Von Frank Patalong
Finetuning
Also weiter: bewerten, bewerten, bewerten. Man muss schon investieren in diesen Dienst. Nach gefühlten zwei Stunden hat The Filter es begriffen. Da sitzt einer, der auch Sachen gut finden mag, die er nicht nonstop hören muss. Nach erneutem Einloggen weitet sich die Bandbreite aus. Von Mainstream-Musik wie Snow Patrol, Verve oder The Killers über Klassiker wie die Smiths bis hin zu Krummtönern wie den Decemberists, den Shins und Iron & Wine reicht nun die Spanne - weniger angestaubt als zuvor. Das Gros ist immer noch uralter, langweiliger Käse, aber das könnte sich bessern, wenn ich fleißig weiterbewerte.
Beim Film klappt das hingegen gar nicht. Offenbar muss ich jeden Bond-Film einzeln als "bleib mir bloß weg damit!" bewerten, und dass ich - in nostalgischer Reminiszenz an die Kindertage meines Nachwuchses - einen Disney-Streifen ("The Grinch") als positiv bewertet habe, macht mich dauerhaft zum Bambi-Kandidaten. Und überhaupt - der erste Film, dem ich freiwillig einen Abend opfern würde, begrüßt mich beim Blättern erst auf Seite sieben.
Macht nichts, denn man verpasst natürlich nichts. So schön das Konzept in der Theorie auch ist, alle denkbaren Entertainment-Inhalte vorgefiltert zusammenzuführen, scheitert dies an den Realitäten des Marktes. Musik bekommt man bei The Filter in Massen zu hören, zu sehen bekommt man dagegen fast nichts außer YouTube-Häppchen und Film-Trailer. Die Filmecke beschränkt sich auf Werbeschnipsel und die Abbildung von DVD-Hüllen.
Aus Datenschutzsicht ein absoluter Alptaum
Die Sektion TV sieht noch rasierter aus. "We are working on it" steht da, zu Deutsch: Hier herrscht absolute Sendepause. Irgendwie hat man das Gefühl, The Filter könnte vielleicht etwas übereilt gelauncht worden sein.
Viel stärker kommt der Dienst allerdings daher, wenn man ihm mit Hilfe eines Programmapplets, das für Windows und Mac angeboten wird, Zugriff auf den eigenen Rechner sowie auf sein Last.fm-Profil erlaubt. Dann beginnt The Filter nämlich alles zu beobachten, was man medial auf dem Rechner treibt und nutzt. Regelmäßig wird das dann an den Web-Dienst übermittelt.
Begeisterte Nutzer von Social Networks haben sich ja daran gewöhnt, ihr Intimleben weltweit zu veröffentlichen. Für mich ist das nichts: Aus Sicht des Datenschutzes ist dann auch The Filter durch die Verknüpfung mit dem Nutzerprofil ein absoluter Alptraum.
Fazit?
Ja, die Idee ist gut. Ja, die Nutzerführung ist unkompliziert. Was Musik angeht, ist der Dienst durchaus komfortabel, sobald man ihm genug über sich beigebracht hat. Ähnlich wie bei Last.fm kann man sich darüber hinaus nicht nur Dinge vorschlagen lassen, sondern auch direkt nach Musik suchen. Eine Zweiteilung der Maske sorgt dafür, dass man Hören und zugleich schon den nächsten Titel auswählen kann - eine feine Sache.
Da endet die Multimedialität aber auch schon. Der Zugriff auf Video-Inhalte ist bisher auf Web-Videos begrenzt, und da nach (nicht wirklich spürbaren) Geschmackskriterien bedient zu werden, ist wenig sinnvoll: YouTube und Co. leben davon, Wundertüten zu sein. Dort sucht man gerade das Unerwartete, nicht das, was man kennt. Film und TV finden hingegen (zumindest im europäischen Filter-Dienst) nicht statt.
Noch steht allerdings auch das Wörtchen "Beta" im Filter-Logo - das Web-übliche Signal für "Das hier ist noch nicht fertig". Nach dem Launch zu Beginn der Woche verzögerte sich dieser Artikel, weil der Dienst über mehr als 24 Stunden kaum erreichbar war und wenn, dann offenbar mit eingeschränkten Funktionen - da wackelt noch so einiges.
Der wohlwollende Rezensent gönnt dem Filter da noch Zeit, zu voller Pracht zu erblühen. Der Pragmatiker aber kann seinem Leser bisher kaum zum Besuch raten: Was The Filter bisher bietet, bekommt man andernorts besser.
Dass das Angebot in dieser Woche weltweit so viel Presse bekommen hat, zeigt vor allem, wie viel man Peter Gabriel hier zutraut. Einen echten Vollflop hat der Mann noch nicht gelandet. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob das auch für The Filter gilt. Das Konzept aber ist zukunftsfähig: "Gib mir weniger!" hat beste Chancen, zu einem Trend zu werden.
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