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11.01.2008
 

Netzwelt-Ticker

Jetzt kommt der Druckerspam!

Von Felix Knoke

Gut, dass bisher kein Spammer darauf gekommen war: Drucker kann man auch von Außen mit Aufträgen versorgen. Könnte sich jetzt ändern. Außerdem: Aufruf zur Öffnung von W-Lans, Boom von Web-Videos, Kauf-Downloads funktionieren bei Filmen nicht. Das und mehr im Überblick.

Bloß nicht den Spammern verraten: Druckerspam!

Aus dieser Klappe wird er kommen: Nicht wundern, wenn aus Ihrem Drucker bald Viagra-Werbung quillt
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Aus dieser Klappe wird er kommen: Nicht wundern, wenn aus Ihrem Drucker bald Viagra-Werbung quillt

Hoffentlich lesen Spammer nicht die InformationWeek. Die nämlich berichtet von einer neuen Spam-Masche, von der Spammer offensichtlich noch nichts wissen: Druckerspam!

Über einen sogenannten Cross-Site-Scripting-Angriff könnten Angreifer die Herrschaft über einen Drucker erlangen und ihm beliebige Befehle erteilen. Zum Beispiel: "Drucke diese Werbebroschüre für Penisverlängerungen." Am besten alle 45 Minuten einmal.

Sicherheitsexperte Aaron Weaver weist in einem Papier auf diese Gefahr für Drucker (und Regenwald!) hin (.pdf-Datei). Schlimmer noch: Sogar von der Fax-Funktion mancher Drucker könnten die Spammer Gebrauch machen – und unter fremdem Namen Werbung verschicken.

Möglich ist das, weil viele Drucker weder vom Hersteller noch vom Nutzer vor solchen Angriffen geschützt werden. Dabei wäre das ganz einfach: Administrator-Passwort für den Drucker einrichten, Druckaufträge nur von einem speziellen Server akzeptieren.

Dass Drucker tatsächlich zu einem Sicherheitsproblem werden können, zeigt ein besonders heikler Vorfall: Hacker programmierten einen Druckerserver der amerikanischen Navy so um, dass er Druckaufträge an einen russischen Server verschickte. Übrigens nur eines von vielen interessanten Beispielen von Cyber-Kriegsführung, wie sie in einer sehr interessanten Analyse des Dartmouth College dargestellt werden (.pdf-Datei).

Internet: Videoboom durch Autorenstreik?

Online-Videos boomen, laut einer Studie von Pew Internet (.pdf-Datei) hat sich in den USA die tägliche Nutzung von YouTube und Co bei den über 18-jährigen Surfern praktisch verdoppelt. Bei einer Umfrage Ende letzten Jahres gaben 15 Prozent der rund 2000 befragten US-Bürger an, am Vortag eine Video-Sharing-Seite besucht zu haben. Im Vorjahr waren es nur acht Prozent – die ORF Futurezone fasst diese Daten detailliert zusammen. 96,6 Millionen US-Amerikaner besuchten laut Nielsen in den letzten zwei Monaten Video-Websites, davon 65,9 Millionen das Angebot von YouTube, 15,9 Millionen MySpace TV Videos und 12,7 Millionen Google Video.

Der Grund für das rasante Wachstum dürfte wohl vor allem an der Flexibilität und Auswahl liegen, welche die Videodienste bieten. Die Werbung eines deutschen Video-on-Demand-Dienstleisters bringt das auf den Punkt: Alles zu meiner Zeit. Zwischen Heimvideo und nicht mal veröffentlichtem Kinofilm bietet das Internet praktisch grenzenlose Unterhaltung. Kostenlos, werbefrei und wann immer und wie oft der Nutzer auch will - wenn auch nicht immer legal.

Das Abwandern ins Netz alarmiert die Filmstudios – speziell auch die Drehbuchschreiber, die gerade in Hollywood streiken. Sie wollen besser für die (kommende) Online-Ausschlachtung ihrer Werke bezahlt werden. Aber "Ars Technica" warnt: Die Leute interessieren sich online für Videos, die eben nicht von Fernsehstationen und Filmstudios kommen. Das könnte das frühe Aus für Internetexperimente wie die Videoseite Hulu.com der Medienkonzerne NBC Universal und News Corp. bedeuten.

Hollywood erklärt Kauf-Video-Downloads für tot

Passend zur "Pew Internet"-Studie äußerten sich die großen Hollywood-Studios kritisch zur Zukunft von Kauf-Videos-Downloads. Winfuture.de berichtet von einem Podiumsgespräch des US-Branchenmagazins Variety auf der Consumer Electronics Show 2008: Kostenpflichtige Video-Downloads haben offenbar nur eine kurze und wenig erfolgreiche Blütezeit hinter sich gebracht. Nach Meinung der großen Hollywood-Studios sind es eher die werbefinanzierten Streaming-Angebote, denen die Zukunft gehört. Das kostenlose Angebot des neuen Jackass-Films im Netz statuiere ein Exempel. Der Film stand für zwei Wochen als hochauflösender Stream im Netz, bevor er als Kauf-DVD und als kommerzieller Download bei Amazon und iTunes veröffentlicht wurde.

Bruce Schneier: Klau mein W-Lan

Du musst dein W-Lan verschlüsseln, deine drahtlose Internetverbindung wird sonst von Hackern, Spammern und Internetpiraten missbraucht und du bist dran schuld! Wer oft mit seinem Laptop unterwegs ist, wünschte sich, die Leute hätten etwas weniger Angst vor den ungewissen Gefahren Datenraub und Mitstörerhaftung. Ein offenes und kostenloses W-Lan scheint in Deutschland so selten, wie eine ausgewogene Äußerung Roland Kochs im Wahlkampf. Sicherheitsexperte Bruce Schneier ruft deshalb in seinem Blog bei Wired zu etwas mehr Freiheit und Entspanntheit in Sachen W-Lan auf – und geht mit gutem Beispiel voran: Sein privates W-Lan ist offen wie ein Scheunentor, wer will, kann über seine Internetverbindung mitsurfen.

Natürlich birgt das Risiken, natürlich wollen das die Internetanbieter nicht, natürlich erfordert das Schutzmechanismen auf dem eigenen Rechner, aber wie hoch, kalkuliert Schneier öffentlich, sei denn schon die Gefahr, wenn er allein in nächster Umgebung fünf Cafés mit offenem W-Lan zählt? Statt im kalten Auto vor seiner Haustür, säßen die doch viel eher bei einem Latte auf einem bequemen Stuhl.

Doch so toll auch Schneiers Aufruf, so problematisch ist er in Deutschland. Läuft der surfende Michel doch Gefahr, als Mitstörer beschuldigt zu werden, wenn über seine W-Lan eine Straftat begangen wurde. Organisierte W-Lan-Communitys wie FON wollen diesen Problemen entgegentreten, in dem sie jedem ein großes Netz kostenloser, privater W-Lans anbieten, wer Teil ihrer Community wird – und selbst sein W-Lan teilweise öffnet.

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