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28.01.2008
 

Netzwelt-Ticker

Videos bei Wikipedia

Von Richard Meusers

Bei Wikipedia lernen die Bilder demnächst laufen, Warner findet, auch Links können das Urheberrecht verletzen, die "Washington Post" startet ein Online-Magazin nur für Afroamerikaner. Das und mehr im Überblick.

Bei der beliebten Onlineenzyklopädie Wikipedia stehen einige Neuerungen an, wie die Wikimedia-Chefin Florence Devouard dem schweizerischen Nachrichtenportal "Swissinfo" mitteilte. Die augenfälligste Änderung: Ab Herbst 2008 soll es möglich sein, Videos in die einzelnen Beiträge zu integrieren und anzeigen zu lassen und sie ähnlich wie Texte und Bilder von den Nutzern bearbeiten zu lassen.

Wikipedia: Das kostenfreie Community-Lexikon will mehr Multimedialität
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DPA

Wikipedia: Das kostenfreie Community-Lexikon will mehr Multimedialität

"Man hat Zugang zu den Videos und kann sie gemeinsam verändern, wie einen Wiki-Text. Das könnte sehr schön werden", so Devouard. Außerdem sollen Wikipedia-Nutzer sich individuelle Artikelsammlungen zusammenstellen und als PDF abspeichern oder auf Papier ausdrucken können. Ähnlich wie bei Amazon würde man alle Artikel zu einem bestimmten Thema in eine Art Warenkorb ablegen und zu einem eigenen Buch zusammenstellen, das dann bestellt, gekauft und zugeschickt wird.

Diese "Wiki to print" genannte Neuerung soll schon im Frühling bereitstehen. Und zum Dritten soll es "stabile" Endversionen von Artikeln geben. Damit sollen die Leser sehen können, welche Artikelversionen als gültig bewertet wurden und so den Unterschied zur aktuellen Variante erkennen.

Onlineshopping: Deutsche sind Vize-Europameister

Nur die Briten kaufen online noch fleißiger als die Deutschen ein, innerhalb von sechs Monaten erwarben sie in virtuellen Läden 486 Millionen Artikel, gegen 341 Millionen hierzulande. Das ist das Ergebnis einer Studie zur Internet-Nutzung in Europa des Online-Vermarkters EIAA. Vier von fünf Deutschen kaufen mittlerweile auch im Web ein, fast jeder zweite deutsche Online-Shopper hat dabei auch Kleidung im Warenkorb liegen.

Nicht überraschend: Die männliche Klientel bevorzugt beim Einkaufsbummel elektronische Geräte und Zubehör. Allerdings sind deutsche Käufer immer noch erheblich sparsamer als Internet-Nutzer in anderen Ländern. Betrug der durchschnittliche Warenwert in Deutschland 558 Euro, so lag schon der europäische Mittelwert von 747 Euro deutlich darüber, am spendabelsten zeigten sich Norweger (1203 Euro), Briten (1195 Euro) und Dänen (1170 Euro).

Warner: Verlinkung von geschütztem Material ist Urheberrechtsverletzung

Die Letzten beißen die Hunde. Die Erfahrung macht jetzt auch die MP3-Suchmaschine Seeqpod, die vom Musikproduzenten Warner wegen Urheberrechtsverletzung verklagt worden ist. Ähnlich anderen, wesentlich älteren Angeboten wie zum Beispiel "Songza", durchsucht der Service das Web nach Seiten, auf denen Musikdateien gehostet sind, unabhängig davon, ob die Seitenbesitzer dazu das Recht besitzen.

Das aber ist der Knackpunkt für Musikproduzenten, die schöne Lizenzgebühren und Verkaufserlöse durch die Lappen gehen sehen. Der Fall ist ähnlich gelagert wie bei Auseinandersetzungen mit Tauschbörsen, die mit dem Umstand argumentieren, die inkriminierten Dateien nicht selber zu speichern, sondern lediglich eine Art Telefonbuch zur Verfügung zu stellen, wo was zu finden sei. Was Seeqpod nun teuer zu stehen kommen könnte, ist der Faktor, im Unterschied zu Angeboten wie Last.fm auf den Abschluss von Lizenzvereinbarungen mit den Rechteinhabern verzichtet zu haben.

NSA soll US-Behörden überwachen

Um die Datennetze der diversen US-Behörden und Dienste vor Hackerangriffen - möglicherweise mit terroristischem Hintergrund - zu schützen, hat Präsident Bush die National Security Agency (NSA) angewiesen, den Internetverkehr verstärkt zu überwachen. Damit wird der NSA, unter den US-Geheimdiensten eigentlich zuständig für die Kommunikations-Spionage im Ausland, ausdrücklich eine Inlands-Aufgabe zugewiesen.

Die vertrauliche Direktive sieht nicht nur den Schutz vor Angriffen aus dem Internet vor, sondern auch Gegenangriffe gegen die virtuellen Eindringlinge. Angesichts der gestiegenen Zahl von Internetangriffen auf amerikanische Behördencomputer war schon seit längerem über eine erweiterte Rolle der NSA in der Hackerabwehr spekuliert worden. Wie nicht anders zu erwarten, wird das Vorhaben eine teure Angelegenheit, die "Washington Post" spricht von "Milliarden Dollar, die das Weiße Haus voraussichtlich für den Etat 2009 fordern wird".

Pirate Bay begrüßt den zehnmillionsten User

Einen Rekord können unterdessen Schwedens Freizeitpiraten von Pirate Bay vermelden, mit zehn Millionen Nutzern ist der Torrent Tracker größer als alle vergleichbaren Netze zuvor, von Fasttrack über eDonkey2000 bis zu Gnutella. Damit zählt die Nutzergemeinde mehr Köpfe als Schweden Einwohner hat. Möglicherweise hat auch der Presserummel um aktuelle und beabsichtigte Gerichtsverfahren zur starken Zunahme der Nutzerzahlen beigetragen. Bereits nächste Woche gehen die juristischen Auseinandersetzungen in eine neue Runde, wenn der schwedische Staatsanwalt Håkan Roswall fünf an Pirate Bay Beteiligte wegen Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung belangen will.

"Washington Post" mit Online-Magazin für Schwarze

Überwundene Rassentrennung, die Gleichheit aller Menschen ohne Ansehen des Geschlechts oder der Herkunft? Alles kalter Kaffee, werden sich die Marketingstrategen der "Washington Post" gesagt haben und starten darum ein Online-Magazin für Schwarze.

Der Titel "Root" (Wurzel) erinnert an Alex Haleys Nostalgiedrama "Roots" über die afrikanischen Wurzeln einer US-Familie, damit ist die Zahl der Klischees aber noch nicht am Ende. Selbst die Webseite ist in, nun ja, verschiedenen Braun- und Ockertönen gehalten und macht auch dem Begriffsstutzigsten klar, wer hier die Zielgruppe sein soll.

Allerdings soll sich das Magazin von seiner farbigen Konkurrenz wie "Ebony", die mehr im Klatsch- und Lifestyle-Bereich zuhause ist, durch mehr Intellektualität absetzen, wie die "New York Times" süffisant anmerkt. Einen Schwerpunkt des Angebotes für die Leser sollen Hilfestellungen und Onlinetools zur Ahnenforschung bilden, um Familienstammbäume und Verwandschaftsverhältnisse rekonstruieren zu können. Bleibt nur die Frage, ob eine spezifisch für eine Ethnie aufgezogene Onlinepublikation überhaupt noch in die Gegenwart passt und nicht einen großen Rückschritt darstellt.

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