Einer der Entwickler, die für die "New York Times" derzeit digitale Zukunftsmodelle entwickeln, formulierte es so: "Die vergangenen 150 Jahre über haben wir eine Zeitung gemacht - und man kann die Daten nur auf eine einzige Art organisieren, wenn man sie druckt. Aber heute gibt es eine Menge unterschiedliche Arten, wie man die Nachrichten aufteilen kann."
Diese zwei Sätze aus einem Interview mit dem US- Videoblogger Robert Scoble fassen gut zusammen, was in den Köpfen vieler Vordenker derzeit vorgeht: Nachrichten sind eben das - Daten. Das Wort "Data" fällt dann gleich auch noch mal in einem zweiten Gespräch, das Scoble im NYT-Gebäude in Manhatten mit der Kamera seines Mobiltelefons aufzeichnete: dem Interview mit dem Architekten der " TimesMachine", des neuen Früh-Archivs der Zeitung, das bis in die Jahre 1851 bis 1922 zurückreicht. Man kann dort nachlesen, was die Zeitung etwa zum Ende des Ersten Weltkrieg zu sagen hatte, oder sich die Originalberichterstattung über die Titanic-Katastrophe ansehen. Die Grey Lady, so könne man sagen, blickt derzeit gleichzeitig sehr weit zurück und sehr weit in die Zukunft.
80 Prozent Umsatz immer noch aus dem Printgeschäft
Die TimesMachine ist ein mit aktueller Web-Technologie auf Hochglanz poliertes digitales Archiv - für Nicht-Abonnenten ist leider nur ein Kostpröbchen frei zugänglich. Das Entwicklerteam hat komplette Seiten in ein E-Paper verwandelt, einzelne Artikel kann man sich gesondert als PDF anzeigen lassen. Die Bedienung ist intuitiv, und die Schätze, die dort zu heben sind, werden Generationen von Schülern, Studenten, Historikern und Hobbyhistorikern beschäftigen. Ähnlich wie das nun komplett zugängliche SPIEGEL-Archiv - das naturgemäß nur 60 Jahre zurückreicht und nicht 157. Aber auch diese publizistischen Hinterlassenschaften sind eben aus heutiger Sicht zunächst mal: Daten. Genau wie die Zeitung von heute.
Und für die wird bei der "NYT" an neuen Darreichungsformen gearbeitet - obwohl, wie Times-Vertreter Phil Roberts kürzlich bei einer Tagung sagte, das Blatt bis heute 80 Prozent seiner Umsätze mit der Printausgabe macht. Und das, fügte Robert hinzu, werde sich auch in naher Zukunft nicht dramatisch ändern. Die Zeitung werde noch viele Jahre lang gedruckt werden, weil es eben Leser gebe, die sich nicht auf digitale Ausgaben umstellen würden.
Scoble ließ sich die Pläne für solche digitalen Varianten dann aber doch schon mal zeigen - zum Beispiel einen digitalen Zeitungsautomaten, auf dessen Bildschirm man sich seine eigene Zeitung individuell zusammenstellt, die dann als Ausdruck aus der Maschine kommt. Oder die, analog zu einem eben von Google gestarteten Projekt, mit Google Earth verknüpften "NYT"-Artikel: Die Zeitung wird zur Daten-Schicht über Googles digitalem Globus - genau das meinte der oben zitierte Entwickler, als er von den "unterschiedlichen Arten, wie man Nachrichten aufteilen kann", sprach.
cis
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