Das Social Network MySpace hat angekündigt, "in einigen Monaten" mit dem Verkauf von Musikdateien ohne Kopierschutz (DRM) beginnen zu wollen. MySpace-Sprecher Amit Kapur wittert darin "etwas Großes, Historisches", mit dem MySpace die Regeln "des Spiels" völlig verändern wolle. Soll heißen: Den Markt aufrollen und die Vorherrschaft von Apples Downloadshop iTunes brechen.
Das wünschen sich vor allem die großen Plattenfirmen seit langem. Sie suchen verstärkt Partnerschaften mit anderen großen Händlern, um sich aus ihrer wachsenden Abhängigkeit von iTunes zu lösen. Die ist so groß, dass Apple die Preise und Konditionen im Downloadmarkt quasi diktiert. Die großen Plattenfirmen reagieren darauf, indem sie Konkurrenten von Apple bessere Konditionen einräumen - bisher allerdings mit wenig Erfolg.
Denn dass MySpace nun Verträge mit drei der vier großen Musiklabels vorweisen kann, DRM-freie Musik zu verkaufen, ist weit weniger spektakulär als es klingt: Das tun andere seit langem.
MySpace ist nicht Pionier, sondern Spätstarter
Amazon hat seit 2007 entsprechende Freigaben der Plattenfirmen - und zwar im Gegensatz zu MySpace von allen.. Dass das weltgrößte Web-Kaufhaus bereits seit Ende letzten Jahres rund drei Millionen DRM-freie Downloads im Angebot hat, kratzt Apple aber offenbar gar nicht: Neuesten Marktdaten zufolge hat der iTunes Shop soeben den US-Platzhirschen Walmart überholt und ist nun der größte Musikhändler der Vereinigten Staaten.
MySpace aber setzt darauf, andere Möglichkeiten zu besitzen als die reinen Shops wie Amazon oder iTunes. Wer dorthin geht, hat bereits Kaufabsichten. MySpace ist fraglos der größte quasi-redaktionell gestaltete Raum rund um das Thema Musik - kaum eine Band, die sich dort nicht präsentiert. Daraus ergibt sich die Chance, auch Kunden zu finden, die gar nicht vorhatten, shoppen zu gehen. Entsprechend plant MySpace, neben Musik auch Konzerttickets und Fanartikel zu verkaufen.
Zu den publikumswirksamen neuen Musik-Funktionen wird offenbar auch ein Streaming-Service nach dem Vorbild von imeem oder Last.fm gehören - eine Form von Streaming-Webradio, dessen Titelfolge man über Suchfunktionen oder Playlists beeinflussen kann. Dieser Teil des Angebotes soll durch Werbung refinanziert werden.
Den nun relativ konkret angekündigten Shop plant MySpace seit langem. Bereits im November 2006 gab es die Ankündigung, den Musikverkauf zur Haupteinnahmequelle machen zu wollen, die von MySpace seitdem mehrfach wiederholt wurde.
Musik-Verkauf über die Profilseiten von Musikern erlaubt MySpace bereits seit 2006. Diese Shop-Funktionen sind aber kein integraler Bestandteil von MySpace und nicht überall zu finden. Im Gegensatz dazu werden die neuen Shop-Features von MySpace selbst zugeliefert, das Unternehmen verdient auch daran. Die finanziellen Einzelheiten der Verträge mit den Plattenfirmen sind nicht bekannt. Das Großlabel EMI fehlt bisher im Angebot, Verhandlungen mit dem Unternehmen laufen weiter.
pat
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