Von Oliver Klatt
So ganz genau scheint Jason Nelson selbst nicht zu wissen, was sein "Game, Game, Game And Again Game" ist. "Irgendetwas zwischen Gedicht, Spiel und Netzkunstinstallation", meint er. Obwohl sein Werk das Wort "Game" gleich vier Mal im Namen trägt, fällt es auch beim zweiten und dritten Hingucken nicht leicht, es als Spiel einzuordnen.
Sicherlich: Es hat eine Menge mit klassischen Jump'n'Runs gemein. Anstatt eines Klempners oder blauen Igels lässt man jedoch ein zappeliges, undefinierbares Knäuel durch 13 Level hüpfen. Oder sind es Kapitel? Strophen? Collagen?
Vermutlich alles zugleich. Jeder dieser Abschnitte ist einer anderen Religionsrichtung oder einer anderen Ideologie gewidmet. Im Level "Der Gläubige" turnt man auf einem großen Kreuz herum und muss Fische fangen, die fiktive Bibelverse auf dem Bildschirm erscheinen lassen.
In "Der Buddhist" fällt man unaufhaltsam von Wiedergeburt zu Wiedergeburt und muss im richtigen Augenblick den Absprung schaffen, um in den nächsten Spielabschnitt zu gelangen. Und in "Der Kapitalist" sammelt man Dollarzeichen und steigt dabei Stufe um Stufe die Karriereleiter höher, bis man am Ende unvermeidlich in die Tiefe stürzt. Als Belohnung schaltet man ein Video frei, in dem verwackelte Super-8-Aufnahmen einer weihnachtlichen Bescherung zu sehen sind. Die aufgetürmten Geschenke als Grundsteinlegung eines kapitalistischen Charakters? Nur eine von vielen Interpretationen.
Die dichten Schichten aus Bild- und Filmschnipseln, krakeligen Zeichnungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten lassen mehr Fragen offen als sie beantworten. Dabei macht das Spiel ein eindeutiges Statement: "Vor allem", so Nelson, "ist "Game, Game, Game And Again Game" eine Auflehnung gegen das leblose, pixelgenau durchgestylte Web- und Gamedesign, das einem an jeder Ecke begegnet." Und tatsächlich: So viel Mut zur Anarchie hat man nur selten in einem Computerspiel gesehen.
Der Glaube, der von Jason Nelson in seinem Werk am meisten in Frage gestellt wird, ist also der Glaube an Ordnung. Die äußere Erscheinung, die Form von "Game, Game, Game And Again Game" ist zugleich auch ihr Inhalt: das Wissen um den chaotischen Zustand der Welt, in dem wir uns tagein, tagaus bewegen.
Netzkunstgalerie
Auf der Website "Secret Technology" von Jason Nelson gibt es viel zu entdecken: Neben weiteren Games, interaktiven Gedichten wie dem "Poetry Cube" und virtuosen Animationen kann man sich dort auch Filme ansehen, in denen der Künstler Märchen mit Stoffpuppen und Alltagsgegenständen improvisiert.
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