Von Frank Patalong
Das ist am PC nur sehr eingeschränkt sinnvoll, verfügt man doch über den hinreichend schnellen und sehr stabilen Stream von Adobe: Wenn man da etwas sehen will, kann man das quasi in "Echtzeit". Interessant wird es dagegen, wenn man den Player auf mobilen Geräten einsetzt, wozu im Augenblick allerdings nur Laptops zählen dürften. Adobe bietet den Media Player für Windows und Mac an, setzt bei beiden die Systemvoraussetzungen aber relativ hoch an.
Die genauen Spezifikationen kann man auf der Webseite von Adobe einsehen, wo das kostenlose Programm auch zum Download bereit liegt. Was nicht heißt, dass Adobes Media Player nichts kostet: Zumindest Zeit wird der TV-Junkie gern in Mengen investieren. Fazit: eines der derzeit interessantesten Web-TV-Angebote, obwohl das Programm vielleicht eher als Showcase gedacht war. Optisch elegant, in den Funktionen auf das absolut Wesentliche reduziert, dafür vergleichsweise unflexibel. Ein Fernseher für den Desktop, der einen Ausblick darauf bietet, was Web-TV in Kürze bedeuten mag.
Wenn wir Pech haben, könnte sich dieses Fenster allerdings schnell auch wieder schließen. Denn ob man die attraktiven Inhalte auch hier in Europa zu sehen bekommt oder nicht, ist den Anbietern der Mediendateien überlassen. Adobe bietet seinen Kooperationspartnern sowohl die Möglichkeit eines DRMs, als auch einer Geo-IP-Technik, mit der sich die Auslieferung außerhalb der USA prinzipiell verhindern lässt.
Aus diesem Grund, erklärt ein Sprecher des Unternehmens SPIEGEL ONLINE, bewirbt Adobe das Programm hier auch nicht: Der Media Player ist ein Angebot, dass sich an den amerikanischen Markt richtet. Man kann ihn auch hier herunterladen - ob man auch auf Dauer etwas zu sehen bekommt, ist aber den jeweiligen Rechteinhabern überlassen. Die lassen sich in den USA offenbar gern auf Adobes Angebot ein, weil der Player ihnen erlaubt, dynamisch wechselnde Werbespots in das aktuelle Angebot einzuspielen. Aus ihrer Perspektive ist der Web-Vertrieb somit eine durch Werbung refinanzierbare Reichweiten-Vergrößerung.
Wobei Zuschauer in Europa dabei eine Art Überreichweite bedeuten, die von den Anbietern zurzeit toleriert wird, aber wohl kaum beabsichtigter Teil einer Vertriebsstrategie sein dürfte. Denn natürlich kassieren auch US-amerikanische Produzenten gern mehrfach ab, indem sie ihre Inhalte für verschiedene Regionen an verschiedene Abnehmer lizenzieren.
So, wie die TV-Landschaft hier tickt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man uns den Spaß wieder verderben könnte: Während IPTV- und Web-TV-Angebote in den USA mittlerweile 25 Prozent und mehr der TV-Zuschauer auch über das Netz erreichen - und das oft mit kostenlosen, attraktiven Angeboten - verweigert sich die Branche hier hartnäckig oder bietet im Web allenfalls alte Kamellen oder C-Produktionen. Es wäre eine angenehme Überraschung, wenn die Rechteinhaber es auf Dauer in Kauf nehmen würden, die vergleichsweise kleine Zielgruppe der Fans originalsprachlicher TV-Inhalte einfach per Web versorgen zu lassen. Also: Zeit nutzen, reinschauen - und einen Eindruck davon gewinnen, was Sender auch hier bieten könnten, wenn sie nur wollten.
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