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18.02.2008
 

Zoomer.de

Nachrichten 0.2

Von Frank Patalong

2. Teil: Zoomer ist eine wahre Wundertüte - weil man nie weiß, was drin ist

Stündliche Updates (siehe Bildergalerie) schaffen keine nachrichtliche Vollversorgung, aber die ist ja offenbar auch gar nicht gewünscht: Viele Nachrichten beschränken sich auf eine Schlagzeile und einen Anlauf - und dann geht es direkt ab in die Diskussion mit den Lesern. Ein wahrlich alternativer Ansatz, der im günstigsten Fall so funktionieren könnte: Erst wird gequasselt, dann recherchiert, wenn den Diskutanten die Argumente ausgehen. So könnte man junge Leute durchaus an Nachrichten heranführen - ob sie die dann aber überhaupt bei Zoomer finden können?

Gump lässt grüßen

Schwer zu sagen, denn das erfordert nicht zuletzt eine hohe mediale Kompetenz: Die Inhalte muss man erst einmal suchen. Abgesehen von den fünf Themen am Seitenkopf, dem Aufmacherbereich, präsentiert Zoomer seine Inhalte gern als Bilder. Die meisten Artikel kann man über eine Bildzeile erschließen, bei der man erst erfährt, worum es eigentlich geht, wenn man auf eins der Fotos klickt. Erwin Huber hat da wohl schlechtere Chancen als Hilton.

Der Klick auf diese Bilder inspiriert immerhin zu einer Adaption einer beliebten Forrest-Gump-Weisheit: "Zoomer ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was drin ist."

Die Präsentation von klassischen Nachrichten, Info-Grafiken, Videos oder Bilderstrecken ist höchst gleichberechtigt, wenn man es positiv formulieren will - alles findet sich im Eintopf. Zoom-in trifft auf Zoom-out, Grundinformation, mitunter auch durchaus analysierender Autorentext steht neben oberflächlicher Bilderstrecke oder Kurzvideo mit Minimal-Betextung. So mancher Zoomer-Leser, das kann man den dank löblicher Transparenz stets sichtbaren Nutzer-Kommentaren entnehmen, fühlt sich aus verständlichen Gründen weniger informiert als veräppelt.

Das gilt im besonderen Maße für den Jungfern-Beitrag der Zoomer-Sportkolumnistin Fiona Erdmann, einigen Fernsehzuschauern angeblich bekannt als Teilnehmerin an "Germany's Next Topmodel" (174 cm groß, 84-63-91).

Videoblogger und Kommentator Ulrich Wickert: Gewohnt akzentuierter Kommentar mit Einsprengseln jugendlicher Sprache

Videoblogger und Kommentator Ulrich Wickert: Gewohnt akzentuierter Kommentar mit Einsprengseln jugendlicher Sprache

Bestens frisiert will uns die ohne jeden Zweifel außerordentlich hübsche junge Frau künftig erklären, was im Sport wichtig ist. Beim ersten Mal investiert die Viertplatzierte der zweiten Model-Staffel allerdings rund ein Drittel ihres Beitrages in die Klärung der Frage, warum ausgerechnet sie dafür qualifiziert sein sollte. Eine völlig unnötige Erklärung, wie man am Ende des Beitrages begreift: Die Frisur allein hätte als Qualifikation für das Verlesen solcher Flachheiten ("Van der Vaart soll ganz schnell gesund werden") völlig ausgereicht.

Vielleicht wird diese - dreisterweise unter dem Label "Meinungsmacher" firmierende - Zumutung sogar regelrecht Kult bei Zoom. So wie sich ja auch Hunderttausende von Teenies bei YouTube, Clickfish oder MyVideo nur zu gern ansehen, wie Verrückte mit Dreirädern Kellertreppen hinunter fahren oder ihre selbst produzierten Analgase mit Feuerzeugen anzünden. Es gibt eine Minderqualität, die von bestimmten Zielgruppen schon hormonell bedingt als Qualität empfunden wird. Vielleicht geht es ja gar nicht um Nachrichten, sondern nur um gefühlte Information. Nicht um "Aha, so ist das!", sondern um "Echt? Is ja krass!".

