SPIEGEL ONLINE: Im Herbst 2006 haben Sie in Las Vegas einen Playboy-Club eröffnet – der erste, seit vor fast 20 Jahren der letzte Original-Club wegen Unrentabilität geschlossen werden musste. Wir leben im Zeitalter von Online-Communities – wieso nun erneut ein Club?
Christie Hefner: Vater Hugh mag das Gesicht des "Playboy" sein, Tochter Christie ist die treibende Kraft. Bereits seit 1988 ist sie Vorstandvorsitzende des Unternehmens.
SPIEGEL ONLINE: Angeblich entstanden die alten Clubs ursprünglich aus studentischen Communities…
Hefner: Stimmt, schon ganz früh stellte mein Vater fest, dass die Jungs aus den Studentenverbindungen das Magazin nicht nur wegen der Artikel toll fanden, sondern sich mit Playboy als Lifestyle identifizierten. Dauernd riefen junge Männer an, die nach Postern oder Produkten mit dem Häschen-Logo fragten, weil sie eine Playboy-Party veranstalten wollten. Sie waren also nicht einfach nur Leser, sondern Fans. Da kam die Firma eben auf die Idee, das selbst in die Hand zu nehmen, und hat das Club-Konzept entwickelt
SPIEGEL ONLINE: Jetzt haben Sie mit dem Portal PlayboyU die moderne Variante geschaffen, eine Community für Studenten, ähnlich wie hier StudiVZ. Was steckt dahinter?
Hefner: Es gibt noch immer eine starke Affinität zu Playboy unter College-Studenten. Und wir fanden, es sei eine gute Idee, diese reale Verbindung durch eine Möglichkeit zu ergänzen, sich online zu vernetzen. Denn Online ist das Bindemittel zwischen der dreidimensionalen Welt, in der wir auch mal Partys schmeißen, und der zweidimensionalen Welt von Printausgabe oder TV. Ich finde, es kommt auf die Mischung aus Hightech und Hightouch an.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch mehr derartige Konzepte in der Pipeline?
Hefner: Ich denke, wir haben bislang erst an der Oberfläche gekratzt, was es bedeutet, eine globale Marke im Internet zu repräsentieren. Communitys werden für uns 2008 eine große Rolle spielen. Und wir werden versuchen, gemeinsam mit allen Niederlassungen eine weltumspannende digitale Playboywelt zu erschaffen, die mehrsprachig ist, und alles potentiell für alle zentral zugänglich macht, online und mobil. Idealerweise soll dann nicht nur der brasilianische Playboy-Nutzer die Möglichkeit haben, beim Karneval in Rio hinter die Kulissen zu schauen – ich will, dass der Playboy-Nutzer aus Chicago das auch kann. Ich will, dass der aus Brasilien in der Lage ist, mit Playboy virtuell das Oktoberfest zu besuchen. Das gilt natürlich auch für andere Inhalte.
SPIEGEL ONLINE: Heißt das, Sie wollen sich vom Gedanken nationaler Nutzerschaften verabschieden?
Hefner: Nein, es wird eher beides geben. Einige Inhalte – und das gilt auch für die Printtitel – werden speziell auf die Leserschaft vor Ort zugeschnitten sein. Aber dann muss es auch Geschichten geben, die überall funktionieren, entweder für Leute, die viel reisen, oder für solche, die davon träumen, zu reisen, andere Kulturen kennenzulernen.
SPIEGEL ONLINE: Inwiefern stimmen Sie denn Ihre digitalen Strategien speziell auf nationale Märkte ab?
