieg gegen ihre eigene Kundschaft gezogen. Weil sie die damals aufkommenden neuen Möglichkeiten digitaler Technik nicht genutzt, den Kunden vielmehr verweigert habe und sich ansonsten mit "gletscherhafter Geschwindigkeit" bewegte, hätten diese der Industrie den Rücken gekehrt und seien den Tauschbörsen zugelaufen. Das Resultat laut Bronfman: "Die Kunden haben gewonnen."
So kann man das sehen, und gegen die Kundschaft gewinnt die Industrie seitdem fast nur noch vor Gericht. Doch es ist anscheinend nicht so, dass das die P2P-Szene in einem Maße erschüttert, wie sich das die Entertainment-Branche erhofft. Noch immer ist P2P die Anwendung des Internets, die mit Abstand den größten Teil des Datenverkehrs verursacht.
Haarklein aufgedröselt hat das in einer aktuellen Studie die auf Netzwerkverkehr-Messung spezialisierte Firma ipoque. Die Daten beruhen auf der Beobachtung und Analyse von rund drei Petabyte Internet-Daten, die in Kooperation mit Providern und Universitäten von August bis September 2007 in fünf Regionen der Welt erhoben wurden.
Wie alle Traffic-Analysen und Studien zu Internet-Demografie und Nutzung kann auch diese eine echte Repräsentativität nicht beanspruchen. In Deutschland kooperierte ipoque vor allem mit Universitäten, insgesamt überwiegen im Sample jedoch Daten von Service-Providern. Die schiere Größe des Datensamples aber erlaubt auf jeden Fall interessante Beobachtungen. Die Studie dokumentiert dabei einige bezeichnende Trends.
Trend zu Verschlüsselung
So soll inzwischen rund 20 Prozent des P2P-Verkehrs verschlüsselt über die Leitungen gehen. Das erschwert nicht nur den Fahndern die Arbeit, sondern auch den Serviceprovidern das Erkennen eines P2P-Datenstroms: Viele Internet- und Telekommunikationsfirmen drosseln in solchen Fällen den Datendurchsatz oder werfen die Kunden nach Ablauf einer Frist aus der Leitung. Das aber ist ärgerlich, wenn man gerade mit dem illegalen Download eines gezippten Datenpakets mit allen "24"-Folgen beschäftigt ist, denn so etwas dauert.
Geschätzte knapp 20 Prozent aller Internet-Nutzer in Deutschland tun solche Dinge, verursachen damit aber fast 74 Prozent des gesamten Datenverkehrs im deutschen Internet, behauptet die Studie. Das verteilt sich: Während es tagsüber irgendwo über 50 Prozent sind, schwillt der Anteil des P2P-Traffics am gesamten Datenverkehr nachts auf bis zu 95 Prozent an.
Werkzeug der Wahl ist dabei seit langem vor allem BitTorrent mit einem Marktanteil von 66,7 Prozent. Deutlich abgeschlagen folgt eDonkey mit 28,6 Prozent, eine Minderheit von 3,7 Prozent enfällt noch immer auf Gnutella, der Rest ist nicht erwähnenswert.
Sag mir, was du nutzt, ich sag dir, was du tauschst
BitTorrent und Gnutella bedienen dabei vor allem die Zielgruppe der Nutzer mit breitbandigen Internetverbindungen. Über diese Protokolle werden selten kleinere Dateien wie beispielsweise einzelne Musiktitel verbreitet (das läuft über Gnutella), sondern eher ganze Alben oder gleich Albensammlungen, TV-Filme, Kinofilme - oder Pornos.
Dabei gibt es allerdings deutliche Unterschiede zwischen eDonkey und BitTorrent. In den sogenannten Esel-Netzen machen Audio-Inhalte noch immer rund 47 Prozent des Gesamtverkehrs aus, Video bringt es auf rund 34 Prozent. Bei BitTorrent ist das völlig anders: Hier machen Videos rund 64 Prozent der Daten aus, und nur noch rund 22 Prozent entfallen auf Audio-Dateien.
Einen überraschend hohen Anteil am Datenverkehr haben mit rund 4,3 Prozent die so genannten Filehoster: Das sind Dienste, bei denen man auch größere Dateien hinterlegen kann, die man über einen spezifischen Link - einen sogenannten Direct Download Link (DDL) - dort abholen kann. Diese Form des Dateivertriebs ist vor allem über Instant Messenger (IM) und Foren populär. Die vor allem unter Schülern angesagte Verteilung von einzelnen Musikdateien über Instant Messenger wirkt sich prozentual noch nicht merklich aus. IMs sind in Deutschland - anders als in anderen Regionen der Welt - weiterhin ein wenig verbreitetes, vor allem von Schülern und im Arbeitsleben genutztes Kommunikationsmittel: Nur etwa 17 Prozent der deutschen Surfer pflegen den Echtzeit-Ping als Alternative zwischen Telefon und E-Mail.
pat
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Streng genommen ist jede Verbindung unter dem IP Protokoll eine P2P Verbindung, nämlich eine Verbindung zwischen 2 Rechnern. Jeder Rechner bekommt eine Nummer, und was zwischen den Rechnern übertragen wird kann reinen Text, Bilder [...] mehr...
Das "klauen" ist schon eine grobe Unterstellung. Ich habe letzt Nacht ca. 10 Gigabyte Daten auf meinen Rechner "gesaugt". Illegale Kopien des neuesten Hollywoodmülls ?? Nein - von einem [...] mehr...
Mal als Vergleich: Website aufrufen, selbst einer flashgebastelten Seite: Maximal 5 MB. Irgendeine Demo eines Spiels oder meinetwegen eine Linux-Distribution herunterladen: 1,5 GB - da dies auch per P2P möglich ist, ergibt [...] mehr...
Was soll der Mist? 'Ächzt'? Wieso wollen uns die Provider denn immer schnellere DSL-Verbindungen verkaufen, aus purer Sorge, das Netz könne zusammenbrechen, oder wollen die vielleicht auch verdienen? Wann war denn das letzte [...] mehr...
20% sind noch zu hoch gegriffen, aber deren 95% nächtlich ist durchaus realistisch. Der interessierte Leser möcht vielleicht mal im Taskmanager (Symbolleiste, rechte Maustaste Taskmanager, Tab mit Netzwerk) den [...] mehr...
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