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15.04.2008
 

Netzwelt-Ticker

Karmapunkte für Suchanfragen

Von Felix Knoke

Künftig muss man nicht mehr auf die Straße gehen, um sich für eine saubere Umwelt einzusetzen. Ein paar Klicks bei einer Öko-Suchmaschine sollen ausreichen, die Welt grüner zu machen. Das und mehr im Überblick.

Eigentlich weiß das jeder: Das Internet hat seinen Preis. Im Falle von Suchmaschinen den, dass die Serverfarmen, die sie betreiben, enorme Energiemengen verschlingen. Wie viel Energie tatsächlich pro Suchanfrage verbraucht wird, darüber gibt es unterschiedliche Berechnungen. Ökologisch korrekt müsste man aber jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben, wenn man Google & Konsorten um Auskunft bittet.

Ecocho-Suchseite: Grünes Gewissen für Web-Suchen
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Ecocho-Suchseite: Grünes Gewissen für Web-Suchen

Doch dagegen soll es jetzt Abhilfe geben: die "grüne" Suchmaschine Ecocho. Wer dort sucht, so die Betreiber, muss sich keine Sorgen mehr ums Klima machen, denn Ecocho sucht CO2-neutral. Und das tut Not, rechnet die Firma vor. Pro 1000 Suchanfragen würde bei herkömmlichen Suchmaschinen eine Tonne des Klimakillers Kohlendioxid emittiert - daran ändert sich auch bei Ecocho nichts. Als Ausgleich aber will das Unternehmen pro 1000 Suchanfragen zwei Bäumchen pflanzen.

Nun muss man aber nicht denken, die Macher der neuen Suchseite würden vormittags Suchalgorithmen programmieren und nachmittags mit Schaufel, Gieskanne und Setzlingen neue Wälder pflanzen. Stattdessen werden Suchanfragen wahlweise an Yahoo oder Google weitergeleitet. Und statt in den Garten zu gehen, kauft das Unternehmen Emissionszertifikate von der australischen CO2-Ausgleichsbehörde Greenhouse Gas Abatement Scheme (GGAS). Die wiederum werden durch Einnahmen aus Anzeigenwerbung auf der Ecocho-Suchseite finanziert. Aber Karmapunkte gibt's trotzdem.

mak

Tagesschau-Umfrage über Olympia, Chinesen machen mit

Die Redaktion von tagesschau.de wundert sich über "außergewöhnlich hohe Klickzahlen" für eine Onlineumfrage über den Fortgang des olympischen Fackellaufs. Teilweise bis zu vier Mal häufiger als die Startseite wurde der Online-Poll aufgerufen – sogar noch nach dem Ende der Abstimmung rauschten die Stimmen ein. Tagesschau.de hat den mutmaßlichen Grund der Klickflut ausgemacht: Chinesische Surfer. Die werden auf angeblich 7600 Websites dazu aufgerufen, die Abstimmung zu beeinflussen: Soll der Fackellauf abgebrochen werden? "Nein" ist die richtige Antwort, bloß nichts Falsches anklicken!

Dass jetzt einige deutsche Websites das als Propaganda-Versuch oder Manipulation interpretieren, zeugt weniger vom politischen Unverstand der Chinesen als von der plumpen Angst vor einer "gelben Gefahr" im Netz. Vom bösen Internet aufgestachelte Chinesen wälzen als Armee williger Klickzombies unsere deutschen Websites platt? In Wirklichkeit sind solche Aufrufe zur Poll-Beeinflussung im Internet natürlich an der Tagesordnung. Denn ist es nicht die Verheißung des Internet, dass Grenzen eingerissen werden und ist das nicht die Aufgabe einer Umfrage, dass Leute ihre Meinung mitteilen? Auch, wenn es die falsche ist?

Autor schreibt 200.000 Bücher mit Internetroboter

200.000 Bücher, ein Autor: Wie macht Philip Parker das bloß? Er schreibt über Acne Rosacea (24,95 Dollar, 168 Seiten), über das Stickler Syndrom "Bibliographie und Wörterbuch für Ärzte, Patienten und Genforscher" (28,95 Dollar, 126 Seiten) oder den Ausblick 2007 – 2012 für spezielle zwei bis drei Meter große Teppiche, Badematten und Sets in Indien (495 Dollar, 144 Seiten).

Der "International Herald Tribune" ist der Geschichte nachgegangen und präsentiert eine erstaunliche Antwort. Der selbsternannte "meist-publizierte Autor" schrieb einen Computeralgorithmus, der öffentlich erhältliche Informationen zu einem Thema sammelt und mit der Hilfe von 60 bis 70 Computern und sechs bis sieben Programmierern in 150-Seiten starken Büchern sammelt, die auf Anfrage gedruckt und versendet werden.

Sonderlich gut scheinen diese Werke – zumindest teilweise, denn wohl niemand las sie alle – nicht zu sein. Ein Leser, David Pascoe, wurde auf den Massenautor aufmerksam, wurde misstrauisch und forderte von Philip Parker eine Erklärung, warum seine Bücher so "schrecklich und frustrierend" sind. Der zeigte sich ehrlich – und kritikfähig: "Wenn man gut mit dem Internet umgehen kann, sind diese Bücher sinnlos."

Peter Gabriel startet Musikservice The Filter

Peter Gabriel ist nicht nur Genesis-Gründungsmitglied und Weltmusiker, sondern auch ein Pionier in Sachen Internet. Erst hob er mit OD2 Jahre vor Apple den ersten legalen kommerziellen Download-Shop aus der Taufe (1999, mit Brian Eno und Charles Grimsdale), initiierte später mit seiner Menschenrechtsorganisation Witness (Slogan: "See it. Film it. Change it.") die Web-Aktion "The Hub", eine Art YouTube für Menschenrechtsverletzungen, um jetzt auch noch die Suche nach guter Musik zu vereinfachen.

"The Filter" schaut seinen Nutzern dabei zu, wie sie Musik hören, welche Filme sie schauen, welche Infotainment-Angebote sie nutzen und welche Fernsehprogramme sie sehen. Daraus bastelt das Angebot dann einen Katalog voller Vorschläge, welche Musik dem Nutzer gefallen könnte. Möglich mache das ein, laut Mashable.com "sehr komplexer Algorithmus", der lernt und vergisst. Das hört sich ein wenig nach Last.fm an – nur dass das Angebot eben noch andere Medien in die Vorschlag-Generierung einbezieht. Ob's was taugt? Bis jetzt ist das System noch in einer geschlossenen Testphase. Auf Thefilter.com trösten die Entwickler aber: Nur noch 320 Tassen Tee, dann ist es soweit.

Werbeeinnahmen mit Chip: Online überholt Print

Die IT-Zeitschrift "Internet World Business" meldet, dass der Web-Ableger Chip-Xonio mehr Werbegeld bringt als die Printausgabe der Computerzeitschrift "Chip". Erstmalig werde ein "gut eingeführter Zeitschriftentitel" bei den Werbeerlösen von seinem Online-Ableger überflügelt. Chip-Xonio-Geschäftsführer Mathias Plica berichtet von 9,1 Millionen Euro im Jahr 2007, knapp über dem, was die Printkollegen einnehmen konnten.

Ist das der Zeitgeist? Online überholt Print, Verlagshäuser verschieben die Priorität von Print zu Web, wie "Internet World Business" ungenannte Branchenbeobachter sagen lässt. Plica selbst sieht zum Beispiel beim Konkurrenten Computerbild.de so ein Potenzial.

Viel interessanter dürfte jedoch sein, was so eine Veränderung bringt. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Netz und Zeitung eine produktive Symbiose eingehen können, in der sich beide Medien gegenseitig befruchten und stützen können, anstatt in Konkurrenz miteinander stehen zu müssen.

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