Von Felix Knoke
Gericht: Arcor muss Google nicht sperren
Gescheiterter Versuch: Der Internet-Provider Arcor muss seinen Kunden den Zugang zu Google nicht sperren. Eine Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt wies nach Mitteilung vom Freitag einen Antrag der Mainzer Firma Huch Medien GmbH auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurück (Az.: 2-03 O 526/07). Huch hatte argumentiert, über die Suchmaschine könnten auch Jugendliche problemlos zu pornografischen und tierpornografischen Bildern gelangen.
Das Landgericht begründete seine Entscheidung damit, dass Google selbst keine pornografischen Schriften und Bilder im Internet anbiete. Die Suchmaschine stelle lediglich Verbindungen zu einem Kommunikationsnetz her. Diese Leistung sei "inhaltsneutral", befanden die Richter. Huch kündigte an, gegen den Beschluss Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt einzulegen.
(pat/dpa)
Schweiz ist anders: Blocher abgewählt, Ärzte lösen Versprechen ein
Als am Mittwoch das Schweizer Parlament den Rechtspopulisten Christoph Blocher die Zustimmung verweigerte, lagen sich die Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in den Armen: Endlich ist der Betreiber rassistischer Kampagnen, Preisträger des Big-Brother-Awards Schweiz und Drahtzieher der Online-Durchsuchung in der Schweiz – so die knackige Beschreibung Blochers durch Gulli.com – weg von der Macht. Nicht weniger groß dürfte die Freude auch bei den Fans der deutschen Popband "Die Ärzte" sein. Während eines Konzerts in der Schweiz ließ Ärzte-Schlagzeuger Bela B. verlauten: "Wir würden gerne unsere CD verschenken – wenn weniger Leute in der Schweiz den Blocher wählen würden!"
Blocher wurde nicht gewählt, der Radiosender DRS 3 rief bei den Ärzten an, die stellten eine spezielle Version von "Jazz ist anders" ins Netz – zunächst nur bis Freitag, 12 Uhr. Da aber der Ärzte-Server augenscheinlich überlastet ist (" Offensichtlich stürmt mindestens die halbe Schweiz gerade unseren Server."), wird die Downloadaktion verlängert.
Zweite Entlassungswelle bei Palm
Ist es das alles überschattende iPhone, die Ankündigung des Google-Handys gPhone? Jedenfalls geriet der Smartphone-Hersteller Palm in den letzten Monaten zunehmend unter Druck: Das Unternehmen erwartet dieses Quartal einen deutlich geringeren Gewinn und Umsatz als zunächst prognostiziert – angeblich wegen Verzögerungen bei der Markteinführung eines nicht näher bezeichneten Produkts.
Die schlechte Bilanz zeigt Wirkung: Die 1250 Palm-Mitarbeiter erwartet eine zweite Entlassungswelle, nachdem bereits im Juni 2007 laut Golem.de etwa 100 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt wurden.
Jackass' größter Stunt: Am Kino vorbei ins Netz gesprungen
Bisher galten Filme, die am Kino vorbei direkt auf DVD oder fürs Fernsehen produziert wurden, als eher gescheitert. Aber Paramount und MTV versuchen sich laut AP ganz revolutionär an der Veröffentlichung des neuen Jackass-Films "Jackass 2.5" direkt im Internet: Am 19. Dezember wird die US-Videokette Blockbuster auf www.blockbuster.jackassworld.com den 64-Minuten-Film der Körpergrenzen-Überschreiter umsonst zum Stream anbieten. Werbung auf der Website, vor und nach dem Film serviert, soll für die Finanzierung sorgen. Eine Woche später gibt's "Jackass 2.5" dann zusätzlich als kommerziellen Download bei verschiedenen Onlineshops wie Amazon und iTunes für 10 bis 15 Dollar und als reguläre DVD für 30 Dollar – den hohen Preis sollen 45 Minuten Extra-Sequenzen rechtfertigen. Am 31. Dezember wird die werbefinanzierte Stream-Version wieder offline genommen.
