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03.12.2007
 

Video-Verleih

Wenn nichts mehr klappt, macht man alles

Von Frank Patalong

Das Verleihgeschäft mit Videos steht vor einem Umbruch. Videotheken werden weichen und Versand-Videotheken überbrücken nur den Übergang zur On-demand-Zeit. Doch was macht man mit einem Geschäftsfeld, in dem die einen Methoden nicht mehr und die anderen noch nicht funktionieren? Alles!

Rund 4300 Videotheken sind im Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland e.V. zusammen geschlossen. Videotheken gehören seit fast 30 Jahren zum Bild unserer Städte. Sie florierten, weil sie sich den Veränderungen des Marktes stets höchst flexibel anpassten: Aus den frühen Schmuddelfilmbuden wurden Familienvideotheken, spezialisierte Shops besetzten Nischen, und alle wandelten sich binnen kürzester Zeit zu DVD-Verleihläden. Natürlich ließen und lassen sie sich daneben auf jedes neue Format ein, das der Markt hervorbringt, verleihen heute neben Filmen auch Spiele für PCs und Konsolen - und dürften mittelfristig trotzdem untergehen.

Kleiner Markt, viele Player: Allein dreizehn Firmen wollen mit Verleih-per-Post ihr Geld machen
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Denn selbst diese flexible Branche kommt mit den Entwicklungen der Digitaltechnik nicht mit. Im letzten Jahr verbuchten die Videotheken ein Verleih- und Umsatzminus von zehn, respektive elf Prozent - und das sind die tendenziell eher größeren, im Verband zusammengefassten Läden. Immer mehr kleine Shops geben dagegen einfach auf. Dort, wo Video-Fritze jahrelang residierte, zieht immer öfter ein Ein-Euro-Laden ein.

Dass die Kunden wegbleiben, hat gute Gründe. Wer einen Film nicht brühwarm braucht, sondern gern auch ein Jahr wartet, der bekommt ihn beim Discounter für den Preis von zwei bis drei Verleih-Tagen. Die wahre Stammkundschaft sorgt derweil dafür, dass das Geschäft leidet, denn sie leiht Filme und gibt sie am selben Tag zurück: Sie will die Filme nicht sehen, sondern braucht nur Master für den heimischen Brenner. Der versorgt dann auch Freunde, Nachbarn und Verwandte. Und mittelfristig, so viel scheint klar, wird der on-demand-Abruf im Internet die Videothek endgültig überflüssig machen.

Denn On demand hat nicht zu schlagende Vorteile. Während die Videothek noch immer vornehmlich den Hunger der Stammkundschaft nach Krawumm-Filmen bedient, fühlen sich anspruchsvollere Kunden dort zu oft nicht bedient. Und was ist ein Film-Fundus von einigen Tausend DVDs schon gegen Zehntausende in einer Datenbank?

Online-Videotheken: Per Post statt per Pedes

Doch bis vor kurzer Zeit war die Internet-Videothek nicht mehr als eine Vision. Lange mangelte es an Breitband-Anschlüssen, noch immer hakt es bei der Schnittstelle von der DSL-Dose zum Fernseher. Nur wenige Kunden sind scharf darauf, Kino am Rechner zu genießen. 2002 wagten erste Anbieter, deren Produkt die Übergangsphase zwischen einer Branche, die nicht mehr richtig funktioniert, und einer, für die die Zeit noch nicht reif war, schließen sollte den Schritt auf den deutschen Markt: Die Rede ist von den irreführend als Online-Videotheken bezeichneten Firmen.

Dabei geht es um Abo- oder Einzelzahlungsdienste, die große Bestände an Filmen vorhalten und diese den Kunden auf Bestellung per Post zukommen lassen. Beim gängigen Abo-Modell ist das Porto inklusive. Dreizehn solche Dienste (siehe Linkverzeichnis) streiten mittlerweile um einen - wie jeder der Anbieter zugibt - kleinen Markt, darunter solche Schwergewichte wie Amazon.

