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06.03.2008
 

Standardgemäßer Browser

Microsoft revolutioniert den Internet Explorer

Alles anders im wichtigsten Internetbrowser der Welt: Microsoft hat eine erste Version des Explorers 8 präsentiert - und bekennt sich darin erstmals klar zu den etablierten Web-Standards. Ab sofort ist eine öffentliche Testversion im Netz verfügbar. SPIEGEL ONLINE zeigt, was neu ist.

Nach jahrelanger Kritik ändert Microsoft seine Browser-Politik. Der nächste Internet Explorer (IE) trennt sich von den Sünden der Vergangenheit - und richtet sich nur noch nach den Standards für die Gestaltung von Internetseiten. "Das ist eine Wende um 180 Grad in unserer IE-Politik", sagte der zuständige Microsoft-Produktmanager Shola Aluko am Donnerstag.

Auf der Cebit gibt Microsoft einen ersten Einblick in die soeben veröffentlichte Testversion des Internet Explorers 8. Die wichtigste Neuerung ist auf dem ersten Blick nicht sichtbar: Der IE 8 bricht mit der Vergangenheit und hält sich an die Standards, wie sie im World Wide Web Konsortium (W3C) festgelegt werden - das sind im Wesentlichen HTML 4 für den Inhalt einer Website, CSS 2.1 für das Layout und XML für die Anbindung von Daten aus Web-Anwendungen.

"Wir wollen ein klares Bekenntnis zur Interoperabilität ablegen", sagte Aluko. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass Inhalte wie Internetseiten oder andere Dokumente unabhängig von der verwendeten Software einheitlich genutzt werden können.

In der Vergangenheit haben viele Unternehmen und Privatpersonen ihre Web-Seiten "für den IE optimiert": Anstatt sich nach den Standards zu richten, haben sie den Code der Web-Seiten an die Besonderheiten des Internet Explorers angepasst. Hintergrund war der "Browser-Krieg" ab 1995, in dem der IE den zunächst führenden Netscape Navigator mit standardwidrigen Besonderheiten wie Laufschrift zu übertrumpfen suchte und schließlich vom Markt verdrängte.

"Quirks-Modus" für alte Websites

Der gegenwärtig aktuelle IE 7 bemüht sich noch um einen Kompromiss zwischen den Standards und der Absicht, all die Websites darzustellen, die mit den Fehlern der Vergangenheit entwickelt wurden. Weil der IE trotz der Erfolge des Open-Source-Browsers Firefox immer noch die größte Verbreitung hat, sehen sich die Web-Designer bislang gezwungen, ihre standardkonformen Seiten mit bestimmten Tricks, den "IE-Hacks", an den Microsoft-Browser anzupassen. "Das kann jetzt aus dem Code gelöscht werden", sagte Aluko.

Damit auch die älteren Internetseiten noch richtig angezeigt werden, gibt es beim IE 8 zwei Schalter, mit denen die bisherige IE-Darstellung "emuliert", also angepasst werden kann. Ein "Quirks-Modus" emuliert den IE 5, ein "Strict-Modus" den IE 7.

Für Web-Designer gibt es einen neuen Debug-Modus, der den HTML- und CSS-Code übersichtlich anzeigt und Haltepunkte bei der Befehlsabfolge von Skripten bietet. Das mit CSS gestaltete Basis-Layout der Website wird grafisch illustriert.

Neben den wenig sichtbaren Neuerungen "unter der Motorhaube" bietet der Browser dem Nutzer aber auch etwas fürs Auge. So kann der IE 8 einzelne Bereiche einer Website als ein besonderes "Webslice" ansprechen oder mit "Activities" verbinden. Dabei lässt sich beispielsweise eine Adresse in einem kleinen Fenster auf einer Karte darstellen. Die Wetterprognose für einen bestimmten Ort oder eine einzelne eBay-Auktion können als "Webslice" definiert und dann als Lesezeichen gespeichert werden. Eingerichtet werden diese neuen Funktionen im Code der Website. Dabei handle es sich um reines XML, erklärte der Microsoft-Technologieberater Daniel Melanchthon.

Beta 2 kommt in der zweiten Jahreshälfte

Als zusätzlicher Schutz gegen betrügerische Phishing-Attacken zeigt die Adressleiste des IE 8 die Domain jetzt in fetter Markierung an. So kann mit einem Blick überprüft werden, ob man sich wirklich auf dem gewünschten Server befindet und nicht heimtückisch zu einem anderen Computer umgeleitet wurde. Die Adressleiste im IE ist etwas kürzer, das Suchfeld dafür etwas länger geworden.

Die Beta 1 des IE 8 kann kostenlos heruntergeladen werden. Web-Entwickler seien aufgerufen, Erfahrungen damit zu sammeln und mögliche Fehler an Microsoft zu melden, sagte Aluko. In einigen Wochen soll es nach Angaben Melanchthons auch eine deutschsprachige Version dieser Test-Software geben. Eine Beta 2 ist dann für die zweite Jahreshälfte geplant. Zum Termin der Fertigstellung des Browsers macht Microsoft noch keine Angaben. Vermutlich wird dies Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres der Fall sein.

Auch beim Open-Source-Konkurrenten Firefox wird gerade eifrig entwickelt. Im Februar ist eine dritte Betaversion für den Firefox 3 erschienen, bis Ende März wird die Fertigstellung erwartet. Zu den Neuerungen gehören ein Passwort-Manager, eine Zoom-Funktion zur vergrößerten Darstellung von Texten und Bildern sowie die Möglichkeiten, Internetseiten als PDF abzuspeichern.

Peter Zschunke/AP

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