Von Konrad Lischka
Fehler oder Service? Microsoft erklärt zu Beginn einer sogenannten Problembeschreibung zwar freimütig, dass Excel "fälschlicherweise" annimmt, "dass das Jahr 1900 ein Schaltjahr ist" - der Rest des Dokuments ist aber eine Rechtfertigung dieses Fehlers. Die Geschichte beginnt 1983, und schuld ist demnach nicht Microsoft, sondern die Software-Firma Lotus: "Als die erste Version von Lotus 1-2-3 veröffentlicht wurde, ging das Programm davon aus, dass das Jahr 1900 ein Schaltjahr ist, auch wenn dieses Jahr eigentlich kein Schaltjahr ist."
Dies habe dem Programm die Verarbeitung von Schaltjahren erleichtert und bei der "Mehrzahl der Datumsberechnungen in Lotus 1-2-3 keinerlei Probleme" verursacht. Microsoft hat den Fehler nach eigenen Angaben nur zwecks Kompatibilität übernommen: "Durch das Akzeptieren dieser Annahme waren Microsoft Multiplan und Microsoft Excel in der Lage, das auch von Lotus 1-2-3 verwendete fortlaufende Datumssystem zu nutzen."
Weil der Fehler in jeder weiteren Excel-Version erhalten blieb, könne man den Fehler heute nicht korrigieren. In Microsoft-Deutsch: "Die Nachteile einer solchen Korrektur überwiegen bei weitem die Vorteile." Denn fast alle Datumsangaben in aktuellen Microsoft-Excel-Arbeitsblättern würden dann um einen Tag zurückspringen.
Das Phantomschaltjahr 1900 hingegen mache heute nur jenen wenigen Menschen Ärger, die mit Datumsangaben zwischen dem 1. Januar und dem 1. März 1900 Wochentage zuordnen wollen. Microsoft kommentiert lapidar: "Da die meisten Benutzer keine Datumsangaben vor dem 1. März 1900 verwenden, tritt dieses Problem sehr selten auf."
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