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05.03.2008
 

Netzwelt-Ticker

Briten sind Europameister beim Verschlampen

Von Richard Meusers

Boom in Britannien, was die Nachlässigkeit im Umgang mit Daten angeht, schneller im Parkhaus mit Google Maps, Osteuropa wird Linuxland. Das und mehr im Überblick.

1.000 britische Regierungslaptops verschwunden

Abgetaucht: Im britischen Regierungsviertel gehen gern einmal Laptops verloren
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REUTERS

Abgetaucht: Im britischen Regierungsviertel gehen gern einmal Laptops verloren

Das muss man den Briten lassen: Den Europameistertitel im Verschlampen von Daten macht ihnen niemand mehr streitig. Erneut verteidigten sie ihre Spitzenposition, als die Regierung Großbritanniens jetzt eingestehen musste, mehr als tausend Notebooks aus Ministerien und Behörden verloren zu haben.

Wie der "Guardian" berichtet, sind in den letzten Jahren also nicht nur Datenträger wie CDs auf dem Postwege verschütt gegangen. Noch schlimmer: Die Schlamperei nimmt zu, von den insgesamt 1052 offiziell abgängigen Geräten verschwanden 200 allein im letzten Jahr. Am ärgsten treibt es dabei ausgerechnet das Verteidigungsministerium, den Soldaten Ihrer Majestät sind seit 1998 503 Laptops und 23 PCs abhanden gekommen.

Google Maps hilft bei Parkplatzsuche

Google kümmert sich mit zahllosen Suchfunktionen und Zusatzoptionen rund um die Uhr um das virtuelle Leben seiner Nutzer. Selbst wenn die mal ins richtige Leben hinaus müssen, lässt sie der Suchmaschinenbetreiber nicht allein und hilft jetzt sogar bei der Parkplatzsuche. Zunächst erst einmal im kalifornischen Santa Monica.

Dort läuft ein Pilotprojekt, das mit einem Mapplet in Google Maps anzeigt, wo und ob in welchem Parkhaus noch Stellplätze frei sind, meldet das "GoogleWatchBlog". Dabei werden die Daten des örtlichen Parkhausmanagements (die auch in deutschen Städten vielfach durch Hinweistafeln angezeigt werden) direkt in Googles Kartendienst übernommen und zeigen mit grünen, gelben oder roten Symbolen den "Füllstand" für jedes Parkhaus an. Ähnliche Angebote existieren in Europa bereits in Zürich und Dresden, die können allerdings nicht ohne weiteres im Navigationssystem eines Autofahrers angezeigt werden.

Angela Wer? Vodafone kennt Merkel nicht

Gestern schlenderte Angela Merkel über die Messestände der Cebit, wo sich alle besuchten Standinhaber überschlugen, die Kanzlerin mit den neuesten technischen Errungenschaften zu beeindrucken. Vodafone-Chef Friedrich Joussen wollte die Funktion der firmeneigenen Bildersuche demonstrieren, die angeblich online erkennt, welches Motiv gerade geknipst wurde, ob Prominenter oder Sehenswürdigkeit. Gesagt, getan, doch dann reichte Merkel - laut "Standard" aus Wien "ziemlich erheitert" - das Gerät zurück: Der Vodafone-Datenbank war die Regierungschefin schlicht unbekannt. Vielleicht ist da ja noch mit alter Frisur erfasst?

Wie man einen Windows-PC ohne Passwort hackt

Seit zwei Jahren kennt der neuseeländische Sicherheitsexperte Adam Boileau einen läppisch einfachen Weg, im Nu einen Windows-Rechner ohne Passwort zu entsperren. Dazu bedarf es lediglich eines Firewire-Ports und eines angeschlossenen Linux-Rechners, auf dem ein kleines von Boileau entwickeltes Tool läuft - und schwups! ist er drin. Angeblich, weil er abwarten wollte, wann Microsoft diese Lücke endlich schließen würde, habe er das Programmchen bislang nicht veröffentlicht. Da die Redmonder bis heute müßig geblieben seien, entschied er sich zur Veröffentlichung.

Erste Ambulanz für Computerspiel-Junkies

Computerdaddeln, bis der Arzt kommt, das kann das Anzeichen einer Suchterkrankung sein, die auch entsprechend behandelt werden muss. Ein simples "Stecker raus" reicht da nicht aus, differenziertere Heilungsangebote gab es in Deutschland bislang allerdings nicht. Bis zu dieser Woche, denn am Montag hat an der Mainzer Uniklinik die erste "Ambulanz zur Behandlung von Computerspiel- und Internetsucht" ihre Pforten geöffnet.

Wurden hierzulande bislang nur die klassischen Spielsüchtigen betreut, die im Kasino Haus und Hof verzocken, will man in Mainz gezielt auch von exzessivem bzw. süchtigem Computerspielverhalten Betroffene therapeutisch behandeln, denn deren Zahl sei in jüngerer Vergangenheit deutlich angestiegen. Mittlerweile litten drei bis vier Prozent der männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Computersucht.

Beichtstuhl bleibt tabu

Nachdem das Bundesverfassungsgericht in seinem jüngsten Urteil das "Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme" erfunden hat, rudern Berliner Politiker zurück, was ihre Pläne in Sachen Staatstrojaner und heimlicher Ausspähung angeht. Entgegen ursprünglichen Entwürfen sollen nun Berufsgeheimnisträger wie Rechtsanwälte, Geistliche und Abgeordnete von Maßnahmen wie der Online-Durchsuchungen ausgenommen werden, weiß die "Berliner Zeitung" heute zu berichten.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz wurde mit der Versicherung zitiert: "Bei diesen Berufsgruppen gilt der absolute Schutz. Daran lassen wir nicht rütteln." Zwar müsse der Schutz des Beichtgeheimnisses absolut gelten, jedoch nur für anerkannte Religionsgemeinschaften, aber nicht für gewaltbereite Extremisten, die sich nur einen frommen Talar umhängen.

Hausnummer: Vorratsdatenspeicherung kostet 330 Millionen

Während in Berlin die Arbeiten am BKA-Gesetz andauern, nutzt der Internetbranchenverband "eco" die Gelegenheit, um erneut auf die immensen Kosten hinzuweisen, die im Gefolge der Vorratsdatenspeicherung auf die Branche zukommen. Laut "futurezone" bezifferte eco-Vorstand Thomas von Bülow den Aufwand für die sechsmonatige Speicherung von Daten über Festnetz-, Mobilfunk und Internetverbindungen auf 330 Millionen Euro.

Außerdem wandte er sich erneut gegen Begehrlichkeiten der Musikindustrie, in Sachen Urheberrechtsverletzungen zum Beispiel durch Tauschbörsennutzer aktiv zu werden. Schließlich seien diese selbst für ihr Tun verantwortlich, nicht aber die Zugangsanbieter.

Osteuropa wird Linuxland

Computerriese IBM will den osteuropäischen Markt aufrollen. Bei der Softwareausstattung setzt Big Blue allerdings nicht auf Windows, sondern Linux, meldet der "New Zealand Herald". Gemeinsam mit österreichischen und polnischen Partnern sollen unter anderem mit IBMs Lotus Symphony ausgestattete Rechner angeboten werden, dabei haben die Unternehmensstrategen auch den umstrittenen russischen Markt im Visier, von dem sie sich große Wachstumsraten erhoffen.

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