Hefner: Das ist extrem wichtig. Nehmen Sie nur das Mobilfunkgeschäft. Das ist ein winziger Geschäftszweig in den USA, wenn es darum geht, Informationen oder Entertainment zu transportieren. Da sind wir meilenweit hinter Europa und Asien zurück. Wir haben es in den vergangenen sechs, sieben Jahren geschafft, einen profitablen Mobil-Markt aufzubauen, weil wir eben nicht darauf gewartet haben, dass der US-Markt sich entwickelt. Da wir ja schon lange global aufgestellt sind, haben wir die Nase schon früh in den verschiedenen Märkten in den Wind gehalten. Wir haben uns mit dem Hongkonger Telekommunikationsriesen Hutchison zusammengetan, und konnten so viel lernen: Was Konsumenten in Italien downloaden wollen, ob minutenweise Abrechnung besser ist oder ein Abo und dergleichen. Man muss flexibel sein, um erfolgreich zu sein – mit Fünf-Jahres-Plänen kommt man heute nicht mehr weit.
SPIEGEL ONLINE: Alle Verlage sind auf der Suche nach der Zauberformel, wie sie im Internet Geld verdienen können. Wie macht es Playboy?
Hefner: Wir haben von Anfang an auf eine Mischung gesetzt: Wir verdienen an Paid Content, Anzeigen, E-Commerce, Online-Spielen, Online-Dating. Man sollte sich nicht nur auf eine Einnahmequelle konzentrieren. Als wir 1994 damit anfingen, dachte ich ehrlich gesagt nicht im Traum daran, aus Glücksspiel und anderen Spielen online Geld zu machen. Aber bei einer Marke für junge Männer, die wie Playboy für sexy, spaßiges Entertainment steht, liegt das eigentlich auf der Hand.
SPIEGEL ONLINE: Ist es denn leichter, im Internet mit Sex Geld zu machen als mit anderen Inhalten?
Hefner: Es ist offensichtlich, dass man für Inhalte Geld verlangen kann, die nicht für eine frei zugängliche Seite angemessen wären, weil sie einer Altersbeschränkung unterliegen. Und Playboy hat solche Inhalte natürlich. Aber ich würde nicht sagen, dass man sexy Content haben muss, um daran zu verdienen. Das kann man bei anderen Inhalten genauso. Die Verlage müssen herausfinden, für welche Inhalte sie etwas bezahlen lassen - egal ob es um Reisen geht, um Service oder um Promis.
SPIEGEL ONLINE: Was Sie online und via Handy-Downloads vertreiben, sind Filmclips, Bilder. Welche eine Bedeutung hat die Digitalisierung denn für den Erotikbereich?
Hefner: Ich bin wahrscheinlich die falsche Person, um das zu beantworten. Wir haben ein kleines, profitables Geschäft mit Erwachsenenunterhaltung, haben Jenna Jameson übernommen, uns bei Spice (einem Pay-per-View-Pornokanal, Anm. d. Red.) eingekauft, und wir nutzen den Inhalt, den diese Marken produzieren, für unsere Seiten. Um ehrlich zu sein: Es ist ein hartes Geschäft. Selbst wenn man eine Marke wie Jenna Jameson im Portfolio hat, muss man kämpfen, weil in diesem Bereich gerade online viel von Privatleuten angeboten wird. Es gibt hier eben viel kostenlosen Inhalt. Aber das ist nicht unsere Kernkompetenz und kein großer Teil unseres Geschäfts – es gibt andere, die sich damit besser auskennen.
SPIEGEL ONLINE: Playboy Enterprises hat im letzten Quartal 2007 mit 1,1 Millionen Dollar so viel Verlust gemacht wie schon lange nicht. Sehen Sie Investitionen wie die in PlayboyU als Basis für die Zukunft?
Hefner: Es besteht die Gefahr, sich von Quartalsbilanzen verrückt machen zu lassen, in den USA kann das zur Manie werden. Insgesamt haben wir nämlich kein schlechtes Jahresergebnis eingefahren. Wir werden 2008 vor allem im digitalen Bereich investieren, in die technologische Infrastruktur, in die Produktion neuer Inhalte, neuer Communitys. PlayboyU ist da das erste, aber sicher nicht das letzte Format. Es gilt: Für jede Mediensparte ist es elementar, nicht die Beziehung zur jüngeren Generation zu verlieren, die sind schließlich unsere Zukunft.
Das Interview führte Anne Haeming
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema "Playboy"-Magazin | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH