Mittwoch, 10. Februar 2010

Netzwelt



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27.02.2008
 

StudiVZ-Boss Riecke

"Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen Daten jetzt herausgeben"

2. Teil: Wie viele Mitarbeiter überwachen die Inhalte auf StudiVZ? Gibt es Filter-Programme? Was tut StudiVZ gegen erwachsene Mitglieder im Minderjährigen-Netzwerk SchülerVZ?

Riecke: Wir bekommen täglich Anfragen von Behörden, die kenne ich nicht im Detail.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Anfragen sind das?

Riecke: Gut zehn in der Woche.

SPIEGEL ONLINE: Worum geht es da?

Riecke: Am häufigsten Jugendschutz, Beleidigung, Volksverhetzung, Verletzungen von Persönlichkeitsrecht zum Beispiel durch Fake-Profile.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Fake-Profile gibt es?

Riecke: Wir haben insgesamt rund acht Millionen Profile auf allen Plattformen. Bei uns ist es sinnlos, sich mit einer falschen Identität anzumelden. Unsere Plattformen eigenen sich nur dafür, echte soziale Netzwerke effizient zu managen. Mit einer falschen Identität kann ich das nicht. Wie soll mich da jemand finden? Doppelte oder falsche Profile gibt es kaum.

SPIEGEL ONLINE: Woher wissen Sie das?

Riecke: Wir haben unsere Nutzer befragt, wie hoch sie denn den Anteil von Fake-Profilen schätzen. Ergebnis: 4,8 Prozent. So etwa wird es auch sein, die Nutzer wissen sehr viel besser als wir, was auf der Plattform los ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele StudiVZ-Mitarbeiter überwachen denn die Plattform?

Riecke: Wir haben 70 Werkstudenten im Support, die Hälfte überprüft Hinweise aus der Community.

SPIEGEL ONLINE: Lassen sie nicht Text- und Bildscanner über das Angebot laufen?

Riecke: Ja, aber die sind zu unzuverlässig. Es gibt aktuell leiden keine technisch ausgereiften Lösungen. Allein auf Basis dieser Treffer können wir nicht handeln. Wir filtern nicht automatisch Dateien, die hochgeladen werden. Wir machen, wozu wir gesetzlich verpflichtet sind: Bei nachgewiesenem Kenntnisstand müssen wir innerhalb der Frist des Telemediengesetzes reagieren. Das tun wir.

SPIEGEL ONLINE: Bevor das Sodomie-Foto von SchülerVZ verschwindet, hat es also mindestens ein Mitglied gesehen?

Riecke: Das muss nicht so sein. Aber mutmaßlich ja, das kann passieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele der SchülerVZ-Mitglieder sind denn Erwachsene?

Riecke: Eigentlich keine.

SPIEGEL ONLINE: Wir kennen zwei.

Riecke: Ja, klar, man kann sich anmelden und die AGB verletzten. Es gibt derzeit kein Altersverifzierungssystem für Jugendliche unter 16. Das können wir auch nicht allein aufbauen. Da müssen sich die Ministerien, Behörden und großen Unternehmen auf dem Feld zusammensetzen. Da gibt es auch zwischen den verschiedenen staatlichen Stellen zu wenig Koordination. Warum müssen wir etwa die AGB ändern, um Ermittlern die verlangten Auskünfte geben zu können?

SPIEGEL ONLINE: Und auch, um personalisierte Werbung verkaufen zu können. Wer bucht die?

Riecke: Wir haben gerade mal die erste Testphase abgeschlossen. Die Zustimmungsaktion wird erst im April abgeschlossen sein. Derzeit haben wir Markenartikler, wir hatten Filmverleiher, die für Vorpremieren in bestimmten Städten geworben haben.

SPIEGEL ONLINE: Buchen die Pizzerien um die Ecke schon Banner für Studenten in ihrer Stadt?

Riecke: Das Geschäft mit den kleinen, regionalen Unternehmen läuft noch nicht über die großen Vermarkter. Wenn die Pizzeria um die Ecke da anruft, passiert derzeit nicht viel. Da brauchen wir ein anderes System.

SPIEGEL ONLINE: Werbekunden können derzeit nach Alter, Geschlecht, Wohnort und Studienrichtung sortieren. Was kommt als nächstes?

Riecke: Da haben wir keine konkreten Pläne. Diese vier Kriterien sind den Werbekunden am wichtigsten. Wir müssen das erst sauber umsetzen, die Reaktionen prüfen. Nichts wäre schlimmer als Beschwerden der Nutzer, dass sie nun irrelevante Werbung bekommen. Laut unseren Umfragen akzeptiert die Mehrheit der Nutzer personalisierte Werbung eher als irrelevante. Die wird als Spam wahrgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, personalisierte Werbung ist also auch ein Service für ihre Mitglieder?

Riecke: Die Marktforschung zeigt klar, dass personalisierte Werbung besser akzeptiert wird. Deshalb wollen wir auch die zehn Prozent unserer Nutzer, die noch nicht zugestimmt haben, davon überzeugen. Es geht uns hier nicht um das Werbegeld. Ich denke, wir werden die Nutzer eher verlieren, wenn sie sich über irrelevante Werbung ärgern.

Interview: Konrad Lischka und Christian Stöcker

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