Vor langer, langer Zeit, als das Mammut noch am Rhein zur Tränke stampfte und es der Musikindustrie noch gut ging, gab es zwei Fixpunkte im Jahr, auf die man gespannt wartete: Was würde Sommerhit, was Weihnachts-Hit des Jahres? Letztere Frage beantwortete 1984 das Pop-Duo Wham! - eine Art britische Version von Modern Talking - ein für allemal und alle Zeiten: Ihr "Last Christmas" gehört seitdem zum Fest der Feste wie sonst nur Nieselregen, Girokonto-Überziehungen und Beziehungsstress.

Schrill-Rocker von "Twisted Sister": Weihnachten hat man sich irgendwie anders vorgestellt
Wohl auch darum kommen aus den Ländern englischer Zunge die schrillsten Beiträge zum Weihnachts-Repertoire. Und das sogar aus der erzkonservativen Ecke: Jamie, Andy und Jason lieferten in diesem Jahr das mit bisher rund 6,5 Millionen Abrufen wohl erfolgreichste Weihnachtslied bei YouTube ab. Die drei sind als Gruppe "Go Fish" spezialisiert auf die Produktion von "great music for kids" - stets verbunden mit der Vermittlung christlicher Werte. Das klingt dann so:
Eine andere Antwort auf den Happy-Happy-Pop nach Wham!-Muster haben Bearforce1 gefunden. Die kommen - natürlich - aus unserem schönen Nachbarland Holland, der Heimat des Pragmatismus, der seltsamen Fernsehunterhaltung und noch seltsamerer Popmusik. Ihr Video macht klar, dass die Sache so ernst nicht gemeint ist. Im Radio könnte es zu dieser Jahreszeit, wo wir alle auf Harmonie und Toleranz gebürstet sind, trotzdem als Hit durchgehen. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung, dass Wham! einmal verdrängt wird?
Eine wohl eher trügerische Hoffnung. Es ist wie es ist und bleibt. Warum dann aber Wham! in der aufschlussreichen musikalischen Inventur der zwölf größten Weihnachts-Qualen fehlt, bleibt rätselhaft.
Vielleicht, weil jahreszeitlich bedingt so gut wie alles denkbar und möglich ist? In den wenigen Tagen zum Ende des Jahres funktioniert einfach alles: Man nehme einen weihnachtlichen Text, eine eingängige Melodie, und egal, wie übertrieben schnulzig man sie präsentiert, sie funktioniert als Weihnachtslied, wie Roy Zimmerman in seinem Video demonstriert. Normalerweise würde man mit den Wölfen um die Wette heulen ob dieses "croonings" - jetzt passt es:
pat
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