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04.12.2007
 

Netzwelt-Ticker

Alles ist noch viel schlimmer

Von Felix Knoke

...rumort es in Facebook-Nutzerkreisen: Zwar hat Facebook sein Schnüffelprogramm Beacon entschärft, schaufelt aber auf anderen Wegen noch mehr Daten, als bisher gedacht. Außerdem: Rückkehr der Phreaker, Bundestrojaner blind für Steuern, eBay und Yahoo paktieren. Das und mehr im Überblick.

Facebook spioniert noch mehr!

Facebook: Imageprobleme wegen verwegenem Umgang mit Nutzerdaten
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AP

Facebook: Imageprobleme wegen verwegenem Umgang mit Nutzerdaten

Der Streit um Facebooks Werbeprogramm Beacon gerät zum PR– und Marketing-Desaster. Erst muss das soziale Netzwerk auf Druck der User hin die Schnüffelwerbung entschärfen, dann ziehen sich verschiedene Werbepartner – zum Beispiel Coca Cola und Overstock – wegen Datenschutzbedenken aus dem Programm zurück. Und jetzt wurden auch noch neue Vorwürfe laut, nach denen Facebook mit Beacon noch viel mehr schnüffelt, als bereits zugegeben.

Ein Sicherheitsexperte von Computer Associates schaute sich an, welche Daten die Beacon-Partnerseiten an Facebook übertragen. Dabei stieß er auf Ungereimtheiten. Konkret: Auch wenn ein Facebook-User ausgeloggt ist oder sich gegen eine Datenübermittlung aussprach, übertragen Beacon-Partnerseiten die Einkaufsdaten an Facebook. Zwar rechtfertigte sich Facebook umgehend: "Stimmt, es werden Daten übertragen, das muss so sein. Aber wir löschen diese Daten sofort." Kritiker des Systems dürfte dies kaum beruhigen.

Was bei all dem Terz um Beacon nicht vergessen werden sollte, fasst das Silicon-Valley-Klatschmagazin Valleywag zusammen: Datenschutz im Internet ist eine Illusion.

Soziale Netzwerke wie Facebook leben praktisch davon, in die Privatsphäre einzudringen – die Hauptarbeit leistet dabei oft der User selbst, der sehr persönliche bis hin zu kompromittierenden Informationen über sich preisgibt. Das liegt im Wesen der Social Networks: Je mehr der User dort von sich preisgibt, desto wirkungsvoller und interessanter können Software und Internet-Angebote werden. Die Frage, die sich jeder Surfer deshalb stellen muss: Wie viel bin ich bereit, von mir aufzugeben und anderen zu überantworten, wenn ich im Austausch dazu ein paar nette Services benutzen kann?

Verstrickungen um einen Telefon-Hacker

Mitte Oktober klang die Meldung noch relativ harmlos: Ein 19-jähriger soll sich da in ein Notrufsystem gehackt und unter falscher Nummer bei der Polizei gemeldet haben: "Ich wurde angeschossen, jetzt haben es die Gangster auf meine Schwester abgesehen." Die Polizei setzte darauf ein Sondereinsatzkommando in Bewegung und überraschte den eigentlichen Anschlussinhaber. Der sah sich angesichts all der Maschinenpistolen und Ganzkörperrüstungen des Kommandos unsanft aus dem Schlaf gerissen.

Doch im Wired-Blog geht die Geschichte weiter, Telefon-Hacks scheinen (wieder) in Mode zu sein. Dort wird jetzt von einem anderen 17-jährigen Jungen erzählt, der das Mastermind einer Telefonbande sein soll, die sich in verschiedene Telefonsysteme hackte, um Anrufe mit gefälschter (An-)Rufnummer abzusetzen. Ihr Ziel: Gesprächspartner aus Chatlines mit Einsatzkommandos der Polizei zu überraschen. Der 17-Jährige, jetzt vom FBI angeklagt, sieht das ein wenig anders: Er habe niemanden ärgern wollen – außer den angeblichen Anführer der Bande, der sein Feind sei. In Wirklichkeit habe er damit sogar dem FBI geholfen, den Anführer dingfest zu machen.

Wie auch immer das ausgeht: Die Nachricht hinter der Nachricht ist, dass es eine aktive Phreak-Szene gibt. Phreaks sind Leute, die sich in Telefonsysteme einhacken, indem sie Steuerkommandos entdecken, lernen und anwenden können. Berühmt wurde damit vor allem John 'Captain Crunch' Draper, der mithilfe einer Spielzeugflöte das AT&T-Telefonsystem zu seinen Gunsten beeinflusste. Später wurden auch andere Phreaker bekannt – einige davon waren blind, konnten die Steuerkommandos pfeifen. Der wohl berühmteste Phreaker dürfte jedoch Steve Wozniak sein, der nach seiner Phreak-Karriere als "The Woz" zusammen mit Steve Jobs das Unternehmen Apple gründete.

Yahoo und eBay machen in Japan gemeinsame Sache

Yahoo und eBay gaben heute bekannt, dass sie in Japan ab sofort in Sachen Online-Auktionen an einem Strang ziehen. Damit soll es einfacher werden, online in den USA und in Japan auf Einkaufsjagd zu gehen. Interessant an dieser Nachricht: eBay, in Europa und Amerika ungeschlagener Auktionskönig, hatte in Japan bislang keine Chance gegen Yahoo, die auch Online-Auktionen anbieten. EBay zog sich deshalb bereits 2002 aus dem japanischen Markt zurück.

Schäuble: Onlinedurchsuchung nicht für die Steuerfahndung

Gute Nachricht für alle Technikskeptiker mit Schwarzgeldkonto: Wolfgang Schäuble, Innenminister und Schnüffel-Fan, will die Online-Durchsuchung nicht für die Steuerfahndung einsetzen.

Wird Schäuble weich? Nein, die Verfassung, die "einen geschützten Raum der persönlichen Lebensführung" betone, lasse dies einfach nicht zu, gesteht er im Interview mit der Wirtschaftswoche ein.

Schade aber auch, aber zu sehr muss er sich ja nicht grämen: Seit mit der Daten-Direktübermittlung von Banken zu den Finanzbehörden ("Kontenabrufverfahren") das Bankgeheimnis weitgehend abgeschafft wurde, ist es so oder so schwer geworden, etwas zu verbergen.

Die geheime Wikipedia-Mailingliste

Nur eine Verschwörungstheorie, oder rumpelt es tatsächlich in der Wikipedia-Kiste? The Register hat Verstimmungen unter den aktivsten Wikipedia-Schreibern bemerkt, nachdem ein abtrünniger Autor enthüllte, dass die Top-Administratoren der Seite eine geheime Mailingliste betreiben, um gegen Leute vorzugehen, die ihnen ihre Stellung unsicher machen.

Der ganze Schlamassel habe begonnen, als Admin Durova einen lange aktiven Schreiber aus dem Wiki-Projekt werfen wollte. Klar, so eine Liste verstieße nicht nur gegen ein – zumindest gefühltes – Gleichheitsgebot, sondern wäre auch ein ungeheures Beispiel von Despotismus: Doch Online-Despotien sind scheinbar im Kommen. Von immer mehr Seiten wird gemunkelt, dass sich aus einem großen Team aus Freiwilligen ein kleiner Kreis mit Führerschaftsanspruch herauskristallisiert. Ein Problem von Websites, die rein auf Freiwilligenarbeit aufbauen?

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