Von Felix Knoke
Nasa-Pläne: Interplanetarisches Second Life
Das Raumschiff gleitet geräuschlos durchs All. Richtantennen funken Nullen und Einsen Richtung Erde, Sauerstofftanks leeren, die Astronauten ärgern sich über die dritte Portion Instant-Kartoffelbrei dieser Woche. Und schon wieder hat jemand vergessen, das Katzenklo sachgerecht zu verstauen – Katzenstreu segelt wie schwereloser Schnee unappetitlich durch die Kojen.
Die Reise zu benachbarten Planeten stellt die Psyche auf Belastungsproben, die man seit den Seefahrerabenteuern längst vergangener Jahrhunderte vergessen hatte. Die Erde ist fern und klein, der rote Planet rot und kalt, der Astronaut angesichts der interplanetaren Dimensionen mit seiner völligen Unwichtigkeit konfrontiert.
Da sollte wenigstens das Internet funktionieren. Oder das, was die Nasa plant, zwischen Raumfähre und Astronaut, Nasa-Basis und den Angehörigen der Raumfahrer aufzubauen: Eine Art Second Life (Sie erinnern sich noch? Diese weite, virtuelle, leere Welt!) oder World of Warcraft, eine 3D-Welt, in der Astronaut und Familie sich ganz nah sein können, selbst wenn zwischen ihnen ein paar Dutzend Millionen Kilometer luftleerer Raum liegen. Wired.com fragt besorgt: "Nasa kann einen Menschen auf den Mond bringen, aber können sie auch Netzwerkruckler überwinden?"
OLPC: Nigerianische Firma fordert 20 Millionen Dollar Schadensersatz
Turbulente Zeiten für Nicholas Negropontes "One Laptop Per Child"-Stiftung (OLPC). Intel verlässt im Zwist das Programm und die Lagos Analysis Corporation (Lancor) setzt ihre fragwürdigen juristischen Angriffe gegen die Stiftung fort. Nach einer Klage Ende 2007 fordert die nigerianische Firma mit Sitz im US-Staat Massachusetts jetzt 20 Millionen US-Dollar Entschädigung von OLPC-Gründer Nicholas Negroponte. Eine einstweilige Verfügung verbietet bereits den Verkauf des OLPC-Laptops in Nigeria.
Lancor-Chef Oyegbola behauptet, OLPC habe Patentrechte an einer mehrsprachigen Tastatur verletzt und dessen Tastaturtreiber durch Reverse Engineering nachgebaut. Oyegbola selbst will im August 2006 zwei der "Konyin"-Tastaturen an Negroponte verkauft haben; ein Freund habe ihn später auf Ähnlichkeiten im Layout der Konyin– und der OLPC-Tastatur aufmerksam gemacht.
Das Rechts-Blog Groklaw.net gibt der Klage aber keine Chance auf Erfolg. Vor allem, weil es sich bei der angeblichen Patentverletzung gar nicht um ein Patent, sondern um ein Geschmacksmuster – also darum, wie die Konyin-Tastatur aussieht und nicht, wie sie arbeitet – handelt.
Groklaw sieht unter anderem deswegen die Klage schon jetzt als gescheitert an – wenn Oyegbola nicht andere Pläne verfolgen sollte. Denn die einstweilige Verfügung könne in Nigeria monatelang wirken. Vielleicht lange genug, um einen nigerianischen OLPC-Klon auf den Markt zu bringen, rät Groklaw ins Blaue hinein. Aber die Spekulationen kommen nicht von ungefähr, das juristische Tohuwabohu um den Billig-Laptop ist reichlich undurchsichtig. Da passt dann auch perfekt, was der "Boston Globe" über den Lancor-Boss herausgefunden hat. Oyegbola habe in Boston bereits ein Jahr im Gefängnis gesessen – wegen Bankbetrug …
Can't touch this: MC Hammer gründet YouTube-Konkurrenten
Hartgesottene MC Hammer Fans wissen es schon seit Weihnachten aus dessen Blog: Der Mann mit den weiten Hosen ist zurück! Zwar konnte Stanley Burrell schon seit Anfang der 90er keinen Charthit mehr landen, zwar musste MC Hammer 1996 mit 14 Millionen US-Dollar Schulden spektakulär seine Bankrotterklärung einreichen, doch das könnte bald alles tatsächlich vergessen und Geschichte sein.
MC Hammer versucht sich als Boss eines Internet Startups, das Amateurvideos von Amateurtänzern auf einer YouTube-ähnlichen Netzplattform veröffentlichen will. DanceJam.com will Mitte Januar die geschlossene Betaphase verlassen und dann endlich viel Geld mit Online-Werbung einnehmen. Dass dieser Plan nicht ganz von ungefähr kommt und was MC Hammer und das Silicon Valley verbindet, das schrieb Wired.com in einem Artikel auf, der selbst Hammer-Fans überraschen dürfte. Oder hätten Sie etwa gewusst, dass MC Hammer bereits sehr früh das Potential von YouTube erkannte und dem noch jungen Unternehmen im Februar 2006 einen Besuch abstattete?
Irgendwann damals verkündete er auch folgende goldene Worte: "Als jeder anfing, vom Internet zu schwärmen, fragte ich mich immer: Wenn das so toll ist, warum kann ich dann nicht meine eigenen Videos im Internet sehen? Sieht ganz so aus, als ob die Technik endlich zu meinen Visionen aufgeschlossen hat."
Bleibt zu hoffen, dass er uns von seinen nächsten Visionen vorab informiert statt nachher. Von so viel Weitblick und Weisheit hätten wir doch alle was.
Seti@Home braucht mehr Freiwillige
Aber wo sich die NASA schon überlegt, wie man die Astronauten auf ihrer 800-Tage-Reise unterhält, böte sich ja der Aufruf des Seti@Home-Projektes (Search for Extraterristrial Intelligence) an. Die Suche nach Außerirdischen wurde nach dem Zuschalten und Verbessern von Empfängern beim Arecibo-Radioteleskop drastisch aufwändiger: Die zu untersuchende Datenmenge sei um das Fünfhundertfache angewachsen.
Nur wenn sich ein Haufen neuer Freiwilliger dem Seti@Home-Projekt anschließt und die Analyse-Software installiert, könne der Datenberg bewältigt werden. Dafür winkt dem Ruhm und Ehr, der das erste "Hallo"-Signal einer außerirdischen Lebensform entschlüsselt. Gäbe ja eine tolle Beschäftigung für die gelangweilten Astronauten ab, wenn sie sich nicht mehr online mit ihren Verwandten zoffen wollen. Ebenso, wie das wirklich phantastisch monotone, aber erhebende Galaxien-Sortieren auf Galaxyzoo.org. Stumpfsinn im Namen der Wissenschaft; Höchstes durch Tiefstes.
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