Von Felix Knoke
Polnischer Zug-Hacker
Theo, wir fahr'n nach Lodz – oder lieber doch nicht? In der polnischen Stadt wurde ein 14-jähriger Schüler festgenommen, nachdem er mit Hilfe einer selbstgebauten Fernbedienung Modelleisenbahn mit dem örtlichen Tram-System gespielt hat: Er verstellte Weichen, Züge entgleisten, Menschen verletzten sich bei Notbremsmanövern. Miroslaw Micor, ein Sprecher der Lodzer Polizei zu "The Register": "Er nahm die Trams und die Gleise genau unter die Lupe und baute ein Gerät, das wie eine TV-Fernbedienung aussieht und zur Steuerung der Trams und Schienen benutzt werden kann." Er habe den öffentlichen Nahverkehr wie seine eigene Modelleisenbahn behandelt – nur durch Glück musste niemand sterben. Vier Trams entgleisten, andere mussten abrupt bremsen. "Ganz klar: Der hat nicht über die Konsequenzen seines Tuns nachgedacht." Den Jugendlichen, der von seinen Lehrern als Elektronikfan und vorbildlicher Schüler bezeichnet wird, erwarten nun Anklagen vor einem Jugendgericht wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.
HD-Formatkrieg: Hilfe aus der Schmuddelecke
Blu-ray oder HD DVD? Noch immer ist der sogenannte Formatkrieg um den Nachfolger der Video-DVD nicht entschieden. Zumindest noch nicht ganz: Erst letzte Woche verabschiedete sich Warner Bros. überraschend vom HD-DVD-Standard und setzt ab Mai nur noch auf Sonys Blu-ray-Format. Damit sind – zusammen mit Walt Disney, 20th Century Fox und Metro-Goldwyn-Mayer – jetzt vier der großen Studios im Blu-ray-Lager. Fehlt neben Universal nur noch Paramount, deren Vertrag mit der HD-DVD-Group eine Klausel enthalten soll, den Paramounts Ausstieg ermöglicht, sobald Warner Bros. sich von HD DVD ab und der Blu-ray-Disc zuwendet. Aber Paramount will, zumindest noch, an HD DVD festhalten, ließ das Unternehmen Anfang der Woche verlauten. Auch Microsoft musste gestern zurückrudern, nachdem ein Marketing Manager andeutete, dass die Xbox 360 demnächst auch mit einem Blu-ray-Laufwerk verbunden werden könnte, wenn das die Kunden so wollen. "HD DVD ist das einzige Format, das Qualität zu einem günstigen Preis bietet", heißt es nun.
Kurz: Auch wenn Blu-ray gefühlt die Nase vorn hat, entschieden ist noch nichts. Aber wie immer, wenn es um Sachen Formatkrieg (oder besser: Hickhack) geht, könnte die Pornoindustrie ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Die wurde bisher von den günstigeren Produktionspreisen mit dem HD-DVD-Format gelockt. Doch zur AVN Adult Entertainment Expo 2008, die fast zeitgleich zur CES in Las Vegas läuft, scheint die Stimmung umzuschwenken. Die Pornoproduzenten wollen auf den Gewinner setzen. Und der steht für manchen Porno-Boss fest: Nachdem Warner Bros. dem einen Format den Laufpass gegeben hat, wird Blu-ray das Rennen gewinnen.
TV-Moderator verlacht Datenschützer – wird selbst Opfer
Erst verliert die britische Steuerbehörde zwei CDs mit den persönlichen Daten von 25 Millionen Briten, dann gehen die privaten Daten von drei Millionen Fahrschülern verlustig und das britische Gesundheitsministerium verduselt eine CD mit Krankenakten von 160.000 Kindern. Alles aber gar nicht schlimm, mokiert sich TV-Moderator Jeremy Clarkson ("Top Gear") in der "Sunday Times": Was soll schon passieren? Quasi zum Beweis veröffentlichte Clarkson im "Sunday Times"-Artikel seine Bankdaten und eine Anleitung, wie man seine Adresse herausfinden könnte. "Das einzige, was ihr damit machen könnt, ist mir Geld auf mein Konto zu überweisen. Nicht etwas davon abzuheben. Mal ehrlich, ich hab noch nie von so viel Aufregung um nichts gehört."
Wirklich Aufregung um nichts? In einer neuen Kolumne musste Clarkson zugeben: "Heute Morgen öffnete ich meine Kontoauszüge und fand heraus, dass jemand in meinem Namen eine Einzugsermächtigung über 500 Pfund veranlasste." Das Geld wurde einer Wohltätigskeitsorganisation gespendet. Die Bank kann nun wegen eines Datenschutzgesetzes weder herausfinden, wer den Bankeinzug veranlasste, noch etwas dagegen unternehmen, dass so etwas in Zukunft wieder passiert. Clarkson: "Ich lag falsch und wurde für meinen Fehler bestraft." Im Gegensatz zu dem, was er früher dachte, sei er nun überzeugt davon, dass man "diese Idioten, die die CDs verloren haben, finden muss und ihnen Cocktailspieße in die Augen stecken, bis sie um Gnade winseln."
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