Computer-Sicherheit
Informatiker entzaubern Apple - Microsoft flickt fixer
Von Konrad Lischka
Die Apple-Werbung verspricht: Mac-Sicherheitslücken werden "umgehend" gestopft. Schweizer Informatiker belegen: Microsoft flickt fixer. Eine akute Gefahr für Mac-Rechner besteht zwar nicht. Aber Apple muss nachbessern - schließlich werden Macs immer beliebter, auch bei Crackern.
Apple ist sich ganz sicher: Mit dem Mac-Betriebsystem OS X kann nichts schiefgehen. So wirbt der Computer-Konzern für sich: "Dank der bewährten Grundlage von Mac OS X ist jeder Mac sicher - sofort nach dem Auspacken." Außerdem bessere man ständig nach. Die Mac-Reklame
verspricht: "Apple reagiert umgehend auf mögliche Bedrohungen und stellt rechtzeitig Software-Aktualisierungen bereit." Diese Behauptung relativieren drei Informatiker der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).
AP
Jagd auf Sicherheitslücken: Apple-Boss Steve Jobs verspricht ein sicheres Betriebssystem und umgehende Reaktion bei Lücken.
Die ETH-Forscher haben ein Verfahren entwickelt, um die Leistung von Softwareherstellern bei der Sicherung ihrer Programme zu messen. Sie machen das an diesen Kriterien fest:
- Wie viele Sicherheitslücken seines Systems stopft der Hersteller noch am Tag des Bekanntwerdens durch einen sogenannten Patch (eine Art Software-Flicken)?
- Wie viele Lücken sind 30 Tage nach Bekanntwerden gestopft, wie viele nach 90, wie viele nach 180, wie viele bleiben bestehen?
Dieses Verfahren haben die drei Forscher testweise bei Apple und Microsoft angewendet. Sie verglichen, wie schnell die beiden Konkurrenten in den Jahren 2002 bis 2007 Sicherheitslücken stopften. Das Fazit ihres bei der "Black Hat"-Sicherheitskonferenz vorgestellten
Berichts: "Unsere Ergebnisse stützen die allgemeine Annahme nicht, dass Apple-Software sicherer als die von Microsoft ist."
Microsoft stopft schneller
Denn, so die Analyse: "Während die Anzahl nicht gepatchter Sicherheitslücken bei Microsoft stabil bleibt, hat Apple Microsoft überholt und zeigt einen sich verstärkenden Trend." Aber natürlich nutzen Cracker nicht jede Lücke für Angriffe.
Die Informatiker belegen ihre Aussagen mit einer statistischen Auswertung. Sie haben alle in speziellen Sicherheitsforen verfügbaren Hinweise auf Sicherheitslücken gesammelt und mit der Veröffentlichung der jeweiligen Abhilfe verglichen. Einige Ergebnisse:
- Die Summe nicht gestopfter Sicherheitslücken schwankt an jedem Tag in den beobachteten sechs Jahren bei Microsoft zwischen 0 und 22, bei Apple zwischen 0 und 55 Lücken.
- Die durchschnittliche Menge gleichzeitig bestehender, nicht geschlossener Sicherheitslücken liegt bei Microsoft fast im gesamten Beobachtungszeitraum unter 20. Bei Apple liegt diese Summe seit 2006 konstant über 20 – mit steigender Tendenz.
- Microsoft schafft es im Beobachtungszeitraum regelmäßig, mehr als 20 Prozent der veröffentlichten Sicherheitslücken noch am Tag des Bekanntwerdens mit einem Flicken zu stopfen – Apple übertrifft die 20-Prozent-Marke nur im Jahr 2004.
Ergebnisse sagen nicht, welches System besser ist
Diese Forschungsergebnisse müssen Mac-Nutzer aber nicht Panik versetzen. Informatiker Stefan Frei, Mitautor des Artikels, erklärt SPIEGEL ONLINE: "Man kann aus unseren Ergebnissen nicht schlussfolgern, dass ein Mac oder ein Windows-PC sicherer ist." Aussagen darüber seien gar nicht beabsichtigt.
Frei: "Wir versuchen, eine Metrik zu entwickeln, mit der man bestimmen kann, wie gut die Verfahren von Herstellern zum Patchen von Software funktionieren." Entsprechend kann man dieses Fazit der Untersuchung ziehen: Microsofts Verfahren funktioniert etwas besser als das von Apple.
Schad- und Spähsoftware
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Wie das
Trojanische Pferd
in der griechischen Mythologie verbergen
Computer-Trojaner
ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten
Backdoor
, einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere
Schadprogramme
nachgeladen werden.
Computerviren
befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in
Tauschbörsen
einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen:
"Root"
ist bei
Unix-Systemen
der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein
Rootkit
ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte
Shell
auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um
Trojaner
,
Viren
und andere zusätzliche
Schadsoftware
über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren
Kompromittierungen
eines Rechners.
