Von Felix Knoke
YouTube-Überhit: Mit iPod, Sex und Barack Obama zum Erfolg?
YouTube untersucht den beinahe schon märchenhaften Erfolg eines Videoclips: Kann es sein, dass ein Amateurclip zu diesem eher simplen Stück Electropop einer überdies unbekannten brasilianischen Band innerhalb eines Jahres fast 90 Millionen Mal aufgerufen wurde - davon 40 Millionen Mal allein in den vergangenen drei Wochen?
Das Musikvideo "My Hot Hot Sex" der brasilianischen Band Cansei De Ser Sexy ("Ich bin es leid, sexy zu sein") hat bereits Judson Laipplys "Evolution of Dance" vom YouTube-Gipfel verdrängt – nachdem er 18 Monate lang unangefochten die Nummer Eins der meistbetrachteten YouTube-Videos war.
Doch so viele Aufrufe in so kurzer Zeit, geht das mit rechten Dingen zu? Das Waxy-Blog meint: Nein! Es verglich das Hype-Video mit anderen erfolgreichen YouTube-Videos und stellte Unregelmäßigkeiten beim Verhältnis der Zahl der Aufrufe mit den Kommentaren, die Nutzer dem Video hinzufügen können, fest.
Ein typisches Top-500-Video hat ein Verhältnis Gesamtabrufe/Kommentare von 545 zu 1 – das "My Hot Hot Sex"-Video nur eines von etwa 21.500 zu 1. Manipulation? Zum einen wäre es recht einfach, sich einen Erfolg mit einem Skript, welches das Video automatisch aufruft, zu ermogeln. Auch andere Videoclips mit reichlich unspektakuläreren Inhalten machen sich auffällig schnell an die 100-Millionen-Abrufe-Grenze heran.
Der "Sydney Morning Herald" hält trotzdem einen legitimen Erfolg für denkbar. Die Schlagworte "Sexy", "iPod", "Barack" und "Obama" dürften viele YouTube-Surfer angelockt haben. Und dann bekam der Song ja auch noch eine zentrale Rolle in einem Amateur-iPod-Werbeclip.
Aber egal ob Mogelei oder nicht: Der Traum ist aus vom Wahnsinnserfolg dank YouTube und Internet. Oder haben Sie schon jemals etwas von Cansei De Ser Sexy gehört – trotz Top-Chart-Platzierung bei YouTube?
Der kubanische Memorystick-Untergrund
In Kuba sind die Surfer nicht frei: Der Web-Verkehr wird gefiltert und zensiert. Ein privater Internetanschluss muss eigens beantragt werden und ist für Carlos Normalverbraucher nicht erschwinglich. Ihm bleibt nur der Weg in die stark kontrollierten, öffentlichen Internetstellen. Der stark anwachsende E-Mail-Verkehr wird vom Staat überwacht, ausländische Nachrichtenquellen werden unzugänglich gemacht ( PDF-Bericht von Reporter ohne Grenzen).
Doch die Kraft des Internets entfaltet sich auch jenseits von Breitband-Anschluss und Webzensur. Und so berichtet jetzt die "New York Times" vom kubanischen Internet-Untergrund, in dem Memorysticks zum Medium kritischer Nachrichten werden.
Videoaufnahmen, in denen zu sehen ist, wie kubanische Studenten den Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcón ins Kreuzverhör nehmen, wurden zum Internethit – auf Kuba fanden sie über USB-Speicher Verbreitung. Den Weg ins Netz fanden sie nicht etwa in den wenigen offiziellen Zugangspunkten, sondern in einem von immer mehr inoffiziellen Internetcafés: Per eingeschmuggelter Satellitenschüssel nehmen die Hinterhöfe Kontakt mit dem weltweiten Netz auf; illegal, versteht sich. Von dort aus füttern junge Cyberrebellen ihre Blogs auf ausländischen Servern – nur so konnten zum Beispiel die Aufnahmen vom Kreuzverhör Ricardo Alarcóns es bis in die Studios von BBC und CNN schaffen, wo sie ausgestrahlt wurden, der Welt einen Blick hinter den Mythos Kuba zu ermöglichen.
Kabel Deutschland bremst BitTorrent
Einem Bericht des "Focus" zufolge bremst der deutsche Internetprovider Kabel Deutschland den Datenverkehr seiner Kunden zwischen 18 und 24 Uhr aus. Statt dem versprochenen Datenstrom von "bis zu 30.000 kbit pro Sekunde" rieseln die Bits dann nur noch in den Rechner. Vor allem der BitTorrent-Datenverkehr, der bei großen Downloadpaketen eingesetzt wird (z.B. Filesharing, Linux-Distributionen, Spiele-Updates und Filmtrailer) sei von der Datendrossel betroffen, berichten Betroffene im Onlinekosten.de-Forum.
Auf Nachfragen des "Focus" bestätigt Kabel Deutschland die Vorwürfe. Man wolle die Internetkapazität "gerecht auf alle Nutzer verteilen". Das Netzpolitik-Blog sieht darin keine Gerechtigkeit, sondern eine Verletzung der Netzneutralität, der Gleichbehandlung aller Internetnutzer.
In den USA machte der Internetanbieter Comcast Schlagzeilen, als er eingestand, seine Kunden beim Downloaden zu bevormunden. Monatelang widersprach er Vorwürfen, den Torrent-Datenverkehr zu drosseln. Von der Diskussion gestärkt soll in den USA nun mit Gesetzen die Netzneutralität gesichert werden.
In Europa, ist sich die EU-Kommission sicher, wird das der Wettbewerb schon richten. Sprich: Wer nicht gedrosselt werden will, soll den Internetprovider so lange wechseln, bis sich entweder kein Provider mehr an den Daten zu schaffen macht – oder es keine Ausweichmöglichkeiten mehr gibt.
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