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27.02.2008
 

StudiVZ-Boss Riecke

"Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen Daten jetzt herausgeben"

Dürfen Internet-Communitys Behörden die Klarnamen von Nutzern verraten, die Bilder von Kiff-Runden oder volksverhetzende Texte veröffentlichen? Ja, sagt StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht er über Ermittleranfragen, Pornofilter, Werbung und das neue StudiVZ-Netz für ältere Nutzer.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt im deutschsprachigen Raum etwa 2,6 Millionen Studenten, aber StudiVZ hat fünf Millionen Profile. Woher kommt der Überhang?

Marcus Riecke: Das sind offensichtlich keine Studenten, sondern Freunde von Studenten, ältere Freunde - oder Freunde in einer anderen Lebensphase. Für die starten wir nun ein neues Angebot.

SPIEGEL ONLINE: Aus Sorge vor dem angekündigten deutschen Facebook?

Riecke: Die Sorge ist nicht so groß. Wenn ein soziales Netzwerk die kritische Masse erreicht hat, funktioniert es, weil alle meine Freunde schon da sind. Wir haben den deutschen Markt stark durchdrungen, decken den Studentenmarkt komplett ab, haben oberhalb von StudiVZ schon 2,5 Millionen Mitglieder. Klar können die wechseln, aber da wird Facebook sich sehr anstrengen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Etwa ein Viertel der deutschen Studenten geht während der Unizeit ins Ausland. Für die dort geknüpften Kontakte ist StudiVZ unbrauchbar.

Riecke: Unser neues Angebot wird es auch auf Englisch geben. Dann sehr bald auch StudiVZ. Klar könnte Facebook in der internationalen Kommunikation besser sein, vielleicht finden sie da ihre Nische in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Und klauen StudiVZ eine interessante Werbezielgruppe?

Riecke: Klauen wohl kaum. Selbst wenn unser internationales Angebot überhaupt nicht wirken sollte, werden StudiVZ-Mitglieder einen Teil ihrer Zeit auch im Ausland auf StudiVZ, bei ihren deutschsprachigen Freunden verbringen. Und: Drei Viertel der Studenten gehen eben nicht ins Ausland. Das ist auch eine sehr große, sehr interessante Werbezielgruppe.

StudiVZ: Erfolge und Probleme des Studi-Netzwerks

Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess, später wurde StudiVZ vor allem von den Gebrüdern Samwer finanziert - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und vom Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Nutzer, (6 Millionen studiVZ, 5,5 Millionen Schüler im schülerVZ, 4 Millionen Nutzer bei meinVZ; Stand: April 2010).

SPIEGEL ONLINE: Wann verdienen Sie Geld?

Riecke: Im Kerngeschäft StudiVZ sind wir heute schon profitabel. Für das gesamte Unternehmen werden wir das trotz der Investitionen 2008 schaffen. Richtig los geht’s mit dem Verdienen 2009.

SPIEGEL ONLINE: Dank der personalisierten Werbung, die StudiVZ sich von seinen Nutzern erlauben ließ?

Riecke: Wir haben die Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung aus zwei Gründen geändert. Zum einen, um zielgerichtet werben zu können. Zum anderen, um Konflikte mit Ermittlungsbehörden zu vermeiden.

SPIEGEL ONLINE: Welche Konflikte?

Riecke: Wir stehen da zwischen den Fronten. Auf der einen Seite der Datenschutz, auf der anderen Seite die Ermittler. Das Telemediengesetz verbietet uns, ohne Zustimmung der Nutzer Nutzungsdaten zu speichern. So hat der BGH vorigen Herbst entschieden. Die Kripo- und LKA-Beamten verlangen aber genau diese Daten von uns, die wir laut Datenschützern nicht speichern dürfen. Deshalb haben wir die Nutzer der Speicherung der Nutzungsdaten zustimmen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele sind das?

Riecke: Sehr viele. Weit über 90 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Hat es den Fall mit dem Joint oder der Wasserpfeife in der Hand schon einmal gegeben?

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