Seitenhiebe ins Irgendwo

Doch da sei der Wickert vor: Der Renommier-Journalist setzt am ersten Tag direkt eine Duftmarke, die dokumentiert, dass Zoomer mehr will, als die hübsche Fiona vermuten lässt.

In seinem Video-Kommentar "Steueraffäre? Bitte keine Heuchelei!" macht er den Kiddies klar, wo die wahren Sünder sitzen - und schwankt zwischen "Sendung mit der Maus" und "tagesthemen". Nicht die Steuerhinterzieher seien die eigentlich Schuldigen, sondern letztlich die Regierungen, die tolerieren, dass Leute, die "genug Kohle" haben, diese bei irgendwelchen Liechtensteiner Fürsten parken können. Was irgendwie damit zu tun hat, dass ja auch die deutschen Parteien gern dort ihre Gelder waschen. Soll jedenfalls schon vorgekommen sein, sagt Herr Wickert.

Alle ausländischen Banken verbieten! Den Bundestag gleich mit verknacken! Amnestie für Zumwinkel und Co! Amnesie für alle! Und überhaupt!

Doch bleiben wir fair. Ja, Zoomer scheint unübersichtlich, die Inhalte sind von seltsam unterschiedlicher Qualität, der Veröffentlichungstakt sehr langsam. Aber die Seite wagt auch viele Interaktivitäten mit den Nutzern, bietet ihnen gar an, selbst Dinge zu veröffentlichen. Die Zahl der Meldungen nimmt gegen Mittag deutlich zu - pünktlich zum Schulschluss der Zielgruppe, wenn man so will.

Auch, wenn das Ganze bisher eher wie eine schick frisierte Luftnummer wirkt: Vielleicht muss die Redaktion erst Tritt fassen. Vielleicht muss sie selbst erst einmal herausfinden, was ihre Zielgruppe wirklich will und mitzumachen bereit ist. Vielleicht aber muss Holtzbrinck sich auch fragen, was man eigentlich will mit dem Zoomer. Im Augenblick könnte Zoomer ein interessantes Experiment sein - wenn es sich per Werbeclaim nicht selbst zur Peinlichkeit gemacht hätte: Das "erste echte Internet-Nachrichtenportal" jedenfalls wird so hoffentlich nicht aussehen.

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insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.02.2008 von jgause: Ich bin die Zielgruppe, und?

Ich zähle mich mit Anfang 20 mal einfach zu der Zielgruppe. Hier auf Spiegel.de stand etwas von wegen "Wird es dort jetzt als Top Nachrichten Britneys Spears und Tokio Hotel geben" . Darüber kann ich nur lachen, es sind [...] mehr...

22.02.2008 von peter neumann: ressorts oder relevanz

ich glaube nicht, dass das thema, ob ich meine beiträge groß- oder klein schreibe, hier von größerem interesse ist. ich bleibe einfach mal dabei. wer es nicht lesen möchte, der ist entschuldigt. die kritik an der fehlenden [...] mehr...

21.02.2008 von vaikl: BVla

Häh? Ich soll personalisierte Informationen preisgeben, damit irgendwelche dummdreisten Medienkonzerne sich damit schmücken können??? Seltsam dumpfe Medienkompetenz, aber verständlich, wenn man die Herkunft abgleicht. mehr...

19.02.2008 von mime: Neu

Registieren und die Themen festlegen, über die man speziell informiert werden will, soll heißen, personalisierte Nachrichten... Aber bitte nicht aufregen und einfach weiter bei Spiegel Online bleiben und alles ist gut! Ich mag [...] mehr...

19.02.2008 von vaikl: Kritik keinesfalls lächerlich, Zoomer schon

Wollen Sie hier als Zoomer-Claqueur Punkte sammeln? Es ist natürlich kritikwürdig, wenn man die Lesbarkeit von Beiträgen bemängelt. Die deutsche Schriftsprache sieht nicht von ungefähr die Groß-/Kleinschreibung vor. Wer meint, [...] mehr...

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