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25.06.2008
 

IT-Tycoon Gates

Die drei Leben des Turnschuh-Nerds

Von Frank Patalong

Er ist einer der letzten Tycoons - Ende des Monats zieht sich Bill Gates endgültig aus dem Microsoft-Geschäft zurück. Ein Epochenbruch für die ganze IT-Branche: Sie hat die Gründer-Zeit hinter sich gelassen. Ein Rückblick auf Flops, Erfolge, Visionen und Halluzinationen des Microsoft-Gurus.

Wer ist der Freak, wer ist der Chef? Auf einem der ersten Bilder des kleinen Start-up-Teams, aus dem einmal Microsoft erwachsen sollte, sieht man Bill Gates frisch gekämmt und schick gemacht als dürren Schlacks. Er sitzt neben einem Bartträger, der so aussieht, als gehörte das Jacket zu seiner täglichen Arbeitskleidung.

Wer nichts weiß von Microsoft und Bill Gates und den manchmal absonderlichen Geschichten dieser seltsamen IT-Branche, der liest das Bild so: Da sitzt der Chef des Ganzen neben seinem Juniorpartner. Der Geschäftsmann neben seinem leicht langhaarigen Hack-Talent. Die Füße des gerade der Pickelphase entwachsenen Nerds sieht man nicht auf dem Bild - und doch ahnt man die Turnschuhe.

Allen und Gates: Wer ist der Business-Kopf, wer der IT-Freak? Wer sitzt oben, wer unten?
DPA/ Microsoft

Allen und Gates: Wer ist der Business-Kopf, wer der IT-Freak? Wer sitzt oben, wer unten?

Falscher könnte man kaum liegen. Paul Gardner Allen, der Herr links im Bild, ist nur zwei Jahre älter als Bill Gates. Beide verbindet eine lange Freundschaft, als sie 1975 Microsoft gründen. Doch es ist Allen, der vor allem hackt und programmiert, und der Anwaltssohn Gates, der auch den Kopf fürs Geschäft hat. Bis 1983 leiteten sie die kleine Firma gemeinsam, die zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Welt werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt war Gates bereits einer der Helden der neuen IT-Zeit.

Metamorphosen

Ein Held? Durchaus: In der öffentlichen Wahrnehmung veränderte sich das Image von William Henry Gates III immer wieder, drei große Phasen lassen sich benennen. In der ersten wurde Gates regelrecht zum Popstar, zum Robin Hood der IT-Welt, der dem bösen Sheriff von IBM zeigte, was eine Harke ist. In der zweiten wurde Gates zum reichsten Mann der Welt, Microsoft zu einem der mächtigsten Unternehmen und Gates zum Buhmann. In der dritten mauserte er sich abermals - zum Wohltäter und Elder Statesman eines Unternehmens, das über Ressourcen verfügt wie manche Staaten nicht.

Vor allem aber ist Gates einer der letzten echten Tycoons: Mit ihm geht für die IT-Branchen die Zeit ihrem Ende entgegen, in der große Gründer- und Lenkergestalten so prominent für ihre Unternehmen standen, dass ihre Namen fast synonym mit denen ihrer Unternehmen gehandelt wurden. Gates war Microsoft, Microsoft war Gates, selbst nachdem dieser die Firmenleitung im Januar 2000 an Steve Ballmer abgegeben hatte.

Das ist typisch für junge Industrien. Auch in der Autobranche, in der Musik- und Filmindustrie dominierten in den ersten Jahrzehnten Tycoons, die mit Gesicht und Name für ihre Firmen standen. Danach kamen die Manager - aber wer außer begeisterten Wirtschaftsteillesern wüsste heute schon noch, wie der aktuelle Chef von Ford, Warner oder MGM heißt? Nach Gates' Abgang bleibt in dieser Liga fast nur noch die potentielle Skatrunde Jobs, Murdoch und Buffet übrig - wobei nur die zwei letzteren noch so prominente Tycoons sind, dass ihre Namen bekannter als die ihrer Unternehmen sind.

Ende einer Ära

Am Freitag, dem 27. Juni 2008, hat Bill Gates seinen letzten geregelten Arbeitstag bei Microsoft. Am Montag - firmenintern "Day of Transition" genannt, als ginge es um eine Himmelfahrt - hat er frei, um sich danach noch seinen Aufgaben als Aufsichtsratsvorsitzender und Kopf der Gates Foundation zu widmen, die er mit seiner Frau Melinda und seinem Vater William Henry Gates II führt. Seine Funktionen im Unternehmen hatte Gates in den letzten Jahren schon auf mehrere Schultern verteilt, seinen Abgang schon vor Monaten angekündigt, um den Aktienkurs nicht unnötig ins Wackeln zu bringen.

Wackeln wird bei Microsoft wohl nichts, wenn Gates geht, zumal er dem Unternehmen in nicht-operativer Funktion erhalten bleibt. Verloren geht dem Unternehmen trotzdem etwas. Gates war Idol, Blitzableiter, Zielscheibe, Hassfigur und vieles mehr. In seinen wechselnden Images, in seiner Karriere spiegelt sich die Entwicklung einer ganzen Branche.

Wir haben uns die Geschichte des Bill Henry Gates noch einmal angesehen.

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