Das Online-Experiment könnte richtungsweisend für die Filmindustrie sein, meint der Präsident von "Paramount Pictures Digital Entertainment", Thomas Lesinski, gegenüber der "New York Times".
Jackass 2.5 wurde denkbar günstig aus bislang nicht verwendeten Szenen aus "Jackass: Number Two" zusammengeschnipselt. Der zweite Jackass-Film spielte letztes Jahr allein an nordamerikanischen Kinokassen 73 Millionen Dollar ein.
Handyrechnung: Fast 60.000 Euro für einsamen Kanadier
Wodka oder Internet? Irgendwo in Kanada, weitab vom Schuss und wahrscheinlich unglaublich gelangweilt, musste sich der Kanadier Piotr Staniaszek entscheiden. Er wählte das Internet und zog sich nach seiner Arbeit auf dem Ölfeld Filme aus dem Netz.
Da es in seiner Hütte keinen Internetanschluss gab, benutzte er sein Handy als Modem, eine Browser-Flatrate hatte er ja extra für 10 kanadische Dollar dazugekauft. Die Überraschung muss gelinde gesagt groß gewesen sein, als dem 22-Jährigen am Monatsende die Handy-Rechnung ins Haus flatterte - flat war nicht nur die Rate, sondern platt war auch er. Fast 84.000 Kanadische Dollar, circa 57.000 Euro, sollte er für seine Downloadabenteuer im kanadischen Niemandsland berappen – reichlich viel für jemanden, der sich mit dem Überprüfen von Erdgaspumpen die Butter aufs Brot verdient.
Piotrs Vater ging an die Presse, Bell Canada zeigte sich milde – und senkte die Rechnung auf nicht viel weniger hässliche 2400 Euro: Die Surfflat sei halt nicht zum Herunterladen von Dateien gedacht ….
Elektrische Aale und Wii-Schaben
Während ein Zitteraal, der als regenerative Energiequelle wie seit Jahren schon, diesmal aber für die Weihnachtsbeleuchtung herhalten muss, wieder zum großen Medienthema wird, fällt eine wirkliche Schreckensnachricht fast völlig unter den Tisch, unter den Besitzer der Wii-Konsole so oder so einmal blicken sollten. Denn das japanische Unterhaltungsmagazin "Barks" nimmt an, dass die Nintendo-Konsole Wii im Betriebszustand einen hochfrequenten Ton aussendet, der ausgerechnet auf Schaben besonders verlockend wirkt.
Im Klartext: Die Wii emittiert einen Lockruf für Kakerlaken. Vorteil: Man würde nie wieder alleine vor dem Videospiel versacken. Nachteil: So wirklich gesprächig sind Schaben auch nicht.
Doch Scherz (fast) beiseite: Wenn das alles wahr wäre, würde aus den Gaga-Meldungen fast so etwas wie eine relevante Nachricht, wenn man es kombiniert. Man könnte mit etwas Geschick zum Beispiel berühmt werden, indem man die Wohnzimmereinrichtung zum Perpetuum mobile umfunktionierte.
Bekanntlich gibt es unendlich viele Schaben, mit denen man einen oder mehrere offenbar endlos lebende Zitteraale füttern könnte. Also brauchten wir: Ein Aquarium mit Zitteraalen, die eine Wii-Konsole mit elektrischer Energie versorgten, die wiederum Schaben anlockt, die ins Aquarium fielen und vom Aal gefressen würden. Die überschüssige Energie verwenden wir dann für einen Musikcomputer, der von Hamstern gespielt wird.
Fragt sich nur: Fressen Hamster auch Schaben? Werden Wii und Aal wirklich so lange halten wie die gemeine Schabe, die immerhin rund 250 Millionen Jahren darauf warten musste, von der Wii gerufen zu werden? Und melden Medien so etwas dann auch als jährliche Wiederholung zur Weihnachtszeit? Wahrscheinlich schon: Es gibt Nachrichten, die sind unter dem Strich nichts als Entertainment.
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