"Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit", sagt Steven Hirsch, Chef der Pornofirma Vivid, "sondern darum, Kinder zu beschützen." Der kernige Satz ist nötig, denn jeder Ruf nach Filtern gegen Pornografie wird in den USA schnell als Angriff auf den Ersten Verfassungszusatz verstanden, der die Meinungs- und Publikationsfreiheit verteidigt. Für die Wächter des First Amendments bedeuten Filter schlicht Zensur, aber darum, machte Hirsch nun gegenüber der Nachrichtagentur AFP klar, gehe es ihm natürlich nicht.
"Keiner der Suchmaschinenbetreiber hat erwähnenswerte Schritte in dieser Hinsicht unternommen", argumentiert Hirsch. Deshalb eröffne der Weg über die Suchmaschine den Zugang zu Pornografie für jedermann und jederkind. Man stolpere im Web regelrecht darüber. Vivid hingegen, immerhin die größte Pornofilm-Produktion der Welt, habe eine Menge unternommen, um Kinder zu schützen und Eltern zu informieren.
So ganz stimmt das alles nicht, doch Applaus dürfte dem guten Mann sicher sein. Tatsächlich arbeiten sowohl Google als auch Yahoo an Methoden, Minderjährigen den Zugang zu Pornografie zumindest zu erschweren. Schon seit Jahren verhindern die Suchgiganten weitgehend effektiv, dass man bei ganz normalen Web-Suchen versehentlich über Pornografie stolpert: Das passiert heute fast nur noch, wenn man in den erweiterten Einstellungen ihrer Suchmasken die Option "meine Suche nicht filtern" aktiviert. Trotzdem bleiben Suchmaschinen natürlich der Königsweg hin zu Pornografie - und das meiste, was man dort findet, ist geklaut: Zu den größten Beklauten gehört natürlich die Firma Vivid.
Web-Boom fördert Porno-Boom
Hirsch geht das aber nicht weit genug: Er wünscht sich von den Internet-Serviceprovidern wie Suchmaschinen-Betreibern ein dichteres Filtersystem, das beim Versuch, Pornografie aufzurufen, eine Alters-Verifikation einfordert. Idealerweise sollen Porno-Surfer dann auch dafür bezahlen: Vivid sei gern bereit, mit jedem Web-Unternehmen zusammenzuarbeiten, die solche Techniken implementieren wollen.
Vivid drängt seit Sommer 2007 auf eine stärkere Verfolgung kostenfreier, meist raubkopierter Pornografie im Internet. Nachdem der Boom des WWW über Jahre hinweg auch für die Pornoindustrie mit einem bis dahin nicht gekannten Erfolgszuwachs einherging, spüren die Produzenten seit etwa 2005, dass es auch ihnen an die Wäsche geht: Analog zum Aufkommen von Laien-Videoseiten wie YouTube entstanden zahlreiche Videoseiten mit vermeintlichen Laien-Pornos. Diese kostenlos und frei zugänglichen Portale decken den Bedarf an Pornografie offenbar zunehmend ab: Allein in den Jahren 2005 bis 2007 verloren die Porno-Produzenten laut "Forbes" rund 30 Prozent ihres Umsatzes.
...und gefährdet die Branche
Insbesonders das DVD-Geschäft kollabiert regelrecht. Im Fall Vivid war das über Jahre der größte Umsatzbringer. Von 2005 auf 2007 aber reduzierte sich der Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens, das es im Jahr auf rund 100 Millionen Dollar Gewinn bringen soll, von 80 auf nur noch 30 Prozent. Auch Vivid macht sein Geld heute vornehmlich im Netz - noch, denn auch hier krümeln die Erträge.
"Wir haben es mit zügelloser Piraterie zu tun und tonnenweise freien Inhalten", sagte Hirsch im Januar auf der Adult Entertainment Expo in Las Vegas. Dagegen müsse man vorgehen: "Wenn das nicht geschieht und es weiter diese ganzen kostenlosen Inhalte da draußen gibt, wird man sich irgendwann nicht mehr leisten können, Filme herzustellen."
pat/AFP
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