Von Matthias Kremp
Die Schlacht ist geschlagen. Microsoft hat verloren, Yahoo sowieso. Nur Google, kaum in das Geschehen involviert, darf sich die Hände reiben. Durch das Scheitern der Übernahmeverhandlungen zwischen dem Software-Giganten und dem ewigen Zweiten des Internet wird die marktbeherrschende Position des Such-Primus quasi zementiert.
Ein aus den Dickschiffen Microsoft und Yahoo zusammengesetzter Internet-Konzern hätte Google durchaus gefährlich werden können. Wie ernst Google diese Bedrohung nahm, zeigte sich an der ersten Reaktion. Nur wenige Tage nach Microsofts Angebot meldete sich Google-Chef Eric Schmidt telefonisch bei Yahoo-Gründer Jerry Yang, bot unumwunden seine Hilfe an. Unter anderem soll er dabei eine Zusammenarbeit bei der Vermarktung von Online-Werbung angeboten haben.
Tatsächlich wandte sich Yahoo in den folgenden Wochen immer mehr seinem Konkurrenten Google zu. So schloss sich das Unternehmen Ende März dem von Google ins Leben gerufenen OpenSocial-Verbund an, einer Art Programmierplattform für Soziale Netzwerke. Nichts anderes als eine Provokation Microsofts dürfte auch eine testweise Werbekooperation mit Google gewesen sein.
Google bleibt Platzhirsch
Gemunkelt wird, dass daraus schon kommende Woche eine enge Zusammenarbeit werden könnte. Dabei würde Yahoo auf seinen Suchseiten Werbung des Konkurrenten und gleichzeitigen Partners Google anzeigen. Ein Schritt, den Microsoft-Chef Steve Ballmer für einen fatalen Fehler hält.
Klar ist jedoch, dass Yahoos-CEO Jerry Yang mit seiner Taktik die ungewünschte Übernahme erfolgreich hintertrieben hat. Letztlich waren es laut Ballmer auch die immer enger werdenden Bande zwischen Yahoo und Google, die ihm die Lust an einer Übernahme verleideten.
Nun steht also Google wieder allein auf weiter Flur, darf sich über einen Marktanteil von rund 75 Prozent an den Erlösen aus dem Suchmaschinengeschäft freuen - und demnächst möglicherweise sogar zusätzliche Werbegelder aus der Kooperation mit Yahoo einstreichen.
| Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich | ||||
| Microsoft und Yahoo |
Microsoft | Yahoo | ||
| Umsatz in Mrd. US-Dollar* | 16,59 | 58,1 | 51,12 | 6,97 |
| Gewinn in Mrd. US-Dollar* | 4,20 | 14,73 | 14,07 | 0,66 |
| Mitarbeiter | 16.800 | 93.300 | 79.000 | 14.300 |
| Suchanfragen weltweit in Mrd. | 37,1 | 10,7 | 2,2 | 8,6 |
| Anteil der Suchanfragen weltweit | 60,8% | 17,5% | 3,5% | 14,0% |
| Suchanfragen mobil USA in Mio. | 6,3 | 5,4 | 1,2 | 4,2 |
| Anteil Suchanfragen mobil USA | 38,3% | 32,7% | 7,3% | 25,4% |
| E-Mail-Accounts in Mio. | 51 | 518 | 256 | 262 |
| * Zahlen für Geschäftsjahr 2007 Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen |
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Nachdem die Übernahme gescheitert ist, könnte Analyst Derek Brown von Cantor Fitzgerald Recht behalten. Er hatte schon vor drei Wochen die Meinung vertreten, dass die zähen Verhandlungen dem Marktführer helfen könnten, seine Position auszubauen. Yahoo jedenfalls geht deutlich geschwächt aus dem Ring.
Seine sture Verweigerungshaltung und das Beharren auf einem - aus der Sicht vieler Analysten - überzogenen Preis bringt ihn in eine schwierige Position. Kommende Woche wird das Yahoo-Management seinen Aktionären erklären müssen, weshalb es ein Angebot, dass allen reiche Gewinnen beschert hätte, rundweg abgelehnt hat. Ins Kreuzfeuer dürfte dabei vor allem Yang selbst geraten. Zu einem, weil das Unternehmen wohl die von ihm versprochen Umsatzsteigerungen weit verfehlen wird. Zum anderen, weil augenscheinlich er maßgeblich für die Ablehnung des Microsoft-Angebots verantwortlich ist.
Positiver nimmt sich die Situation bei Microsoft aus. Steve Ballmer geht aus der Übernahmeschlacht als unnachgiebiger Verhandlungspartner hervor. Er brach die Gespräche ab, als die Forderungen der Gegenseite zu hoch wurden - der geforderte Preise wäre den Aktionären kaum noch zu erklären gewesen.
Dennoch steht Microsoft eine schwierige Aufholjagd bevor. Zwar führt der Konzern noch mit weitem Abstand die Softwarebranche an und machte allein im letzten Jahr gut 14 Milliarden Dollar Gewinn. Doch hat das Unternehmen im Internet-Business bisher kaum Erfolge vorzuweisen. Es fehlt so ziemlich alles, womit sich Nutzer anlocken und möglicherweise Profite einfahren lassen. Der Marktanteil der Suchmaschine Live Search ist vernachlässigbar, ein soziales Netzwerk nicht vorhanden, kostenlose Online-Applikationen ebensowenig. Vor allem fehlt es Microsofts Online-Angeboten an jenem jugendlichen Sexappeal, der Schnellstarter wie Facebook, Flickr oder YouTube auszeichnet - oder zumindest ausgezeichnet hat.
Google goes mobile
Google hingegen kann vorerst weiter die Web-Herrschaft genießen. Die geplante Kooperation mit Yahoo ist da nur ein Stützpfeiler, der die Stellung im Markt für Suchmaschinenwerbung festigt und Microsofts Suchmaschinenvermarktung per adCenter in die Bedeutungslosigkeit treibt.
Vor allem aber hat Google nun die Möglichkeit, seine im Web schon manifestierte Position auch auf das mobile Web auszudehnen. Dort, da sind sich viele Analysten einig, liegen die Pfründe der Zukunft. Noch sind die Umsätze durch Werbung im mobilen Internet zwar vergleichweise gering. Doch je stärker sich die Netznutzung auf Handheld-PCs und vor allem Handys verlagert, umso schneller werden dort auch substantielle Einnahmen zu verzeichnen sein.
Und wie so oft gilt auch hier, dass die besten Aussichten auf Gewinne der hat, der das Feld als erster bestellen kann. Dass Google es damit ernst meint, zeichnet sich seit einiger Zeit deutlich ab. So gab das Unternehmen vor kurzem eine Kooperation mit dem Handy-Weltmarktführer Nokia bekannt und bastelte für iPhone-Anwender eine speziell an das Internet-Handy angepasste Startseite.
Worum es aber wirklich geht, zeigte sich Ende April, als Google mitteilte, das gerade erst hinzu gekaufte Werbenetzwerk Doubleclick habe in seine auf Handywerbung spezialisierte Variante Doubleclick Mobile jetzt weitere Online-Werbenetzwerke integriert - allen voran Google adSense. Und mit "Android" hat der Konzern sogar ein eigenes Handybetriebssystem am Start. Welche besseren Voraussetzungen könnte man haben, um erfolgreich in den Markt für mobile Web-Werbung einzusteigen?
Yahoo und Microsoft als Einzelkämpfer haben dieser allumfassenden Vermarktungsmaschinerie wenig entgegenzusetzen. Gemeinsam hätten sie wenigstens eine Chance gehabt.
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