Von Richard Meusers
Yahoo: Die Zeit ist reif, hinterher zu traben
"Wir wollen jetzt auch!" könnte man mitunter für das Motto des Web-Unternehmens Yahoo halten. So richtig weiß man schon seit langem nicht mehr, wofür der Name eigentlich steht: Yahoo hat im Laufe seiner Geschichte schon so ziemlich alles probiert, zu der Größe zurückzufinden, die es in den Anfangstagen des Webs besaß.
Damals hatte Yahoo ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Mit seinem Web-Katalog hatte die Firma eine konkurrenzlose Dienstleistung zu bieten. Seitdem jedoch sind eine Menge Daten über die Leitungen gegangen - und eine Menge Versuche von Yahoo, sich selbst neu zu erfinden, über den Jordan.
Jetzt zeichnet sich ein neuer Ansatz ab: Yahoo verhandelt offenbar mit führenden Musikunternehmen, einen wie auch immer gearteten Musikshop aus der Taufe zu heben. Angeboten würden dort wohl MP3s (machen inzwischen so gut wie alle), und zwar gegen Zahlung (machen die meisten) oder eventuell auch in einer werbegestützten Refinanzierung (macht beispielsweise Last.fm).
Musikvideos bietet Yahoo seit längerem über sein "Launch"-Angebot, wird aber neben der vielköpfigen Konkurrenz von MySpace bis YouTube kaum bemerkt. Yahoo ist wegen schwindenden Erfolgs in den letzten Monaten stark ins Gerede gekommen, gilt inzwischen sogar als Übernahmekandidat. Seit Firmen-Mitbegründer Jerry Yang das Ruder wieder übernahm, ist das Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Markenkern. Yahoo, das iTunes der kommenden Jahre?
(pat)
Eine halbe Million private MySpace-Bilder bei BitTorrent
So genannte soziale Netzwerke machen häufig Schlagzeilen, weil man es entweder auf Betreiberseite oder bei den Usern mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. Viele Nutzer beginnen daher, anstelle ihrer Klarnamen Phantasiebezeichungen zu verwenden und beschränken sich beim Ausfüllen ihres Profils auf das Notwendigste. Wie recht sie daran tun, zeigt das jüngste Datenleck bei MySpace.
Seit einigen Tagen ist eine Sicherheitslücke bekannt, ohne dass die Plattformbetreiber irgendwelche Schritte unternommen hätten, wie "Wired" berichtet. Und prompt ist beim Tauschangebot BitTorrent eine riesige Datei aufgetaucht, deren 17 Gigabyte mehr als eine halbe Million Fotos enthalten, die sämtlich von privaten MySpace-Nutzerprofilen stammen. Die Fotosammlung sei unter Ausnutzung des Sicherheitslecks entstanden, die es neugierigen Schnüfflern erlaubt, selbst die Bildergalerien zu betrachten, die von ihren Besitzern als "privat" und damit sicher eingestuft wurden.
Besonders unerfreulich wird diese Geschichte, wenn man an die Möglichkeiten denkt, die zum Beispiel Pädophile erhalten, private Kinderfotos einzusammeln. Genauso betroffen sind sämtliche Profile von unter 16-Jährigen, die an und für sich automatisch auf "privat" eingestuft sind.
Computer bei Hessen-Wahl erlaubt
Der Chaos Computer Club (CCC) ist vor dem Hessischen Staatsgerichtshof mit seiner Initiative gescheitert, den Einsatz von Wahlmaschinen bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag zu verhindern. Das Gericht erklärte sich schlichtweg für unzuständig, in der Sache entscheiden zu können. Denn im hessischen Wahlgesetz existiere die Möglichkeit nicht, gegen Wahlcomputer Rechtsbehelf einzulegen, etwaige Klagen seien erst nach der Wahl zulässig.
Überdies hätten die Kläger vom CCC "nicht substantiiert" vortragen können, inwieweit später nicht beweisbare Manipulationen an den Computern vorgenommen werden könnten. Entsprechend enttäuscht zeigte man sich beim CCC, der in einer Pressemitteilung die Lücke im Wahlrecht und die Ablehnung des Staatsgerichtshofes aus formalen Gründen beklagte. Dennoch will der Verein nicht klein beigeben: "Beim Chaos Computer Club haben sich bereits jetzt eine Reihe von Wählern gemeldet, die einen Wahleinspruch nach der Wahl beabsichtigen." Wenn nicht vorher, dann eben danach.
DSL an Bord: zufällig Highspeed
Die Möglichkeit, einen Internetzugang auch an Bord von Flugzeugen in der Luft zu nutzen, wird bereits von mehreren Airlines getestet. Die amerikanische Southwest Airlines geht jedoch einen Schritt weiter, wenn sie nun ankündigt, ab dem Sommer in vier Flugzeugen Hochgeschwindigkeitszugänge via Satellit zu erproben. Allerdings konnte eine Sprecherin nicht sagen, auf welchen Routen die Passagiere in den Genuss des High-Speed-Internets kommen würden, aufgrund der Vielzahl der angeflogenen Ziele werde das eine Sache des Zufalls sein. Immerhin habe das System gegenüber anderen, landgestützten Lösungen den Vorteil, eine stete und ununterbrochene Verbindung zu gewährleisten, auch bei Flügen übers Meer.
StudiVZ gegen "StasiVZ"-Video
Nicht nur MySpace und Facebook geraten immer wieder in die Kritik, was den Umgang mit den Nutzerdaten angeht, auch das deutsche Pendant StudiVZ hat immer wieder mit dem Unmut zumindest einiger User zu kämpfen, die ihre persönlichen Daten geheim halten und nicht kommerzialisiert sehen wollen. Jetzt ist auf YouTube ein Videoclip aufgetaucht, in dem ein vermummter Rapper namens "Stasido" ein Liedchen mit dem Titel "Nie wieder StasiVZ" zum Besten gibt.
Das ärgert die Verantwortlichen beim Gruschelnetzwerk ganz gewaltig, sodass sie bereits über juristische Schritte nachdenken, um das Filmchen zu entfernen, in dem auch noch Reklame für die Konkurrenz von Kaioo.com gemacht wird. Natürlich könnte StudiVZ den Clip auch einfach mit einem eigenen Film kontern und der Angelegenheit so die Spitze nehmen, statt den Machern des "StasiVZ"-Videos noch weitere Presse zu verschaffen.
BKA-Chef: keine Überwachung von Priestern
Seit einigen Tagen sorgt der Entwurf für ein neues BKA-Gesetz unter Politikern und Journalisten für Unruhe, weil der Initiator Wolfgang Schäuble darin auch das bisher für Abgeordnete, Strafverteidiger und Geistliche geltende Zeugnisverweigerungsrecht abschaffen will. Künftig würde der Innenminister also gleichsam mit im Beichtstuhl sitzen.
Nun hat sich BKA-Chef Jörg Ziercke überraschend gegen diese Pläne gestellt. Wie "Futurezone" meldet, meinte der oberste Kriminaler am Rande einer Veranstaltung in Hannover: "Es gibt Vorschriften in der Strafprozessordnung, die den besonderen Schutz bestimmter Berufsgruppen vorsehen. Das muss gewahrt werden."
Schon zuvor hatte Walter Mixa, der katholische Bischof von Augsburg, auf dem Schutz des Beichtgeheimnisses bestanden. Die mögliche Überwachung von Beichtgesprächen nannte der Oberhirte "unerträglich", eine entsprechende gesetzliche Regelung würde das Verhältnis von Staat und Kirche empfindlich beeinträchtigen.
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