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11.04.2008
 

Media Player

Adobes Weltfernsehen

Von Frank Patalong

Adobe setzt mit Flash seit langem den Standard in Sachen Web-Video. Jetzt veröffentlichte die US-Firma ihren Media Player. Eine eigentlich irreführende Bezeichnung: Das Ding ist eine Web-TV-Station, mit einem Programm von "CSI" bis "Star Trek" - und das in bester Qualität.

Media Player gibt es viele: Gemeinhin bezeichnet man damit Software zum Abspielen diverser Audio- und Videoformate. Vergleicht man Adobes am Donnerstag veröffentlichten Media Player damit, käme der schlecht dabei weg: Das Ding kann nichts als Videos zeigen, verfügt über eine nur rudimentär zu nennende Verwaltung eigener Dateien, beherrscht nur wenige Formate und keinerlei Musikdateien. Klingt schlecht, ist aber klasse: Adobes Media Player konkurriert nicht mit dem Windows Media Player, VLC-Player oder iTunes - sondern mit den Sendern auf Ihrem Fernsehapparat.

Dass Tech-Unternehmen ihre Multimedia-Software heute gern mit kostenlosen Videoprogrammen unterfüttern, ist längst Standard. Die Art und Weise, wie Adobe das tut und wie es den US-Amerikanern gelingt, ist dagegen eine echte Überraschung. Denn außer zahlreichen kleinen, gar exotischen TV-Angeboten finden sich auch zahlreiche attraktive Offerten im Programm, die man tatsächlich kennt - und die den Media Player zu einer echten Alternative zum Fernseher machen.

Dazu gehören unter anderem die CSI-TV-Serien der CBS. Der Witz daran: Die zeigt das US-Network auch über seine Homepage, nicht aber uns Europäern, denn dort müssen wir draußen bleiben. Die meisten amerikanischen TV-Sender verhindern mit Geo-IP-Technik, dass Zuschauer außerhalb der USA in den Genuss des hier auch deshalb noch immer als Zukunftsmusik empfundenen Web-TV kommen. Der CSI-Aufruf bei CBS führt darum zu einer "Europäer müssen draußen bleiben"-Fehlermeldung. Via Adobes Player aber gibt es keine Probleme.

Und was bekommt man dann dort geboten? Von allen "CSI"-Serien die jeweils letzten zwei bis vier Folgen, die der Player in hoher Qualität zeigt und auch abspeichert. Adobes Media Player verbindet die Mediendateien, wo die Anbieter das wünschen, mit einem DRM, das dafür sorgt, dass wir die Dateien nicht auf alle Ewigkeit unser eigen nennen oder sie nach Lust und Laune auf DVDs brennen können. Macht nichts, denn was will man mehr: Aktuelle TV- und Filminhalte hält der Player für einige Zeit vor, betrachten kann man sie dann online wie offline. Das hat natürlich Nebenwirkungen: Da der Player alles, was er zeigt, auch als temporäre Datei archiviert, produziert er auch Unmengen an Datenmüll.

Der Begeisterung tut das wenig Abbruch. Von exotischen Comedy-Formaten über aktuelle Crime-Programme, klassische Filme der vierziger und fünfziger Jahre bis hin zum online abrufbaren Archiv aller Folgen der ursprünglichen "Enterprise"-Folgen (die Kirk/Spock-Variante), von Sportberichterstattung bis zu Musik-Videoclip-Shows reicht das Angebot. Damit hat Adobe das im Programm, was das im vergangenen Jahr mit viel Vorschusslorbeeren an den Start gegangene Joost gern hätte, aber nicht zu bieten hat.

Auflösung teils besser als TV

Europäische Nutzer werden an dem Programm vor allem die Freiheiten schätzen, die es uns bietet: Wir bekommen Dinge zu sehen, die uns normalerweise verbaut sind. Und das alles ist zudem noch völlig unkompliziert: Der Media Player setzt natürlich auf Flash, das sich heute auf so gut wie allen Rechnern installiert findet und im Zweifelsfall binnen weniger Minuten auf den letzten Stand gebracht ist.

Denn das muss es sein. Adobes Media Player zeigt nur Inhalte, die mit den Adobe-eigenen FLV-Codecs (Spark oder VP6) oder dem H.264-MPEG4-Codec komprimiert sind. Im Klartext: Das Ding wurde dafür gemacht, HD-Bilder über das Web zu übertragen. So gehören dann auch die gezeigten Fernsehbilder mit zum Hochwertigsten, dass man seit der bedauerlichen Schließung des DivX-Angebotes Stage6 vor einigen Wochen überhaupt im Netz zu sehen bekommt. Schon eine kurze Testfahrt macht klar: Wenn Web-TV so aussieht, dann lohnt sich langsam auch die Anschaffung einer netzwerkfähigen Medien-Box, um den Fernseher im Wohnzimmer mit der Netzwelt zu verbinden.

Die Bedienung dieses Web-TV-Angebotes ist denkbar einfach. Man sucht entweder frei "Search" oder blättert auf verschiedenen Wegen: entweder per Tag-Cloud, die die vorhandenen Filme oder Sender nach Genres oder inhaltlichen Aspekten bündelt ("Politics", Sports", "Entertainment" etc.), oder per Sendername ("Networks") oder Gesamtverzeichnis ("Catalog"). Auf der zweiten Ebene des Programms lassen sich eigene Videos in die persönliche Playlist integrieren ("Personal Videos").

On-demand auf Bestellung

Die Killer-Applikation des Media Players dürfte aber die Funktion "My Favorites" sein. Wieder gelingt es Adobe, einen allgemein gebrauchten Begriff, der in diesem Fall gemeinhin für die Lesezeichen-Verwaltung internetfähiger Programme steht, haarscharf neben dieser etablierten Bedeutung zu nutzen.

Denn bei Adobe verbirgt sich dahinter eine Art Abo-Modell: Wer beispielsweise eine "CSI"-Folge in seine persönlichen Favoriten übernimmt, merkt sich damit mitnichten die Adresse dieses Videos - sondern bestellt quasi alle folgenden. Jedes Mal, wenn nun aus dieser Serie eine neue Folge erscheint, lädt der Player diese herunter und speichert sie temporär, um sie auch offline zugänglich zu machen.

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