ThemaNetztickerRSS

Alle Kolumnen

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.06.2008
 

Netzwelt-Ticker

Bürger telefonieren vorsichtiger

Von Richard Meusers

Die Deutschen misstrauen der Vorratsdatenspeicherung und sind seit dem Inkrafttreten der entsprechenden Gesetze sensibler im Umgang mit E-Mail & Co. Außerdem: Kopierer und Drucker sind potentielle Datenlecks, Quasseln steigert die Arbeitseffizienz. Das und mehr im Überblick.

Seit knapp einem halben Jahr ist das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung von E-Mail- und Telefonverbindungsangaben in Kraft und die Deutschen fühlen sich immer noch reichlich unwohl damit. Wie eine repräsentative Forsa-Umfrage Ende Mai ergab, würde über die Hälfte der Befragten, 52 Prozent, einen Arzt oder eine Drogenberatungsstelle nicht mehr via Telefon, E-Mail oder Handy kontaktieren. Und knapp jeder zweite betrachtet die Vorratsdatenspeicherung als "einen unverhältnismäßigen und unnötigen Eingriff in seine Freiheitsrechte" (Pdf).

Vorsicht, Freund und Helfer hört mit: Der gemeine Deutsche findet es nicht prickelnd, dass er zunehmend bewacht wird
DPA

Vorsicht, Freund und Helfer hört mit: Der gemeine Deutsche findet es nicht prickelnd, dass er zunehmend bewacht wird

Einer der Auftraggeber für die Umfrage, der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, forderte in der Konsequenz aus den Ergebnissen die Aufhebung des entsprechenden Gesetzes zur Sammlung von Verbindungsdaten: "Die abschreckende Wirkung dieses Gesetzes ist lebensgefährlich, wo etwa telefonische Hilferufe bei Psychotherapeuten oder Drogenberatungsstellen unterbleiben."

Weltkarte der bösen Webseiten

Im Internet ist es wie im richtigen Leben: viele Gegenden sind hell, freundlich und vor allem sicher, während in so mancher finsteren Ecke böse Buben und Gefahren lauern. Das IT-Sicherheitsunternehmen McAfee hat nun eine Landkarte des Bösen erstellt, die weltweit gefährliche "Gebiete", genauer Domains aufzeigt.

Am gefährlichsten wurden Seiten mit den Länderkürzeln ".hk" für Hongkong, ".cn" für China sowie die allgemeine ".info" Domain eingestuft. Fast jede fünfte (19,2 Prozent) der in Hongkong beheimateten Webseiten stellte für Besucher eine Gefahr zum Beispiel wegen möglicher Vireninfektion dar. Bei chinesischen Seiten waren es 11,8 Prozent und bei den ".info"-Domains 11,7 Prozent.

Mit einer Gefahrenrate von fünf Prozent stehen ".com"-Domains vergleichsweise gut da. In Europa riskiert der Besucher bei immerhin 6,8 Prozent der rumänischen (".ro") und sechs Prozent der russischen Seiten (".ru") Kontakt mit unerwünschtem Material. Als Saubermänner stehen hingegen die Japaner (".jp") mit einer Risikorate von 0,3 Prozent und die Australier mit sogar nur 0,1 Prozent da.

Datenhack aus dem Drucker und Fotokopierer

Im Büro benutzt sie jeder täglich und denkt nicht über die Gefahren als potentielle Datenlecks nach: Drucker und Fotokopierer. Vor allem, wenn sie über das Büronetzwerk mit dem Internet in Verbindung stehen. In einem gestern veröffentlichten Bericht wies die EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) auf diesen Umstand hin.

Von den befragten 350 Unternehmen zeigten sich die weitaus meisten völlig arglos gegenüber den lauernden Risiken der Geräte, die das verarbeitete Datenmaterial in der Regel im eigenen Datenspeicher zwischenlagern, der auch dem unberechtigten dem Zugriff von außen offensteht. Besonders gefährlich ist das, wenn Kopierer oder Drucker für die Bearbeitung von sensiblem Material benutzt werden, egal, ob es sich dabei um die eigene Steuererklärung oder geheime Firmeninformationen handelt.

Super-Stromausfälle in den USA: waren's die Chinesen?

Als vor fünf Jahren ein gewaltiger Stromausfall in den USA über 50 Millionen Menschen im Düsteren sitzen ließ, waren bald die Medien voll von Berichten und Lästereien über das marode amerikanische Stromnetz. Doch möglicherweise sind die Ursachen für den Blackout vielschichtiger und nicht nur in schlecht gewarteter und verrosteter Infrastruktur zu suchen.

Im National Journal werden Informationen aus Geheimdienstkreisen beleuchtet, denen zufolge Computerexperten der chinesischen Armee zur Zeit des Stromausfalls Zugriff auf die elektronische Steuerung der US-Stromversorgung hatten und dabei möglicherweise unbeabsichtigt den Energieaussetzer verursachten. Eine ähnliche Schusseligkeit chinesischer Armeehacker könnte auch zu einem Versagen der Stromversorgung in Florida geführt haben. Womit sich alle Warnungen vor zukünftigen Cyberattacken als kalter Kaffee erweisen: sie finden schon längst statt.

Mehr Effizienz durch Chatten

Quasseln, Telefonieren, Mailen, Chatten: all das hält vom Arbeiten ab, so die landläufige Meinung. Stimmt nicht, sagen Forscher der Universitäten von Ohio und Kalifornien. Zumindest die Verwendung von Instant Messengern führt angeblich sogar zu einem flüssigeren und an Unterbrechungen ärmeren Arbeitsprozess.

Wer im Büro ICQ, AIM & Co. benutzt, soll sogar effizienter arbeiten als seine messengerlosen Kollegen. Die originelle Begründung: Telefon, E-Mail oder gar das gute alte Gespräch von Angesicht zu Angesicht störe den Arbeitsablauf in viel höherem Maße. Da fragt man sich erstaunt, wer wohl diese Studie finanziert haben mag.

Außerdem:

Bruce Schneier: wieso vertrauen wir gefaxten Unterschriften?
Lahmes Internet: löchriges Kabelnetz bremst Datenstrom aus
EBay: bald mehr Umsatz durch Sofortverkäufe als durch Auktionen?

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Netzticker

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP