Von Stefan Schultz
Das Auge eines Geckos - von Nahem wie eine Murmel aus Marmor.
Ein erlöschendes Teelicht - wie eine Fruchtblase, in der Insektenteile schwimmen.
Morgentau auf einem Blatt - wie eine Galaxie aquamarinblauer Planeten.
In extremen Nahaufnahmen verbergen sich ebenso wundersame wie verstörende Welten. Im Kino haben das Filmklassiker wie Michelangelo Antonionis "Blow Up", der Science-Fiction-Thriller "Reise ins Ich" oder die Hippie-Doku "Mikrokosmos - Das Volk der Gräser" bewiesen. Das Tech-Magazin "Wired" bringt jetzt die Bizarrerie der Nähe ins Internet. In einem Fotowettbewerb hatte die Zeitschrift ihre Leser dazu aufgerufen, die übersehenen Universen des Alltags sichtbar zu machen.
Knapp einen Monat lang lief der Wettbewerb. Ganz nah zoomten die Hobby-Fotografen an ihre Objekte heran, verwandelten Insekten in facettenäugige Monster, fotografierten explodierende Wassertropfen, inszenierten Pintobohnen vor schwarzem Samthintergrund zu befremdlichen Stillleben.
Die zehn besten Makro-Bilder stellt "Wired" nun auf seiner Internetseite vor. Die prämierten Aufnahmen sind allemal staunenswert - die Motive mitunter selbst auf den zweiten Blick kaum zu identifizieren. Ähnlich wie die Aufnahmen, die SPIEGEL ONLINE beim Test des Fernsehmikroskops Eyeclops gelangen (siehe Fotostrecke unten).
Umso überraschender ist oft die Auflösung: Eine Feuersbrunst entpuppt sich als Eiswürfelgebirge, das in einem Cola-Glas schwimmend von der Abendsonne beleuchtet wird. Ein zotteliger Teppich mit schwarzem Fleck erweist sich als die Pupille des Fotografen. Und der halbtransparente Schädel, der von innen heraus gespenstisch grün leuchtet, ist in Wirklichkeit ein Wassertropfen, der aus einer Fontäne quillt.
Fotokunst, schärfer als das Auge
Ganz ähnliche Trips in die Hyperrealität zeigte SPIEGEL ONLINE schon mit einer Serie über HDR-Fotos. Das sind Bilder, die durch einen besonders hohen Kontrast magisch zu leuchten scheinen (siehe Fotostrecke unten).
Erzeugt wird der hohe Kontrast durch einen einfachen Bearbeitungskniff: Es werden mehrere Aufnahmen desselben Motivs erzeugt, einige davon bewusst überbelichtet, andere unterbelichtet. Diese Belichtungsreihe lässt sich mit Programmen wie Photoshop CS2 von Adobe oder Photomatix Pro übereinanderlegen. Dabei entsteht ein Foto mit hohem Kontrastumfang - ein HDR-Bild.
Ähnlich wie bei der Makrofotografie lassen sich mittels HDR-Technik eindrucksvolle, ästhetisch überhöhte Szenarien erstellen: Alter Beton beginnt durch sie plötzlich zu glänzen, Gartenanlagen leuchten in unwirklichen Farben und Kasernenhöfe werden mittels HDR zu staubkorngenauen Studien des Verfalls.
Inspiriert? Dann schicken Sie uns doch Ihre eigenen Makro-Bilder! Bitte im JPEG-Format mit der Auflösung 750 mal 500 Pixel. Vergessen Sie nicht, Ihren vollen Namen, eine Kontaktadresse anzugeben und eine normale Aufnahme der Makrowunder zum Vergleich mitzusenden. Mit der Einsendung versichern Sie, dass Sie Urheber der betreffenden Fotos sind und stimmen einer Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE zu: spon_netzwelt_upload@spiegel.de
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