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18.03.2008
 

Web-Guru zu Nutzer-Beobachtung

"Ich würde den Provider wechseln"

Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW, hat sich gegen die zunehmende Ausforschung des Nutzerverhaltens ausgesprochen. Die größten Gefahren entdeckt er im sogenannten Targeted Advertising - und im Exhibitionismus jugendlicher Social-Network-Nutzer.

Aus Perspektive des typischen Nutzers von Facebook oder MySpace ist der Mann uralt, aber "Ahnung" von Online-Dingen wird ihm wohl kaum jemand absprechen: Tim Berners-Lee, 52, ist der Erfinder von HTML und damit des WWW. Dass er das Protokoll 1993 frei veröffentlichte und so der Welt im Sinne des Wortes das WWW schenkte, statt sich daran finanziell gesundzustoßen, ist die Grundlage seiner Legende: Der Mann gilt als glaubwürdig.

Tim Berners-Lee: Erfinder des WWW (Archivbild: bei der Verleihung eines Technologie-Preises 2004 in Helsinki)
DPA

Tim Berners-Lee: Erfinder des WWW (Archivbild: bei der Verleihung eines Technologie-Preises 2004 in Helsinki)

Seit einigen Jahren steht er dem World Wide Web Consortium vor und arbeitet an der Weiterentwicklung der Netz-Technologien. Was er da im Augenblick sieht, gefällt ihm nicht immer. In einem 26 Minuten langen Interview mit der BBC zog Berners-Lee nun ein Fazit von eineinhalb Jahrzehnten WWW. Doch nichts darin findet derzeit so viel Beachtung wie Berners-Lees Aussagen zum Schwinden der Privatsphäre.

Denn seit langem zum ersten Mal mischt sich Berners-Lee damit in einen aktuellen Streit ein. Der Anlass: die Aktivitäten des Werbe-Tracking-Unternehmens Phorm. Die Vermarkter haben sich darauf spezialisiert, das Surfverhalten von Netz-Nutzern im Detail zu beobachten und zu protokollieren, um ihnen auf sie persönlich zugeschnittene Werbung zu übermitteln - eine Strategie, die unter der Bezeichnung "targeted Advertising", gezielte Werbung, läuft.

Phorm setzt auf Providerseite an, beobachtet also direkt die Bewegungen im Netz, ohne dass der Nutzer davon erfährt. Ohne den Firmennamen zu nennen, macht Berners-Lee klar, wie er damit umgehen würde, wenn er erführe, dass sein Provider solche Techniken zuließe: "Ich würde den Provider wechseln."

Denn private Daten sollten privat bleiben - und das schließe nicht zuletzt auch all die Informationen ein, die vor allem junge Nutzer viel zu bereitwillig in Social Networks verteilen. Berners-Lee: "Man sollte sich vorstellen, dass alles, was man da hineinschreibt, von der Person gelesen wird, bei der man sich um seinen ersten Job bewirbt. Stellt euch vor, dass alles auch von euren Eltern gelesen wird, von euren Großeltern und auch noch von euren Enkeln."

Eine Kurz-Version des Interviews bietet die BBC auch in schriftlicher Form an.

Per Interview zum Kronzeugen

Berners-Lees Zitate fanden sofort Eingang in die laufende Debatte um die Firma Phorm. Die kooperiert in Großbritannien mit mehreren Internet-Service-Providern, unter anderem der British Telecom. Dabei arbeite Phorm außerhalb der gesetzlichen Vorgaben, glaubt die Foundation for Information Policy Research (FIPR), einem durch Industrieunternehmen, akademische Institute und Regierungsbehörden gestützten britischen Politik-Think-Tank.

In einem offenen Brief wandte sich FIPR am Montag an die britische Telekommunikationsbehörde, die derzeit die Aktivitäten von Phorm untersucht sowie die Kooperationen der britischen Firma mit dortigen Telekommunikationsunternehmen. In dem Schreiben macht sie auf die Geschäftspraktiken von Phorm aufmerksam und auf deren die privatsphäre verletztenden Charakter.

In dem Brief heißt es: "Das System von Phorm ist hochgradig neugierig – es ist, als ob die Post alle meine Briefe öffnete, um zu sehen, wofür ich mich interessiere, nur damit mir verbesserte Werbewurfsendungen zugesandt werden können."

Phorm-Chef Kent Ertugrul will all das nicht gelten lassen. Die Technik seines Unternehmens respektiere die Privatsphäre der Nutzer, weil man die Teilnahme verweigern könne ("Opt-out-Verfahren"). Die Argumentation ähnelt der anderer Firmen, die Targeted Advertising einsetzen - und das sind eine ganze Menge, von Facebook bis Google. Berners-Lee hatte sich hier dafür ausgesprochen, grundsätzlich ein Opt-in-Verfahren zu nutzen, bei dem man bewusst seine Teilnahme erklären muss und nicht umgekehrt. In Deutschland hatte zuletzt StudiVZ genau diese Umstellung vornehmen müssen, nachdem die Firma für eine Targeted-Advertising-Technik massive Kritik kassiert hatte.

Kritik erntet nun allerdings auch Berners-Lee - natürlich von Seiten von Marketingfirmen. Im Firmenblog von Jupiter Research kritisierte Marktanalyst Nate Elliot Berners-Lees generell ablehnende Haltung gegen Targeted Advertising, das Werbern als zurzeit vielversprechendeste Marketing-Technik gilt: "Ich bin mir sicher, dass Sir Berners-Lee einer der führenden Köpfe der digitalen Welt ist - aber entweder er hat nie etwas über behavioral targeting gelesen, oder er kennt die Bedeutung des Wortes 'anonym' nicht, oder er misstraut ganz einfach seinem Service-Provider."

pat

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insgesamt 17 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.03.2008 von Kaybeecee: Alltag..

Das man überall mit solchen System konfrontiert wird sieht man schon allein daran, das selbst beim Spon davon etwas verwendet wird. Schaut man sich den Quelltext etwas genauer an, findet man unter anderem dies: img [...] mehr...

24.03.2008 von changnoi: mehr halb/wissen

wen ich mir als telekom kunde deren software installiere , dann haben die mein surfverhalten mit Postanschrift und kontonummer. wenn ich ein affilate von google bin und mich zb ueber firefox in meinen google account einlogge [...] mehr...

20.03.2008 von thomasschauf: Aufklärung und Medienkompetenz

beim Themenkomplex Targeting, Datenschutz, Privatsspähre etc. stört eine Sache ganz massiv. Es wird mit ungesundem Halbwissen umsichgeworfen. Bspw. die Frage beim Voting "Wie stehen Sie dazu, dass Marketing-Firmen [...] mehr...

20.03.2008 von Steve Holmes: .

Was fehlt ist "Mediennutzung" als Unterrichtsfach wo einem beigebracht wird, wie man Web-Anonymisierungsdienste und sehr leistungsfähige Verschlüsselungsverfahren sinnvoll nutzen kann. Man muß ja nicht alle Daten [...] mehr...

19.03.2008 von amtegi123: Privatssphäre nicht erwünscht!

Genau das ist das Problem, es stört heutzutage einfach niemanden mehr, seine Daten preiszugeben. "Was, ich krieg für 500 Payback Punkte ne neue Bratpfanne? Super, dass die wissen wollen, wieviel ich im Jahr verdien und [...] mehr...

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