Von Felix Knoke
Schweden probiert die Musikflatrate
Für fünf Euro im Monat grenzenlos und legal Musik im Netz hören - das ist nicht etwa ein Vorschlag von Internet-Aktivisten; die schwedische Verwertungsgesellschaft Stim will das in Zusammenarbeit mit Internet-Providern noch im Herbst testen. Der Clou: Ein Flatrate-Nutzer hätte nicht Zugriff auf beschränktes Repertoire – wie das zum Beispiel Plattenfirmen überlegen –, sondern könnte tatsächlich im Netz hören, was und so viel er will. Heise zitiert unter Berufung auf die schwedische Zeitung Dagens Nyheter die stellvertretende Stim-Vorsitzende Eva Modin: "In unserer Vision soll man all die Musik hören können, die im Internet zu haben ist, genauso wie wir Fernsehen gucken; legal und ohne darüber nachzudenken, was gerade dieses Programm uns kostet." Möglich soll das eine Software machen, die dem Nutzer beim Musikhören über die Schulter schaut und mit protokolliert, was er gerade anhört. Die Flatrate-Einnahmen könnten dann fair an die jeweiligen Rechteinhaber ausgeschüttet werden. Hört sich nach einem Datenschutzdebakel an? Vielleicht, aber viele Musikfans machen bereits genau das mit dem Last.fm-Service, der daraus eine tolle Musikdienstleistung strickt – und dank eines Angebots von vielen tausend kostenlosen MP3s und Millionen Webstreams bereits eine Quasi-Flatrate anbietet.
Elektronisches Papier im DIN-A4-Format
Der japanische Elektronikkonzern Seiko Epson stellte auf einer Messe in Los Angeles ein E-Paper-Display im DIN-A4-Format vor, fast doppelt so groß wie der Vorgänger. Die Auflösung des elektrischen Papiers beträgt 3101x4128 Pixel.
Damit hat E-Paper laut Hersteller eine Größe und ein Auflösungsvermögen erreicht, das reicht, um Papier ersetzen zu können. Bilder vom Gerät gibt es auf Tech-On.
Singapur heroisch: Zensiert zwei Porno-Websites
Singapur will das Internet nichtig machen und löscht alle Porno-Angebote … zumindest symbolisch. Die erzwungene Providerzensur der zwei Sexclip-Seiten RedTube und YouPorn sei ein Zeichen für die "gesellschaftlichen Werte" des Landes. Laut Reuters ist in Singapur der Besitz, die Verbreitung und die Produktion von pornografischen Filmen verboten, die Netzzensur ein notwendiger Schritt zum Schutz der Jugend.
In die gleiche Kerbe schlägt der – deutsche – Philologenverband: In einem heute veröffentlichten Papier (PDF-Datei) prangert der Lehrerverband an, im Internet passiere praktisch kein Jugendschutz. Kinder würden dort zu früh mit Gewalt und Sex konfrontiert – dagegen würden Gesetze allein zwar nicht helfen, aber etwas "stärkere politische Einflussnahme auf Suchmaschinen" und die "obligatorische Integration von Schutzfiltern in Computer-Betriebssystemen" wünscht sich der Verband dann doch. Zensurwünsche hier wie dort gewissermaßen.
2013: Apple in jedem Haus
Wenn es nach den Marktforschern von Forrester Research geht, wird Apple sich bis zum Jahr 2013 in jedem Zimmer ihres Hauses eingenistet haben – und auch in den Fluren, ergänzt "Wired.com".
Die Forrester-Experten mutmaßten, was Apple in Zukunft wohl so vorhat: "Apple will sich in den nächsten fünf Jahren als Anbieter eines digitalen Heims neu erfinden." Das Unternehmen wolle Hardware, Software und Installationsdienstleistungen verkaufen, als Rundum-Sorglos-Paket eines "integrierten digitalen Erlebnisses." Das hört sich natürlich arg nach der verblendeten Science-Fiction der neunziger Jahre an, die Realität ist dann aber doch ganz trivial: Ein Server für die WG, eine W-Lan-Stereoanlage, digitale Bilderrahmen (also ganz normale Displays, die nicht auf dem Schreibtisch stehen) und mittendrin der "ehrwürdige Macintosh" als Spinne im Netz. Und so weiter und so fort – fehlt nur noch der sprechende Kühlschrank. Einziger Haken: Apple und Forrester sind ja bei all den Überlegungen zum digitalen Zuhause nicht allein. Eine ernsthaft gute Idee kann allerdings noch keiner der vielen Elektronikahersteller anbieten. Vielleicht liegt es auch daran, dass niemand noch mehr Technik im Alltag will, wie das Usability-Guru Don Norman predigt, sondern einfach nur eine besser funktionierende Umgebung?
Social Gaming: Neuer Markt, neue Pest
Geldgeber entdecken virulente Spielereien auf sozialen Netzwerken wie Facebook. Damit soll jetzt Geld verdient werden. Wie das geht, darum stritt man auf der InterPlay-Konferenz in San Francisco. Das CNET-Blog "geek gestalt" klingt ungewollt kritisch: "Wenn man einer von denen ist, die früh ein Produkt annehmen oder die eine der ersten Firmen in einem neuen Geschäftsfeld gründen, dann neigt man dazu, sehr optimistisch in die Zukunft zu schauen." Viel von dieser Energie sei am Donnerstag auf der InterPlay-Konferenz zum Thema "Social Gaming" zu spüren gewesen. Das heißt: Powerpoint-Präsentationen und Marketing-Gewäsch statt Fakten, Venture-Capital-Geschleime und Businessplan-Exerzitien. Alles, um einen Haufen Geld mit Nervspielereien auf sozialen Netzwerken wie Facebook zu verdienen. Und so fragt dann auch ein Panel-Teilnehmer: "Kann man Nutzer-Engagement und Virulenz in Geld verwandeln?" Viel Potential, aber auch viele Fragen zu Monetarisierung, wie's im Blasenblah heißt. Aber wenn man nicht mitheizt, kann man sich entspannt zurücklehnen und denken: Mal schauen, wie lange es den Leuten noch Spaß macht, sich bei Facebook Bildchen, Fragen und Quiz-Spiele zuzuschicken und sich damit die Profile zuzukleistern.
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