Von Konrad Lischka
Als eBay-Geschäftsführerin Meg Whitman gestern ihren Rücktritt erklärte, sinkende Umsätze ankündigte und die Börse den Online-Auktionsriesen dafür abstrafte, machte sich eBay-Gründer Pierre Omidyar (40) gerade Sorgen wegen des Quecksilbergehalts im New Yorker Sushi.
Omidyar, eBays Aufsichtsratsvorsitzender und größter Einzelaktionär (etwa 14 Prozent) hatte in der "New York Times" gelesen, dass Thunfisch in 20 Sushi-Lokalen in Manhattan erheblich belastet ist. Omidyars sorgt sich in seinem Twitter-Mikroblog: "Nehmt eure eigenen Quecksilber-Testkits mit in die Sushi-Bar!" Und keiner hat's bemerkt - Omidyar ist kein Star. 119.000 Treffer liefert Google.com für "Pierre Omidyar" - der wenig charismatischere Amazon-Gründer Jeff Bezos hat viermal so viel.
Kaum einer kennt Omidyar. Er kann bei Flickr unbehelligt seine Sommerurlaubsfotos aus Frankreich (Belle-Île, Paris) und Neuseeland einstellen - geschossen mit seinem Handy (ein langweiliges Nokia N73) und der 5000-Euro-Digitalkamera Leica M8. Laut Flickr-Profil interessiert sich Omidyar für Buddha-Bilder und Küstenfotos. Omidyars Selbstdarstellung: "Technologe, Investor, versuche, die Welt zu einem besseren Ort zu machen."
Etwas mehr Aufmerksamkeit hätte Omidyar sich schon verdient. Schließlich hat der in Paris geborene, in Maryland aufgewachsene Sohn eines iranischen Chirurgen mit gerade mal 28 Jahren an einem langen Wochenende 1996 das eBay-Prinzip erfunden.
Der Programmierer Omidyar lebte damals in San Francisco - er hatte für Apple programmiert, bei Start-Ups gearbeitet, unter anderem beim E-Commerce-Softwarehaus eShop (von Microsoft aufgekauft). Am ersten September-Wochenende 1995 programmierte Omidyar die Basissoftware für eine Auktionsseite, am Montag, dem 4. September startete er die Plattform im Web, unter dem Namen "Auction Web", zunächst auf der Webseite seiner Firma "Echo Bay Technology Group".
Zwei Angestellte, 800.000 Auktionen
Im Gespräch mit der gemeinnützigen Organisation "American Academy of Achievement" widerspricht Omidyar der Legende, er habe die Auktionsplattform aufgebaut, damit seine Freundin (heute seine Frau) ihre PEZ-Spender mit anderen Sammlern tauschen konnte: "Das war nur ein kleiner Teil meiner Inspiration." Ihm sei es damals nur darum gegangen, "einen möglichst effizienten Markplatz für Privatleute zu entwickeln". Omidyar: "Das war eher eine intellektuelle Übung, eine Idee, die ich in einem Experiment erproben wollte, ein Hobby eigentlich, das neben meinem Job lief."
Profitabel binnen neun Monaten
Nach sechs Monaten nahm Omidyar über die Verkaufsprovisionen genug ein, um die Serverkosten zu begleichen. Nach neun Monaten nahm er über AuctionBay, bald in eBay (Abkürzung für Omidyars Firma Echo Bay) umbenannt - mehr ein als mit seinem Programmiererjob - da liefen auf eBay im Durchschnitt etwa 800.000 Auktionen gleichzeitig. Omidyars Erfolg resultiert aus der glücklichen Fügung von drei Tatsachen:
Und vor allem holte sich Omidyar rechtzeitig Manager für Tagesgeschäft, Expansion, Börsengang und so weiter. Omidyars zweiter Angestellter Jeffrey Skoll hatte zuvor als Manager bei Knight-Ridder gearbeitet. Omidyar zog sich Schritt um Schritt zurück: Im August 1996 hörte er als Vorstandsvorsitzender auf, im November 1997 als Finanzvorstand, im Februar 1998 als Geschäftsführer. Den Job übernahm Meg Whitman, zuvor Managerin beim Spielzeugkonzern Hasbro. Sie brachte eBay im September 1998 an die Börse - Omidyar wurde zum Milliardär.
Omidyar bloggt über "Baby-Kotze"
Seit dreieinhalb Jahren managt Omidyar seine gemeinnützige Firma "Omidyar Network". Gemeinsamer Nenner der kommerziellen und nicht-kommerziellen Investitionen, laut Omidyar: "Wir wollen, dass mehr Menschen ihre eigene Kraft entdecken, gute Dinge zu bewirken." Konkret bedeutet das: Omidyar Network investiert in den Bereichen
Und eBay? Zum Tagesgeschäft und Nutzerfrust ( Warenbetrug boomt, lahmer Kundenservice, Rache-Bewertungen) sagt Omidyar nichts. Er hat nur einmal, 2001 zu "BusinessWeek", ganz allgemein und dafür heute erstaunlich treffend prophezeit:
"Ich sehe uns gerne als eine andere Art von Konzern, weil wir mit unserer Gemeinschaft anders umgehen. Wenn wir das verlieren, verlieren wir so ziemlich alles."
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