Von Frank Patalong
Standard Alu ist wohl der bekannteste unbekannte Club der Republik. Regelmäßig berichten "Hamburger Abendblatt", "Bild" und der TV-Sender Hamburg 1 über die Kreisliga-Kicker, YouTube ist voll mit ihren Videos, und prominente Fans von Wladimir Klitschko über Hellmuth Karasek bis zu Sergej Barbarez schwören als "Fans der Woche" auf die seltsame Truppe. Seltsam, weil für sie lange Jahre das Treffen des Aluminiums eigentliches Ziel des Spieles war.
Aus einer Not geboren - anfangs geschah das einfach öfter als ein Treffer - wurde der gezielte Lattenschuss bald zur sportlichen Herausforderung: So ein Tor zu treffen ist letztlich erheblich einfacher, als das Metall darüber. Für die Beliebtheit des Teams hat das wahre Wunder getan: Nur in Spielen mit den Lattenschützen haben wirklich alle Beteiligten die Chance, als Sieger vom Platz zu gehen.
Aus einem Spielerinterview:
"Warum ich besser bin als Maradona? Aaaalso..."
Obwohl, so ganz stimmt das inzwischen nicht mehr. Seit der letzten Saison spielen die ehemaligen Hobby-Kicker im regulären Ligabetrieb (Kreisliga, versteht sich), und Gerüchten zufolge soll der Stellenwert des Torschusses seitdem merklich gestiegen sein. Immerhin spielen die Jungs um den Aufstieg. Vor dem wichtigen Spiel gegen Lemsahl II am heutigen Abend stehen sie in der Hamburger Kreisliga 6 auf dem vierten Rang, punktgleich mit Wellingsbüttel II auf Drei.
Ist da was drin? "Das ist so!" würden die Alumiten sagen, denn das ist ihre Losung: Am Donnerstagabend soll Trainer Marino Casu seine Leute per Telefon-Rundruf doch tatsächlich ermahnt haben, mit dem Ball doch ab und an auch unter die Latte zu zielen! Ein Kulturbruch, wenn man so will.
Ja, die Professionalisierung verlangt Opfer, auch, wenn das auf die skurrile Vereinskultur noch nicht durchgeschlagen ist. Die zeigt sich wunderschön auf der phänomenalen Kicker-Homepage von Standard Alu (siehe Linkverzeichnis). Die Denke teilt sich schon mit, wenn man unter "Arbeitsnachweis" nachsieht, wer von den Jungs wirklich tätig ist. Die Ausflüge in die Vereinsgeschichte sind ebenfalls Knaller, aber das absolute Highlight ist die Video-Sektion "Alu TV": So etwas hat sonst wohl kein Kleinverein im Lande zu bieten.
In peppig aufgemachten Videos stellt sich das Team vor, lässt sich gern aber auch von Prominenten loben. Wenn Karasek im Interview Standard Alu als "geil und der tollste Fußballverein der Welt" bezeichnet, sucht er zumindest virtuell wohl erstmals den Schulterschluss mit Box-Weltmeister Wladimir Klitschko: Die beiden sollten einen Fanclub aufmachen. Im Ernst: Das macht richtig Spaß, dieses Fußball-Laien-Fernsehen, und ist bei aller Alberei weit hintersinniger und intelligenter als vieles, was uns die Profi-Glotze so serviert.
Wer das alles einmal live erleben will, hat am Samstag in Hamburg Gelegenheit dazu: Da treten die Alumiten als Nikoläuse verkleidet gegen die als Engel gewandete Mädchenmannschaft von Girl Power an. Zu einem guten Zweck, versteht sich: Die Erlöse gehen an die Initiative "Keine Gewalt auf dem Platz". Ort des unfairen Kräftemessens der vom Ligaspiel entkräfteten Freizeitkicker gegen die himmlischen Geschöpfe:
"Bei Dieter auf dem Platz, Hagenbeckstraße 124 in Stellingen". Anstoß ist um 13 Uhr. Warm anziehen!
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