Von Frank Patalong
Die wichtigste Initiative im Fünferpack entwickelte Lawrence "Larry" Brilliant, Kopf von Google.org: das Frühwarn-Kommunikationsnetzwerk InSTEDD (Innovative Support to Emergencies, Diseases and Disasters) ist der bisher wohl interessanteste Ansatz, die Kommunikationsmittel von Diensten wie Facebook und Twitter einer ernsthaften Nutzung zu erschließen.
Die Idee hinter InSTEDD: Es soll ein Kommunikationsnetzwerk für Hilfsorganisationen verschiedenster Art aufgebaut werden, über das Ressourcen erschlossen und Hilfe koordiniert werden sollen.
Vorzustellen hat man sich das als eine Art Social-Network-Intranet: Es geht nicht darum, Hysterien über angeblich drohende Seuchen zu verbreiten. Kommuniziert wird nur zwischen den registrierten Mitgliedern. Die haben die Möglichkeit, Meldungen in das System einzustellen, die dann auf verschiedenen Wegen verbreitet werden. Wichtig ist dabei stets die Verbindung von Kommunikations- und Lokalisierungsmöglichkeiten.
Praktisches Beispiel: Ein Arzt in Südostasien meldet einen ungewöhnlichen Lungen-Krankheitsfall. Die Nachricht geht an den Pool registrierter Experten, ins System eingegeben wird sie über das Web oder - Twitter lässt grüßen - per SMS. Das hat den Vorteil, das selbst an entlegenen Orten ein Helfer mit einer einzigen SMS ganze Pools von Experten ansprechen könnte. Diese können nun darauf reagieren und entsprechende Angebote machen. Und weil dieser Prozess im Netzwerk stattfindet, erfahren dies auch die anderen potenziellen Helfer oder Experten. Ziel: Ressourcen zu erschließen und Reaktionen zu koordinieren.
InSTEDD koppelt die Meldungen zudem an die Lokalisierungsmöglichkeiten, die beispielsweise über die Google-Earth oder -Map-Dienste, aber auch über Microsoft Virtual Earth gegeben sind. Theoretisch ergeben sich aus der Kombination verschiedener Kommunikationsmittel vom RSS-Feed über Facebook-Expertencommunitys bis hin zu Twitter-SMS vielfältige Möglichkeiten, Kommunikationsflüsse nach thematischen oder geografischen Kriterien einzuleiten und zu kanalisieren.
Fragen wie: Wer ist am nächsten dran? beantworten sich also ähnlich automatisch wie: Liegt hier ein Einzelfall oder ein Cluster vor? Das, hoffen die Organisatoren, werde aus dem Notfall-Reaktionsnetz im günstigsten Fall ein Präventions- oder Frühwarn-Netzwerk machen. Ziel: Experten auf eine drohende Notfallsituation aufmerksam zu machen, bevor sie sich zur Katastrophe auswächst.
Eric Rasmussen, Projektleiter von InSTEDD, sagte "CNet": "Wir reden hier über allgegenwärtige, kostenlose Software, die man einer anderen Nutzung zuführt, um humanitären Zwecken zu dienen."
Für Google.org ist InSTEDD ein Teil einer "Vorhersage und Prävention" genannten Initiative - und das einzige Projekt, das aus eigenem Haus heraus angestoßen wurde: Die ursprüngliche Idee für InSTEDD entwickelte Brilliant bereits vor zwei Jahren. Im Mai 2007 konnte Brilliant InSTEDD mit Google-Geldern finanziert als Nonprofit-Organisation aus der Taufe heben. Google investiert fünf Millionen Dollar und Manpower in die InSTEDD-Initiative, zusätzliche Mittel kommen von der Rockefeller Foundation und privaten Investoren.
Auf der Liste der von Google.org geförderten Projekte stehen ansonsten Partnerorganisationen, die von Google gezielt mit Geldern und durch Google-Mitarbeiter unterstützt werden sollen. Das Spektrum reicht von Seuchen-Prävention über Wirtschaftsförderung bis hin zu Investments in die Weiterentwicklung alternativer Antriebstechniken.
Die Projekte im Überblick:
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