Computerwürmer
sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein
Schadprogramm
, das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats,
AIMs
,
P2P-Börsen
und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Unter einem
Drive-by
versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von
Scripten
nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter
Schadcode
Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnets
sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die
Zombiearmeen
werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen
Web-Seiten in die Knie zu zwingen
oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei
SPIEGEL ONLINE)
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um
"falsche Software"
. Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als
Adware-Programme
belästigen sie den Nutzer mit Werbung.
Die perfideste Form aber ist
Ransomware
: Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Ein
Zero-Day-Exploit
nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von
Schadprogrammen
ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
Sogenannte distribuierte
Denial-of-Service-Attacken
(DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Natürlich profitiert - ganz allgemein gesprochen - die Sicherheit eines Betriebssystems, wenn Sicherheitslücken schnell gestopft werden. Je länger bekannte Angriffsmöglichkeiten bestehen, umso mehr Zeit haben böswillige Entwickler, um Schadsoftware zu entwickeln.
Weniger Lücken bedeuten aber nicht mehr Sicherheit, betont Hartmut Pohl, Professor für Informationssicherheit an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er warnt: "Es wäre ein großer Irrtum, hieraus auf die Sicherheitsqualität von Software zu schließen." Pohl gesteht ein, dass Microsoft in den vergangenen Jahren "ganz erhebliche Anstrengungen" unternommen habe, "den Programmcode sicherer zu machen". Aber daraus könnten Anwender eben nicht auf die Sicherheit ihrer Rechner schließen.
Pohl weist auf diese Probleme hin:
- Unveröffentlichte Sicherheitslücken werden von dieser Untersuchung nicht erfasst. Pohl: "Solche unveröffentlichten Sicherheitslücken werden weltweit gegen Bezahlung angeboten und von Interessenten, zum Beispiel Nachrichtendiensten oder Konkurrenzunternehmen, gekauft."
- Dass es insgesamt weniger ungepatchte Sicherheitslücken gibt, macht ein System nicht zwangsläufig sicherer. Pohl: "Einem Angreifer muss nur eine einzige Sicherheitslücke bekannt sein, die er ausnutzen kann." Und die Untersuchung der ETH-Forscher zeige, dass Hersteller durchaus Sicherheitslücken patchen - aber eben "nicht alle und manche erst nach langer Zeit."
Daraus sollten laut Pohl alle IT-Anwender dieses Fazit ziehen: "Wertvolle Daten müssen auf Stand-Alone-Rechnern und in geschlossenen Netzen verarbeitet werden – ohne direkten oder indirekten Anschluss an das Internet."
Apple profitiert noch vom Mini-Marktanteil
Derzeit seien Macs noch kein besonders attraktives Ziel für Attacken, erklärt Andreas Pfitzmann, Informatikprofessor an der Technischen Universität Dresden und Experte für Datensicherheit. Er weist darauf hin, dass die Sicherheit eines Betriebssystems von mehren Faktoren abhängt: "Welcher Art sind die vorhandenen Sicherheitslücken, wie schnell werden diese Lücken gestopft und wie intensiv bemühen sich Profis darum, diese Lücke für Angriffe zu nutzen?"
Pfitzmann sieht Apple zumindest in einem Punkt noch immer im Vorteil: "Es ist für Kriminelle und Sicherheitsdienste effizienter, sich bei der Entwicklung von Angriffen auf das System zu konzentrieren, das mehr als 80 Prozent des Marktes abdeckt." Sprich: So lange Windows-Systeme den Markt dominieren, konzentrieren sich Schadsoftware-Entwickler auf die Lücken dieses Systems.
Umgekehrt bedeutet das aber: Je beliebter Macs werden, umso attraktiver wird es, ihre Sicherheitslücken auszunutzen.
Microsoft wirbt um Hacker-Hilfe
Selbst wenn man aus den Ergebnissen der Schweizer Informatiker also keine akute Gefährdung von Macs ablesen kann, muss Apple sich auf mittlere Sicht etwas einfallen lassen, um Lücken schneller zu stopfen.
Und da könnte Apple sich etwas bei Microsoft abgucken. Informatiker Frei erklärt: "Sie müssen es schaffen, dass Forscher und Hacker, die eine Schwachstelle in ihren Programmen entdecken, ein Interesse daran haben, zuerst mit ihnen an einem Patch zur Schließung der Lücke zu arbeiten und dann erst diese Lücke zu veröffentlichen."
Microsoft habe da in vergangenen Jahren eine "Kehrtwende vollzogen", sagt Frei. Beispiel: "Die Patches erwähnen heute sogar namentlich die Entdecker der jeweiligen Sicherheitslücke. Solche Gesten sind wichtig, so eine Anerkennung ist die Währung unter Hackern."
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