Der Pionier in Deutschland aber hieß Netleih, als Onlinetochter der heute über rund 40 Filialen verfügenden Kette Video Buster gegründet. Die Firma aus dem niedersächsischen Seesen versucht seitdem, die sowieso vorhandene Ware auf dem alternativen Postweg an den Kunden zu bringen - ein Geschäft, dass mehr Ruhm als Profit bringt. Denn bei einem Pauschalpreis von 9,90 Euro für das kleine Abo, dass vier Filme pro Monat umfasst und alle Portokosten beinhaltet, bleibt nicht viel kleben. Mehr aber ist in dem hart umkämpften Mini-Markt nicht durchzusetzen: Der Preis ist durchaus typisch, die Shops unterscheiden sich vornehmlich in ihren Konditionen.

Netleih muss sterben

Trotzdem soll Netleih nun, nach fünf Jahren, die Gewinnzone erreicht haben. Doch dass das Geschäftsmodell nicht von Dauer ist, scheint den Betreibern durchaus klar: Am Montagabend soll die Onlinevideothek zum ersten "One Stop Shop" in Sachen Video werden - mit einem On-demand-Download-Dienst. Netleih dokumentiert so exemplarisch den Wandel einer ganzen Branche: Die Videotheken der Buster-Kette werden zum flexiblen Versandnetz. Wie der Kunde künftig seine Filme erhalten will, kann er selbst entscheiden - online, per Post oder per Pedes.

Damit ist das Unternehmen gleich in zwei langsam aufstrebenden Marginalmärkten und einem schrumpfenden aktiv. Jetzt rührt es kräftig die Werbetrommel, damit das auch gelingt: parallel zum On-demand-Start wandelt sich die Videokette zur Aktiengesellschaft.

Buster-Chef Mario Brunow ist zuversichtlich, dass es seiner Kette damit gelingt, die schweren Fahrwasser der Übergangszeit zu durchschiffen: "Das Internet ist der kleinste gemeinsame Nenner, der alle unsere Kunden verbindet."

Klein ist er allerdings, zumindest, was das Potenzial für verschiedene Anbieter angeht. Schon jetzt tummeln sich sechs davon auf dem On-demand-Markt, dazu kommen die Mediatheken der TV-Sender. Medienmarken bieten den Verleihern - egal, ob per Post oder Download - dabei die größten Chancen, ihre Reichweite zu erhöhen.

Während Arcors Download-Videothek - einst Pionier auf dem deutschen Markt - auf kleiner Flamme pröttelt, startete maxdome ab August 2006 erfolgreich durch, weil die Download-Plattform, von ProSieben und Sat1 mit einem Dauer-Werbefeuerwerk begleitet wird: maxdom gehört zur Münchner Senderkette. Am Montag gab Netleih-Konkurrent Glowria eine Medienpartnerschaft mit rtv bekannt: die von der Firma produzierten Fernsehprogramme liegen verschiedenen deutschen Regionalzeitungen als Supplements bei. Die Wahrnehmung des bisher wenig bekannten Netleih-Konkurrenten dürfte das schlagartig erhöhen.

Doch Glowria ist noch nicht so weit, auch den nächsten Schritt in Richtung Download-Verleih zu gehen. Brunows Chance liegt darin, dass die meisten der bisher am Markt etablierten Dienste online bisher wenig zu bieten haben. Er geht mit immerhin 22.000 Filmen an den Start. Da über das Internet aber theoretisch ein Anbieter alle Kunden bedienen kann, wird es darauf ankommen, sich früh zu etablieren - und der Kundschaft die nach Möglichkeit dickste Film-Datenbank zu bieten.

Für dieses Geschäft stand Netleih bisher nicht, und wohl darum stirbt die Marke am Montagabend. In Zukunft soll das "One Stop"-Geschäft aus Videothek, Post-Verleih und Download-Filmdatenbank unter einem einheitlichen Namen laufen: Video Buster, wie die Videotheken der Kette seit 1983 hießen. Gut möglich, dass der Pionier einmal mehr einen Trend setzt, dass der Umzug einer Branche begonnen hat. Amazon dürfte bald folgen, in den Staaten hat der Versandriese längst mit dem on-demand-Geschäft begonnen.

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